Kommentar zum Finanzplatz

Hongkongs Stärke ist kein Grund zur Panik

Die frühere Kronkolonie zieht im Finanzplatzranking an der Schweiz vorbei. Für einen Abgesang ist es zu früh, aber die Schweiz muss mehr tun

Holger Alich

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Die Schweiz sollte mehr Marktzugangsabkommen wie jenes mit UK abschliessen, meint Holger Alich, stellvertretender Chefredaktor. HZ

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Die Nachricht schreckt auf: Laut der Boston Consulting Group zieht der Finanzplatz Hongkong erstmals an der Schweiz als grösstem Hub der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung vorbei. Der Schweizer Bankenplatz ist damit nicht mehr Weltmarktführer in seiner Paradedisziplin: der Wahrung und Mehrung der Gelder der Reichen aus aller Welt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich: Es gibt keinen Grund zur Panik, aber auch keinen Grund, die Hände in den Schoss zu legen.
Hongkongs Wachstum steht und fällt mit Festlandchina. Rund zwei Drittel der Vermögen, die in Hongkong verwaltet werden, kommen von Festlandchinesen. Dank seinen liberaleren Finanzregeln dient die frühere Kronkolonie den Chinesen als Tor zur internationalen Finanzwelt. Angesichts der Tatsache, dass die Pekinger Machthaber in Hongkong längst das Sagen haben, kann man sich zum einen die Frage stellen, ob die Gelder von Chinesen damit überhaupt noch zum grenzüberschreitenden Geschäft gezählt werden sollen.
Zum andern ist Hongkong auf Gedeih und Verderb auf den Goodwill Pekings angewiesen. Sollte China eines Tages seine Währung und den Finanzsektor in die Freiheit entlassen, so dürfte die eine oder andere Milliarde aus China auch ihren Weg in die sichere Schweiz finden.

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Das Ranking zeigt auch: Selbst in der mobilen Finanzwelt spielt Geografie eine Rolle. Hongkong und Singapur werden im Geschäft mit vermögenden Asiaten allein aufgrund der kulturellen Nähe wohl immer die erste Wahl für die Reichen dieser Region sein. Diesen Platz wird ihnen die Schweiz nie streitig machen können. Und da vor allem in Asien die Vermögen rasend schnell wachsen, schrumpft damit automatisch der Vorsprung der Schweiz im Rennen der grössten Vermögensverwaltungsplätze.
Gleichwohl behält die Schweiz ihre Vorzüge: Sie liegt inmitten Europas, einer der trotz dem furchtbaren Krieg in der Ukraine stabilsten Regionen der Welt. Das ist unter anderem ein Grund, warum die Reichen aus Nahost die Schweiz gerne als Buchungscenter wählen. Alle wichtigen Banken haben längst Büros in Dubai und Doha aufgemacht, doch in den meisten Fällen werden die Gelder der Golf-Kunden in der Schweiz gebucht.
Hongkongs Stärke ist also nicht Ausdruck einer Schweizer Schwäche. Und doch gibt es Handlungsbedarf: Die Hoffnung, eines Tages unbeschränkten Zugang zu EU-Kunden von der Schweiz aus zu haben, bleibt angesichts der politischen Grosswetterlage ein frommer Wunsch. Aber das Abkommen mit Grossbritannien zur Erleichterung der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung hat Modellcharakter. Solche Abkommen braucht die Schweiz auch mit anderen Finanzplätzen.

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Ein echter Gamechanger hier wäre ein Deal mit den USA. Damit könnte die Schweiz sogar Hongkong den ersten Platz wieder streitig machen.
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