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Interview

«Gerade bei knappen Budgets ist der Fokus entscheidend»

Alexandre Pauchard, CEO CSEM, über echte Innovation trotz Bürokratie und Budgetdruck.

Wilma Fasola

lexandre Pauchard ist Generaldirektor des Schweizer Forschungs- und Entwicklungszentrums CSEM.
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Investieren oder abwarten: Warum ist Abwarten in der Krise für KMU häufig gefährlicher als das Risiko?

Abwarten fühlt sich in einer Krise oft vernünftig an. Tatsächlich kann es für Mittelständler aber die riskantere Strategie sein. Gerade Schweizer Export- und Technologieunternehmen stehen in einem globalen Wettbewerb, der in den vergangenen Jahren deutlich intensiver geworden ist. Besonders in Asien ist das Innovationsniveau stark gestiegen. Wer Produktentwicklungen, Digitalisierung oder Prozessverbesserungen zu lange verschiebt, überlässt Wettbewerbern die Chance, schneller auf neue Kundenbedürfnisse zu reagieren.

Wo sehen Sie die Gefahr?

Unternehmen, die in dieser Situation nur auf das Bewahren setzen, laufen Gefahr, mit überholten Strukturen aus der Krise zu kommen. Das heisst nicht, dass KMU grosse Wetten eingehen müssen. Entscheidend sind gezielte, messbare Innovationsschritte, idealerweise dort, wo sie rasch Wirkung entfalten. Ausserdem ist Innovation nicht nur eine Frage von Produkten oder Prozessen. Sie prägt auch die Unternehmenskultur. Wer zeigt, dass er Zukunftsthemen aktiv angeht, bleibt für Fachkräfte attraktiver.

Zur Person

Alexandre Pauchard ist Generaldirektor des Schweizer Forschungs- und Entwicklungszentrums CSEM. Nach seinem Physikstudium an der ETH Zürich promovierte er an der EPFL in Mikrotechnik. Vor seinem Wechsel zum CSEM zeichnete Pauchard sich als Leiter der Forschung und Entwicklung (F&E) bei der Bobst Group verantwortlich.

Welche typischen Fehlentscheidungen sehen Sie oft in unsicheren Zeiten?

Ein zu pauschaler Sparkurs. Natürlich müssen Unternehmen in unsicheren Zeiten auf Kosten achten. Gefährlich wird es aber, wenn sie überall gleich kürzen, also auch bei Innovation, Digitalisierung oder Weiterbildung. Genau diese Bereiche entscheiden mit, wie wettbewerbsfähig ein Unternehmen nach der Krise ist. Eine zweite typische Falle ist, in kleinen Verbesserungen zu denken. Viele Betriebe optimieren dann bestehende Produkte oder Abläufe minimal, vermeiden aber strategisch wichtigere Schritte. Das kann kurzfristig beruhigend wirken, führt langfristig aber dazu, dass strukturelle Veränderungen übersehen werden.

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Wie meistern resiliente Firmen Krisen?

Widerstandsfähige Unternehmen unterscheiden sehr genau zwischen dem Sparen und der Zukunftssicherung. Sie bleiben finanziell diszipliniert, ziehen sich aber nicht vollständig zurück. Wenn andere Firmen Investitionen stoppen, sichern sie sich gezielt Kompetenzen, Technologien oder Marktchancen.

Was ist dann relevant?

Besonders wichtig ist es, Schlüsselpersonen im Unternehmen zu halten und weiter an Produkt- oder Serviceinnovationen zu arbeiten. Dann können neue Lösungen bereitstehen, wenn die Nachfrage wieder anzieht. Unternehmen, die sich diese Fähigkeit bewahren, starten oft stärker in den nächsten Aufschwung. Antizyklisches Handeln muss nicht spektakulär sein. Es kann auch bedeuten, Mitarbeitende weiterzubilden, Produktionslinien zu optimieren oder bestehende Prozesse, Methoden und Tools zu vereinfachen. Gerade in ruhigeren Marktphasen lässt sich oft besser erkennen, wo Strukturen zu komplex geworden sind. Wer diese Zeit nutzt, verbessert nicht nur die Effizienz, sondern auch die Reaktionsgeschwindigkeit.

Die Schweiz verzichtet vorerst auf ein KI-Gesetz – wie nutzen KMU den Freiraum?

Für KMU ist das zunächst eine Chance. Sie können KI-Anwendungen pragmatisch testen, ohne sofort durch zusätzliche regulatorische Anforderungen ausgebremst zu werden. Der grösste Nutzen liegt häufig nicht in grossen Visionen, sondern in sehr konkreten Anwendungen: Automatisierung von Routinetätigkeiten, Unterstützung im Kundenkontakt, Dokumentenverarbeitung oder bessere Entscheidungsgrundlagen. Wichtig ist, früh praktische Erfahrung aufzubauen. Wer jetzt testet, versteht schneller, welche Daten benötigt werden, welche Prozesse sich eignen und wo KI tatsächlich Produktivität schafft. Gleichzeitig sollten Unternehmen den Freiraum nicht als Freipass verstehen. Es braucht klare Verantwortlichkeiten, saubere Datenprozesse und ein Bewusstsein für Risiken.

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Innovation trotz Sparzwang und Bürokratie – wie geht das?

Gerade bei knappen Budgets ist der Fokus entscheidend. KMU sollten nicht versuchen, zu viele Innovationsprojekte gleichzeitig voranzutreiben. Besser ist es, wenige Initiativen auszuwählen, die einen klaren geschäftlichen Nutzen haben, und konsequent alles zu streichen, was Aufwand erzeugt, aber wenig Wirkung bringt. Dafür braucht es schlanke Arbeitsweisen. Kleine, interdisziplinäre Teams können Ideen schnell testen, Prototypen entwickeln und anhand klarer Kennzahlen entscheiden, ob ein Projekt weiterverfolgt wird. So bleibt Innovation kontrollierbar, ohne an Tempo zu verlieren. Entscheidend ist auch, dass Innovation nicht in Prozessen stecken bleibt. Führungskräfte sollten weniger fragen, ob ein Innovationsprogramm formal korrekt aufgesetzt ist, sondern ob es konkrete Ergebnisse liefert: bessere Produkte, effizientere Abläufe, neue Kundengruppen oder höhere Produktivität.

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