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Neue Rangordnung

Tegut weg: Jetzt wird Migros Aare die Nummer eins

Die Genossenschaft Zürich räumt ganz im Sinne von CEO Irminger ihr Auslands-Schlamassel auf. Damit gibt es im Konzern eine neue Nummer eins.

BIL Stehsatz / Redaktionsmitarbeiter / Erich Buergler BA 1/4rgler

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CEO Mario Irminger (r.) und Zürich-Chef Patrik Pörtig verabschieden sich von den Aktivitäten im Ausland. Diverse

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Die Grössenverhältnisse im Migros-Universum verschieben sich. Nur dank den Auslandsaktivitäten konnte sich Zürich bislang mit dem Titel der grössten aller zehn Genossenschaften schmücken. Dabei verloren die Zürcher mit der deutschen Supermarktkette Tegut seit der Übernahme vor 13 Jahren insgesamt 570 Millionen Franken – einer der grössten finanziellen Flops in der Geschichte des orangen Riesen.
Patrik Pörtig, seit Juli 2024 Chef der Genossenschaft Migros Zürich (GMZ), zog die Reissleine und stösst die defizitäre Tochter ab. Der Grossteil der 300 Filialen wird an die deutsche Kette Edeka gehen, und auch Konkurrent Rewe übernimmt Standorte. Die Marke Tegut verschwindet. Ohne den Tegut-Umsatz von umgerechnet mehr als einer Milliarde Franken und durch den Wegfall der ebenfalls aufgegebenen Alnatura-Supermärkte wird der GMZ-Umsatz von über 4 Milliarden Franken auf rund 2,8 Milliarden sinken.
Neue Nummer eins wird damit spätestens ab 2027 die Migros Aare mit über 3 Milliarden Franken Umsatz. Der Status als grösste Genossenschaft war Ex-GMZ-Chef Jörg Blunschi, der das Tegut-Debakel verantwortete, wichtig. Seinen Nachfolger Pörtig kümmert das wenig. Er räumt auf – ganz im Sinne von Migros-Chef Mario Irminger, der auch bei den Industriebetrieben voll auf das Inlandsgeschäft setzt und nach dem Verkauf verschiedener Geschäftsbereiche für 2025 einen Sondergewinn verbuchen konnte.

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Nun geht es darum, die komplexen Strukturen zu entwirren. Die Migros dementiert zwar einen Medienbericht, wonach Irminger an einem Kaderanlass gesagt haben soll, man strebe die baldige Fusionierung der Genossenschaften auf maximal drei an. Doch die Verschlankung hat längst eingesetzt. Die Migros Luzern übernimmt die Logistik für das Tessin. Das Gleiche wird die Migros Aare für Basel machen, und auch die vier Westschweizer Genossenschaften wachsen zusammen. Logistik und Marketing werden fusioniert. Dass dies mittelfristig auf eine Zusammenlegung von Genossenschaften hinausläuft, ist für Migros-Insider klar.
Dabei könnte auch helfen, dass spätestens 2030 zwei Top-Posten frei werden: Mario Irminger und Peter Diethelm, Chef der zentralen Einheit Supermarkt AG, kommen dann gleichzeitig ins Pensionsalter. Eine interne Nachfolge gilt als sicher. Der 47-jährige Zürich-Chef Pörtig hat Zeit, zu beweisen, dass er das Kerngeschäft mit dem veralteten Filialnetz auf Vordermann bringen kann. Als Kandidat gilt auch der gleichaltrige Migros-Genf-Chef Grégory Décaillet der zuvor in der Migros-Zentrale tätig war. Guido Rast, als Leiter der Migros Luzern und Präsident der Supermarkt AG eine wichtige Migros-Figur, wäre mit Jahrgang 1970 eher eine Übergangslösung. Intern positiv aufgefallen ist der langjährige Valora-Manager Thomas Eisele, seit einem Jahr Chief Transformation Officer. Eines haben die Kandidaten gemeinsam: Keiner würde sich als Anwärter für den Chefposten ins Spiel bringen. Bei der Migros gilt Zurückhaltung als Tugend.

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