Das WEF in Davos bekommt Konkurrenz aus Basel: Ab 2028 soll dort ein neues Ideenfestival entstehen โ initiiert von James Murdoch und inspiriert von der Art Basel.
Christian Kolbe
Unter amerikanischen Einfluss: WEF-Co-Prรคsident Larry Fink ... AP
So amerikanisch wie 2026 war das Jahrestreffen des World Economic Forum (WEF) noch nie. Das lag einerseits am dritten Besuch von US-Prรคsident Donald Trump (79), der alle anderen wichtigen Themen und Treffen in den Schatten stellte. Doch es hat auch damit zu tun, dass mit Larry Fink (73) ein Amerikaner als Co-Prรคsident mit an der Spitze des Forums steht โ und das seit kurzem nicht mehr nur interimistisch. Der Macht von Blackrock-Chef Fink hat der Schweizer Co-Prรคsident Andrรฉ Hoffmann (67) wenig entgegenzusetzen.
Immer wieder mal ist zu lesen, dass der Erfolg des WEF in Davos GR bei den Amis den Appetit geweckt hat, der Schweiz das erfolgreiche Treffen der Reichen und Mรคchtigen zu entreissen. Das Zeitfenster erscheint gรผnstig, solange die Nachfolge von WEF-Grรผnder Klaus Schwab (87) noch nicht endgรผltig geklรคrt ist.
Doch nun droht Davos plรถtzlich Konkurrenz aus einer ganz anderen Ecke: aus Basel! Dort sitzt die MCH Group โ einst die fรผhrende Messeveranstalterin in der Schweiz. Messen sind aus der Zeit gefallen, mit einer Ausnahme: der Art Basel. Die Kunstmesse ist ein Erfolgsmodell und ein Exportschlager. So gibt es Ableger in Miami Beach, Katar oder Hongkong. Die Parallelen zu Davos sind augenfรคllig. Vor allem die Reichen dieser Welt sonnen sich gern im Glanz von Kunst und Kultur. Was wiederum die Mรคchtigen anlockt und die Art-Basel-Veranstaltungen zum perfekten Netzwerkanlass macht.
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Raus aus den Bergen
Hier setzt das ยซBasel Projectยป an, wie das US-Magazin ยซVanity Fairยป schreibt. Dahinter steckt das Futurific Institute, zu dessen Grรผndern Kathryn Murdoch (54), die mit dem ehemaligen Medientycoon James Murdoch (53) verheiratet ist, gehรถrt. Seit einigen Jahren ist Murdoch รผber eine Beteiligungsgesellschaft einer der beiden Ankeraktionรคre der MCH Group. Murdoch und seine Frau engagieren sich seit Jahren im philanthropischen Bereich. Der Plan sei, in Basel ein neuartiges Ideenfestival zu grรผnden. Eine Art Mischung aus WEF, Aspen Ideas Festival, Burning Man und Biennale.
Die Idee dahinter: Raus aus den Bergen und rein in die urbane Atmosphรคre von Basel! Die Reichen tummeln sich schon im Umfeld der Art Basel, mit einem entsprechenden Programm sollen sich auch die Polit- und Wirtschaftsfรผhrer zu ihnen gesellen. Kunst, Geschรคfte und Gedanken โ das ist nicht weit von der Idee des WEF entfernt.
Erste Durchfรผhrung 2028
Das Treffen der Vordenker und Meinungsfรผhrer soll zum ersten Mal 2028 in Basel stattfinden und dabei die Infrastruktur der Stadt und der Art Basel nutzen. Die Kunstmesse findet jeweils im Juni statt, das Ideentreffen wรคre dann wohl im Frรผhherbst geplant, um vom spรคtsommerlichen Klima am Rhein zu profitieren, wie ยซVanity Fairยป schreibt.
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Das Futurific Institute habe sich zum Ziel gesetzt, ยซdas Leben und den Alltag der gewรถhnlichen Menschen zu verรคndern und zu verbessernยป. Klingt sehr nach ยซden Zustand der Welt zu verbessernยป, wie das WEF noch bis vor kurzem fรผr seinen Aktivitรคten und das Jahrestreffen in Davos warb.
Gemรคss ยซVanity Fairยป soll die amerikanische Dokumentarfilmerin und Museumsdirektorin Rachel Goslins (56) als Geschรคftsfรผhrerin des Futurific Institute die Arbeiten fรผr die Veranstaltung in Basel vorantreiben. Den Artikel postete sie auf ihrem Linkedin-Profil, versehen mit dem Kommentar: ยซDie Katze ist aus dem Sack.ยป
Die Erfolgsformel WEF hat immer wieder Neider und Abwerber auf den Plan gerufen. Dass nun ausgerechnet eine Schweizer Stadt zur grรถssten Herausforderin werden kรถnnte, damit hat am WEF-Hauptsitz in Cologny GE wohl kaum jemand gerechnet.