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Ausverkauf

Einrichtung des Nobel-Restaurants Belvoirpark wird versteigert

Es ist das Ende einer Ära: Wo über ein Jahrhundert lang Gastro-Geschichte geschrieben und gefeiert wurde, kehrt bald Ruhe ein. Jetzt lädt das Restaurant Belvoirpark zum grossen Ausverkauf – ein Anlass, der Nostalgiker und Schnäppchenjäger gleichermassen anlockt.

Mischa Stünzi,

Philippe Rossier

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Noch ist es ruhig in der 200 Jahre alten Escher-Villa im Zürcher Belvoirpark. Doch schon in wenigen Stunden werden Hunderte das Gebäude stürmen. Am Freitag und Samstag kommt das gesamte Mobiliar des legendären Restaurants Belvoirpark unter den Hammer. Liquidator Thomas Karger (53) führt Blick vor dem grossen Ansturm exklusiv durch das Haus.
Auf drei Etagen steht alles zum Verkauf, was nicht niet- und nagelfest ist. Teller, Löffel, Küchengeräte, Kunstwerke, Tische, Weinflaschen – alles muss raus. Nur die Kronleuchter bleiben. Sie gehören zum Gebäude und damit der Stadt Zürich, die seit 1901 Eigentümerin der Villa ist.

Hoher Nostalgie-Faktor

Von 1925 bis 2022 bildete der Verband Gastrosuisse im Restaurant Belvoirpark Fachkräfte aus. «Mich haben in den letzten Tagen viele ehemalige Absolventinnen und Absolventen kontaktiert und von damals erzählt», sagt Karger. Auch wegen des Nostalgie-Faktors rechnet er mit einem Ansturm, wenns am Freitag, um 10 Uhr losgeht.
Am begehrtesten seien erfahrungsgemäss aber nicht Erinnerungsstücke, sondern die Küchengeräte. «Hier können Gastronomen Profigeräte, die neu 8000 Franken kosten und kaum gebraucht sind, für 1500 Franken erstehen», so der Verkäufer. Die ersten Interessenten würden sich deshalb schon eine Stunde vor Türöffnung anstellen. Letzten November hat Karger in Savognin GR das Inventar einer Hotelküche verkauft. «Ich habe daran gezweifelt, dass das die Leute ins Bündnerland lockt. Aber als ich am Verkaufstag vor Ort ankam, warteten schon 150 Leute vor dem Haus.» Für die Belvoirpark-Liquidation meldeten sich Gastronomen aus allen Ecken der Schweiz bei Karger – von Basel bis Ascona.

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Es gibt immer Spezialisten, die von ihm erfahren wollen, was genau zu welchem Preis verkauft wird. Und ob er nicht etwas reservieren könne. Aber er halte am Grundsatz fest: «Im Voraus gibt es weder Preisauskünfte noch Reservationen.» Für ihn eine Frage der Fairness: dieselben Bedingungen für alle.

Versteigert wird nur selten

Insgesamt sollen dieses Wochenende Tausende Gegenstände den Besitzer wechseln. Was bis Ende Monat nicht weg ist, wird an eine wohltätige Organisation abgegeben oder entsorgt. Jedes Ding hat seinen fixen Preis: 10 Franken für eine Pfanne, mehrere Tausend für das meterhohe Bild.
Wenn sich mehrere Interessenten um ein Objekt zanken, wird Karger ausnahmsweise spontan zum Auktionator und verkauft an den Meistbietenden. Bei den Gastro-Iglus, die vor der Villa im Regen stehen, könnte das dieses Mal der Fall sein, prognostiziert Karger.

Zum Start ein «Irrenhaus»

Karger und neun Mitarbeitende werden in den ersten Stunden versuchen, das Gewusel unter Kontrolle zu halten. Zur Not postiert er jemanden am Eingang, der den Einlass begrenzt. «Ich habe einmal den Fehler gemacht und zu viele reingelassen. Am Ende waren so viele Menschen da, dass man sich kaum mehr bewegen konnte», erinnert sich Karger, der als Quereinsteiger aus der IT- und Bankenwelt Liquidator wurde.

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In den ersten drei bis vier Stunden gleiche die Liquidation meist einem Irrenhaus. Da sei richtig was los, und alles müsse schnell und pragmatisch ablaufen. «Verkaufen, verkaufen, verkaufen», sagt Karger. Für grosse Verhandlungen mit Käufern ist dann keine Zeit. Am Nachmittag, nach der ersten Welle, werde die Situation wieder «vernünftiger».
Neben den Profis und den Nostalgikern erwartet Karger noch die «Wiederholungstäter», «jene, die nicht bereit sind, 14 Franken für zwei Schöpfkellen zu bezahlen. Die schauen immer wieder vorbei und hoffen, dass die Ware noch da ist und sie den Preis drücken können. Das finde ich amüsant.»

Das Ende einer Ära

Die Liquidation markiert vorerst das Ende der Gastro-Ära in der Stadtvilla. Zuletzt hat die bekannte Kramer Gastro-Gruppe das Restaurant Belvoirpark betrieben, zu der unter anderem die Brasserie Louis im Niederdorf und das Metropol beim Bürkliplatz gehören. Im Sommer hat die Gruppe vorzeitig den Stecker gezogen.
Aktuell sucht die Stadt nach Nachmietern für eine Zwischennutzung. Später muss die Villa saniert werden. Wann genau, ist noch offen. Gemäss Inserat kommen als Zwischennutzer zum Beispiel Kanzleien, Beratungsunternehmen, Gesundheits- oder Finanzdienstleister infrage. Eine gastronomische Nutzung schliesst ein Sprecher der Stadt aus. Wenn also in einer Woche die letzten Tische, Teller und Töpfe abtransportiert sind, kehrt wieder Stille ein in den historischen Räumen, die in 100 Jahren so manches rauschende Fest erlebt haben.

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