Sorgen nicht nur auf der Strasse für Aufsehen, sondern auch in der Politik: Microlino-Erfinder Wim Ouboter (Mitte) mit seinen Söhnen Merlin (l.) und Oliver (r.). Andrea Zahler
Die Schweizer Microlino AG zieht vor das Bundesverwaltungsgericht. Der Grund: Die Fahrzeugkategorie L7e, zu der ihr Zweisitzer Microlino gehört, wird bisher von den CO₂-Anrechnungsgutschriften ausgeschlossen – obwohl das Fahrzeug emissionslos fährt. «Eine kleine Anpassung in der Verordnung würde ausreichen», sagt Wim Ouboter, der Gründer von Micro Mobility Systems. Bereits mehrfach habe er beim Bundesamt für Energie (BFE) vorgesprochen, bislang jedoch ohne Erfolg.
Nun hat Ouboter die Zürcher Anwältin Cordelia Bähr engagiert und Beschwerde gegen das BFE beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Bähr betreute unter anderem auch die Klage der Klimaseniorinnen gegen die Schweiz am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Im Beschwerdeschreiben fordert die Rechtsanwältin, dass das Elektroleichtfahrzeug in die Co2-Flottenregulierung des Bundes aufgenommen wird. Sie behaftet sich dabei auf die Rechtsgleichheit und Wirtschaftsfreiheit, von der Microlino aktuell ausgeschlossen werde. Dies führe zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung, heisst es weiter. Es werde eine Untersuchung der Wettbewerbskommission gefordert. Das Verfahren ist beim Bundesverwaltungsgericht hängig.
Das Elektroauto ist eine Hommage an die BMW Isetta der 1950er Jahre. Es wiegt 500 Kilogramm und fährt bis zu 90 km/h.Joan Nathanael Minder
Das Elektroauto ist eine Hommage an die BMW Isetta der 1950er Jahre. Es wiegt 500 Kilogramm und fährt bis zu 90 km/h.Joan Nathanael Minder
Das globale Phänomen soll sich wiederholen
Die Familie Ouboter beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Mikromobilität. Wim Ouboter revolutionierte um die Jahrtausendwende mit dem Kickboard und dem Micro Scooter das Trottinett und erzielte damit einen globalen Grosserfolg, der das Unternehmen bis heute trägt. Laut eigenen Angaben erzielt die Micro Mobility Systems AG rund 70 Millionen Franken Umsatz im Jahr.
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Entsprechend diesem Vorbild haben Ouboter und seine Söhne Oliver und Merlin ambitionierte Pläne für die Microlino AG. Bis 2030 wollen sie 100'000 Fahrzeugen pro Jahr produzieren und einen Umsatz von über einer Milliarde Franken erzielen. Die Expansion in die USA begann 2025, und bereits 2026 soll dieser Markt genauso bedeutend sein wie Europa. Als weitere Produktionsstandorte erwägt das Unternehmen China und Indien, während das Werk in Turin weiterhin als Basis dient. Aktuell liefen bereits 5000 Fahrzeuge ab Band, 1500 davon wurden in der Schweiz verkauft.