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Grosse Herausforderungen

Leonteq steht am Scheideweg

Das Jahresergebnis enttäuscht. Laufen die Kunden davon, besteht das Risiko für einen Teufelskreis. Doch es könnte auch ein Happy End geben.

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Eng wird es am Hauptsitz an der Europaallee in Zürich nicht. Um Kosten zu sparen, wird in der Schweiz Personal abgebaut. Nearshoring ist angesagt. In Portugal sucht man Personal. PR

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Nachdem der Verlust 2025 höher als erwartet ausgefallen und die Dividende gestrichen worden war, stürzte der Kurs der Leonteq-Aktie auf einen neuen Tiefstand ab. Die Historie an Enttäuschungen ist um eine Episode reicher. Investoren hat man bereits vergrault – es besteht das Risiko, dass sich nun auch Kunden abwenden. «Das Geschäft von Leonteq hat unter dem negativen Kursverlauf, den Verfahren und der negativen Medienberichterstattung gelitten. In solchen Szenarien sind die Kunden weniger bereit, mit Leonteq als Gegenpartei zusammenzuarbeiten. Es besteht ein gewisses Risiko, dass sich ein Teufelskreis entwickeln könnte», sagt ZKB-Analyst Daniel Regli.
Leonteq hat eine innovative Plattform. Hedging- oder Optionskomponenten können dort unabhängig von der Bondkomponente zusammengestellt werden. Angewiesen sind die Kunden auf das Derivatehaus nicht. Der Markt für strukturierte Produkte ist kompetitiv. Zahlreiche Anbieter, darunter Grössen wie UBS oder Vontobel, sind hier aktiv. «Die Technologieführerschaft wird immer wieder hervorgehoben. Aber Leonteq ist grundsätzlich absolut ersetzbar», sagt Reto Huber, Head of Equity Resarch bei Research Partners.

Glas halb leer oder halb voll?

Geht es nach den Experten, steht der seit März 2025 amtierende CEO Christian Spieler derzeit an einem Scheideweg. Beide Richtungen seien möglich. Laut dem ZKB-Experten Regli könnte sich der Aktienkurs leicht verdoppeln, aber auch halbieren: «Will man positiv sein, kann man sagen, dass der Ertragsdruck vorübergehend war und die regulatorischen Verfahren positiv zu Ende gehen. Will man negativ sein, kann man sagen, dass die Kosten nicht markant gesenkt werden können, die Ertragslage schwierig bleibt und die Kunden weiter davonlaufen.»

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Nicht halb leer, sondern mindestens halb voll ist das Glas aus der Sicht von Leonteq. Zwar habe man die Altlasten letztes Jahr auf der Kundenseite noch gespürt. Doch sei das Volumen der ausstehenden eigenen Produkte im zweiten Halbjahr 2025 gestiegen. «Das ist ein klares Zeichen des wiederkehrenden Vertrauens in Leonteq», sagt Leonteq-Sprecher Dominik Ruggli. Er ist erstmals seit Langem wieder auf einer Roadshow unterwegs.

Leonteq habe eine solide Kapitalbasis gelegt und sei die Altlasten los. «Jetzt fokussieren wir alle Ressourcen auf das Kundengeschäft.» Für das erste Halbjahr 2026 ist eine Rückkehr zu einem positiven Vorsteuerergebnis geplant. Für Anfang 2027 wird ein Aktienrückkauf angestrebt.
Vonseiten der Verfahren gibt es Entspannung. Das Verfahren mit der deutschen BaFin ist bereits abgeschlossen, der Abschluss der Finma-Untersuchung wird in nicht allzu ferner Zukunft erwartet.
Ob Leonteq der Turnarond gelingt, wird der Markt entscheiden, genau genommen die Volatilität. Sind die Schwankungen an den Finanzmärkten zu gering, ist das schlecht für das Geschäft. Im turbulenten ersten Halbjahr 2025 hatte Leonteq im Handel kräftig verdient, im zweiten schmolzen die Erträge wieder weg.

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Leicht wird es für Leonteq-CEO Christian Spieler nicht sein, den Struki-Dampfer wieder auf Kurs zu bringen.PR
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Leicht wird es für Leonteq-CEO Christian Spieler nicht sein, den Struki-Dampfer wieder auf Kurs zu bringen.PR

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