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Kommentar zu Fussball

Die ultimative Trophäe für Superreiche

Die Seele des Fussballs ist längst nicht mehr der Sport, sondern der Kommerz. Deshalb jagen Vermögende Fussball-Assets.

Marcel Speiser

Marcel Speiser, stellvertretender Chefredaktor der Handelszeitung, kommentiert: «Die Seele des Fussballs ist der Kommerz.»
Marcel Speiser, stellvertretender Chefredaktor der Handelszeitung, kommentiert: «Die Seele des Fussballs ist der Kommerz.»PAUL_SEEWER

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Die Empörung war gross, als durchsickerte, dass Fifa-Supremo Gianni Infantino einen Minderheitsanteil der Fussballweltmeisterschaften seinen Freunden und Supportern aus Saudi-Arabien und dem Familienclan von US-Präsident Donald Trump zugänglich machen wollte.
Und natürlich war die Empörung vor allem geheuchelt. Nur unverbesserliche Romantiker glauben heute noch, Fussball auf Spitzenniveau sei in erster Linie Sport.

Fussball ist Teil der Entertainment-Industrie

Fakt ist: Fussball ist – wie die Formel 1, Wimbledon, die Tour de France, die Champions League und der Superbowl – ein Geschäft, ein stetig wachsender Teil der Entertainment-Industrie. Infantino weiss das. Ergo ist es nur konsequent, dass er als CEO der globalen Fussball AG sein wichtigstes Asset ständig begehrter und wertvoller machen will.
Die Monetarisierung der WM wurde – vorerst – verhindert. Doch die Monetarisierung des Fussballs geht weiter. Am extremsten ausgerechnet im Einflussbereich von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin, dem lautesten Kritiker von Infantinos WM-Plänen.
Derzeit verhandelt eine Gruppe von Superreichen – unter ihnen Amazon-Gründer Jeff Bezos, der indische Milliardärssohn Amit Bhatia und Facebook-Mitgründer Eduardo Saverin – mit der amerikanischen Fenway Sports Group von Sportmilliardär John Henry über einen Einstieg beim Premier-League-Fussballclub Liverpool FC. Der Club wird dabei auf rund 4 Milliarden Franken bewertet, rund 1 Milliarde teurer als vor gut einem Jahr.

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Ähnlich wie Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und sein Bruder Joshua Kushner, über deren Vehikel und Beziehungen der Teilverkauf der Fifa-WM gelaufen wäre, wissen auch Bezos, Bhatia und Saverin genau, dass ein Investment in den Fussball dem Gewinn einer raren Trophäe gleichkommt: der Rolex, die von Paul Newman getragen wurde, der Birkin aus Himalaya-Leder mit Platinbeschlägen, dem Voiture Noire von Bugatti, der Statue von Giacometti.

Soziales Kapital, wenn finanzielles Kapital keine Unterschiede mehr zulässt

Alles sind Assets, die nicht frei käuflich sind wie etwa Amazon-Aktien. Es sind Vermögenswerte, deren Wert nicht in einer profanen Rendite liegt, sondern in der Distinktion des Besitzes. Wie das Anwesen mit Meeranstoss in den Hamptons, der sommerliche Ankerplatz für die Superjacht vor Saint-Tropez oder die Einladung zur Haute-Couture-Schau in Paris.
Wir reden von sozialem Kapital in einer Welt, in der finanzielles Kapital kaum mehr Unterschiede ausmachen lässt. In einer Welt, in der es bloss rund 3100 Milliardäre gibt, ist der Mitbesitz eines erfolgreichen Fussballclubs, der Woche für Woche die Massen begeistert, ein Alleinstellungsmerkmal.
Geht damit der Ausverkauf der Seele des Fussballs einher, wie es die Infantino-Kritiker mit Blick auf die WM suggerierten? Nein: Die Seele des Fussballs ist der Kommerz. Und – wie in der Kunst – die Verbindung mit dem Kapital.

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