Die Müdigkeit nach dem Mittagessen kennen die meisten. Im Arbeitsalltag versuchen Menschen oft, dagegen anzukämpfen. Doch ist das wirklich sinnvoll?
Tim von Felten
Koffein oder Nickerchen: Was hilft am besten gegen das Mittagstief? Tessy Ruppert / Dieses Visual wurde von einer Person gestaltet und mit Hilfe von KI umgesetzt
Wer am Arbeitsplatz nach dem Mittagessen seine Füsse auf den Tisch legt und für ein paar Minuten die Augen schliesst, braucht Mut. Wahrscheinlich erntet er oder sie verwunderte Blicke. Vielleicht zitiert der Chef den mutmasslichen Faulenzer sogar in sein Büro. Dabei ist Müdigkeit am frühen Nachmittag völlig natürlich. Der zirkadiane Rhythmus – das ist die innere Uhr des Körpers – sorgt für das «Mittagstief». Zwischen 13.00 und 15.00 Uhr kann man vergleichsweise einfach einschlafen und hat weniger Energie. Für viele passt das aber schlecht in den Alltag. Statt dem natürlichen Schlafbedürfnis nachzugeben, wird es mit Kaffee bekämpft. Doch wäre der Griff zum Kissen statt zur Tasse nicht sinnvoller?
«Beides sind wirksame Massnahmen gegen Müdigkeit», erklärt Neurowissenschaftlerin und Schlafexpertin Salome Kurth. Koffein blockiert die Signale im Gehirn, die schläfrig machen. Ein Mittagsschlaf baut den Schlafdruck ab, der sich über die Zeit aufbaut. Schlafen hat aber noch weitere Vorteile gegenüber Koffein: Das Gehirn kann sich regenerieren, und die kognitive Leistungsfähigkeit nimmt wieder zu. Diese Effekte seien besonders stark, wenn man vorab eine Nacht mit wenig Schlaf gehabt habe, sagt Kurth, deswegen sei Koffein dem Nickerchen auch nicht ebenbürtig.