Abo
Carte Blanche

KI ist (noch) kein Gamechanger

KI wird heute vor allem als eine Effizienzmaschine gesehen. Das ist kurzsichtig: KI muss Wachstum erzeugen.

Gustav Baldinger

file850mdh23xyh12fdk2f6f
ยซOhne Wachstum ist KI nicht viel mehr als eine Betriebsoptimierung mit gesellschaftlichen Kollateralschรคdenยป, schreibt Gustav Baldinger. Markus Bertschi; Fotografie

Werbung

Kรผnstliche Intelligenz (KI) wird derzeit vor allem mit einem Wort verbunden: Jobabbau. Fast die Hรคlfte der von PwC Schweiz jรผngst befragten CEOs erwartet, dass insbesondere Nachwuchskrรคfte in den kommenden Jahren massiv darunter leiden โ€“ und das ist lรคngst bittere Realitรคt. Doch in Panik zu verfallen, ist keine Lรถsung. Fakt ist, dass KI heute vor allem als Werkzeug zur Effizienzsteigerung gesehen wird. Von einem echten Gamechanger sind wir jedoch weit entfernt. Was jetzt zรคhlt, sind Mut, klare Strategien und vor allem der Wille zur aktiven Gestaltung, damit KI zum Motor des wirtschaftlichen Wachstums in der Schweiz wird.
Viele Schweizer Unternehmen, insbesondere KMUs, verfรผgen noch nicht รผber die nรถtige technische Infrastruktur oder Erfahrung, um KI breitflรคchig einzusetzen. Unsere CEO-Umfrage zeigt: Mehr als die Hรคlfte der Firmen verwendet KI, um Prozesse zu verschlanken und Kosten zu senken โ€“ nur rund 15 Prozent verzeichnen messbare Umsatzsteigerungen. Effizienz steht also im Vordergrund. Angesichts der hohen Personalkosten in der Schweiz ist das zwar verstรคndlich, doch kurzsichtig. Eine zukunftsfรคhige Strategie muss anders aussehen: Kรผnstliche Intelligenz muss Wachstum erzeugen, sonst bleibt sie eine teure Betriebsoptimierung mit gesellschaftlichen Kollateralschรคden.

Partner-Inhalte

Am hรคrtesten trifft die Disruption durch KI junge Talente, aber auch Mitarbeitende bis ins mittlere Management. Die Technologie verdrรคngt vor allem Routinetรคtigkeiten โ€“ von einfacher Datenanalyse bis zur Standardprogrammierung โ€“, genau jene Aufgaben, mit denen junge Fachkrรคfte ihre ersten Berufserfahrungen sammeln. Das bedeutet einen massiven Einschnitt bei Einstiegschancen und Entwicklungsmรถglichkeiten fรผr den Nachwuchs. Die technologische Transformation wird so auch eine Bewรคhrungsprobe fรผr Unternehmen im Umgang mit ihren Talenten. Differenzierung wird kรผnftig รผber Qualitรคt statt Quantitรคt laufen. Wenn weniger Einstiegsstellen zur Verfรผgung stehen, mรผssen Unternehmen mehr denn je in ihre Mitarbeitenden investieren โ€“ das heisst in Aus- und Weiterbildung und vor allem in die Fรถrderung von Fรคhigkeiten, die KI (noch) nicht ersetzen kann.
Gleichzeitig entstehen neue KI-gestรผtzte Geschรคftsmodelle, innovative Produkte und neue Geschรคftsfelder nicht รผber Nacht. Wir sehen eine รœbergangszeit von zwei bis drei Jahren, in der vor allem Effizienzgewinne erzielt werden und sich erst nachher nachhaltige Wachstumsimpulse mit neuen Dienstleistungsfeldern entwickeln.
Fรผr die Schweiz als Innovationsweltmeisterin bedeutet das Zeit, innezuhalten und Chancen zu erkennen. Dank ihrer starken Forschungslandschaft, der engen Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft sowie der hohen Investitionsbereitschaft kann unser Land neue digitale Nischen besetzen und Exportchancen schaffen. Die Politik darf dabei nicht tatenlos bleiben, sondern muss aktiv Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehรถren Investitionen in Bildung und gezielte Fรถrderprogramme fรผr junge Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, um den disruptiven Umbruch sozial und wirtschaftlich abzufedern. Die Bildungspolitik muss weg von ihrem aktuellen Sparkurs, hin zu agileren, technologieaffinen und zukunftsgerichteten Reformen.

Werbung

Mein Fazit: KI ist vor allem ein Instrument zur Effizienzsteigerung mit spรผrbaren Nebenwirkungen auf dem Arbeitsmarkt โ€“ insbesondere fรผr junge Talente. Doch das darf uns nicht lรคhmen. Mutige Investitionen in Bildung und Talentfรถrderung sowie klare politische Weichenstellungen sind jetzt gefragt, um die vorรผbergehende Jobbremse in einen nachhaltigen Wachstumsmotor zu verwandeln. Die Zeit drรคngt. Wer jetzt konsequent den Wandel gestaltet, statt in Angst zu verharren, sichert sich in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil.
Mutige Investitionen in Bildung und Talentfรถrderung sowie klare politische Weichenstellungen sind jetzt gefragt.

Werbung