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Kochen per Knopfdruck

Wie der Thermomix die Schweizer Küche revolutioniert hat

Das Wundergerät Thermomix lässt Herd und Pfanne alt aussehen. Begeisterte Fans loben es als Lösung für alles. Erfunden hat es ein Schweizer.

Tim von Felten

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Der Schweizer Thermomix-Erfinder Hansjörg Gerber präsentiert die Skizze des «Ur-Thermomix». PR

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Der Schweizer Vorwerk-Angestellte Hansjörg Gerber beobachtete während Produktvorführungen Folgendes: Wenn Kunden mit Mixern eine Suppe zubereiteten, mussten sie über das Gemüse im Behälter heisses Wasser giessen. Das bedeutete, dass man Wasser zuerst separat aufgekocht hat. Gerbers Idee war simpel, aber wirkungsvoll: Er baute ein Gerät, das beide Arbeitsschritte gleichzeitig erledigt, also Wasser erhitzt und mit Zutaten mischt. Als Gerber seinen Prototyp eines Tages mit Reis befüllte, realisierte er, dass seine Erfindung weit mehr beherrschte als Suppenkochen. Der Thermomix war geboren.
Wer verstehen will, was der Thermomix alles kann, schaut sich am besten an, welche Funktionen er nicht hat: Um ein Steak zu braten, greift man besser zur Pfanne, ein Brot muss immer noch in den Ofen, und die Maschine frittiert nicht. Sonst kann das Gerät so ziemlich alles: Es dickt Saucen an, gart sous-vide und karamellisiert Zucker. Poulet, Reis und Gemüse bereitet der Thermomix simultan zu, in 25 Minuten. Überwachen muss der Besitzer ihn dabei nicht. Aus gefrorenen Erdbeeren macht er in unter fünf Minuten Fruchtglace. Während die Gäste essen, wäscht er sich dann noch von selbst ab.

Wer kocht hier eigentlich?

Der Besitzer instruiert seinen Thermomix über einen iPad-grossen Bildschirm. Wenn er das möchte, natürlich unter Anleitung der Maschine selbst. «300 g Karotten hinzufügen», poppt auf dem Display plötzlich auf. Oder: «Für 10 Sekunden auf Stufe fünf mixen.» Er ist nur noch «Human in the loop» und erlaubt per Knopfdruck, dass sein Gerät den nächsten Schritt ausführt.

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Das neuste Modell: der TM7.PD/Vorwerk Deutschland Stiftung & Co. KG
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«Ich hatte den TM6 ein paar Monate und habe mich total verliebt», schreibt eine Kundin auf einem Reddit-Forum. Der Thermomix löst Emotionen aus. Viele berichten von ihm, als wäre er ein Mensch – und nicht bloss ein Mixer mit Zusatzfunktionen. Rezensionen enthalten Adjektive wie «magisch» oder «lebensverändernd».
Die Maschine hat viele Verehrer. Doch nicht alle werden warm mit ihr: Im Beitrag «Wir müssen reden, Thermomix» berichtet Galaxus-Autor Luca Fontana, wie er sich von dem Gerät trennt, als wäre es die Ex-Freundin. Letztlich habe er zu oft zur Tiefkühlpizza gegriffen. «Es liegt nicht an dir – es liegt an mir», schreibt Fontana.

Wer ist Hansjörg Gerber?

Hansjörg Gerber absolvierte eine kaufmännische Lehre in Zürich und wanderte danach nach Peru aus. Dort ging er für ein Unternehmen von Tür zu Tür und verkaufte Haushaltsgeräte im Direktvertrieb, unter anderem auch Maschinen von Vorwerk. 1963 wurde Gerber dann Vertriebschef von Vorwerk in Frankreich. Fünf Jahre später hatte er die Idee für den Thermomix. Nach seiner Erfindung blieb Gerber noch lange bei Vorwerk und war Führungsperson, zuerst in den USA und danach in China. Heute lebt er mit seiner Ehefrau in Zürich.
Für andere ist der Thermomix etwas weitaus Schlimmeres als ein Fehlkauf. Soziologe Hartmut Rosa warnt, dass der Thermomix bewusstes Handeln verschwinden lasse: Er sei Teil der Tendenz, dass Menschen immer weniger urteilen müssten und nur noch Anweisungen folgten. Das Endergebnis, also das Gericht, habe dann gar nichts mehr zu tun mit der Person, die koche. Er finde das schlimm, doch das würden wohl diejenigen schätzen, die sich die Maschine zugelegt hätten, weil sie mit Pfanne und Kochlöffel nicht klarkämen – und vor allem deren Gäste.

Schweiz als bester Markt

Wer sich online den Thermomix bestellen will, sucht vergebens. Auch im Detailhandel ist die Maschine nicht zu kaufen. Aspirierende Besitzerinnen melden sich für ein Erlebniskochen an. Zusammen mit einem Berater kocht man zu viert ein Menü, natürlich mithilfe des Thermomix. Dann entscheiden die Teilnehmenden, ob sie Kunden werden. Günstig ist das Gerät nicht: 1798 Franken kostet es. Weltweit vertrieben Ende 2025 über 129’000 selbständige Berater den Thermomix und das zweite Vorwerk-Produkt, den Staubsauger Kobold. Die meisten tun dies nebenberuflich.

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Die Vorwerk-Gruppe bezeichnete 2025 die Schweiz als «Market of the Year». Der Thermomix-Nettoumsatz ist hierzulande seit 2019 um mehr als das Dreifache gestiegen, auf 60 Millionen. Die Schweiz gehört zu den fünf profitabelsten Thermomix-Märkten weltweit. Global machte die Vorwerk-Gruppe 2025 einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro, was im Vergleich zu 2024 einem Plus von 14 Prozent entspricht. Die wichtigste Zutat: der Absatz des Thermomix, er war für mehr als die Hälfte der Einnahmen verantwortlich.

Zuerst kamen Teppiche

Der Thermomix-Hersteller Vorwerk aus dem deutschen Wuppertal fertigte ursprünglich Teppiche. Eine Maschinenfabrik sollte zunächst Ersatzteile für Webstühle herstellen und wurde dann zum Geschäftszweig für Zahnräder und Getriebe. Später brachte Vorwerk den Staubsauger Kobold auf den Markt. Die moderne Version kann man noch kaufen. 1961 entwickelte Vorwerk die «Universalküchenmaschine»; sie konnte bereits mixen, zerkleinern, pürieren, rühren und schlagen. Der Ur-Thermomix erschien zehn Jahre später, unter dem Namen VM2000. Nun heizte das Gerät auch. Mit den Folgemodellen kamen neue Funktionen: Der TM3000 (1980) konnte dampfgaren, der TM21 (1996) wiegen. 2014 läutete der TM5 dann das digitale Zeitalter des Thermomix ein. Er hatte einen Touchscreen, WLAN und integrierte Rezepte mit Schritt-für-Schritt-Anweisungen.

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