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Kommentar zu Personalmanagement

Keine Führung ohne Gesten

Ohne kollegiales Miteinander regieren in Firmen schnell Tunnelblick und Dienst nach Vorschrift. Hier muss Management vorangehen.

Katja Unkel

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«Soziale Beziehungen prägen das Leistungsklima in den Unternehmen», meint Gastautorin Katja Unkel. HZ

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Kleine Gesten, grosse Wirkung. Wir wissen das – und scheitern doch. Der Alltagsturbo verdrängt das Menschliche. Was harmlos wirkt, ist hoch relevant. Es geht um tiefe Grundbedürfnisse und die Frage, was eine gesunde Leistungskultur im Kern ausmacht.
Geburtstage sind wunderbare Anlässe. So zeigte mir meine letzte Woche, welch tiefe Freude herzliche Glückwünsche auslösen. Wenn Menschen an einen denken, sich Zeit nehmen für ein paar Zeilen oder einen Anruf, berührt uns das sehr, besonders dann, wenn es eine persönliche Note hat. Nicht nur am Geburtstag zählen die kleinen Gesten. Der Grund: Jeder Mensch hat das Bedürfnis, gesehen, anerkannt und wertgeschätzt zu werden. Das ist ein starkes Grundbedürfnis. Aber: Reflektiert man typische Tage, fällt auf, dass diese kleinen Gesten wegfallen. Wie oft sprechen wir Menschen nicht mit ihrem Namen an? Wir hören nicht richtig zu oder übersehen das Namensschild. Wir stehen nicht auf, um einer schwächeren Person den Platz anzubieten. Wir sehen nicht, dass jemand Hilfe braucht. Warum verrohen wir?
Die Gastautorin
Katja Unkel ist Gründerin der Firma Managing People AG, die Führungskräfte und Organisationen berät, coacht und trainiert.

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Das Problem hat zwei Seiten. Zum einen bekommen wir bei Anspannung und Stress einen Tunnelblick und sind mit uns selbst beschäftigt. Wir sind gehetzt und verlieren das Gespür für Zwischenmenschliches. Der Moment des Innehaltens fällt weg, um das Gegenüber wirklich zu sehen. Zum anderen ist es so, dass jede Geste für sich genommen nicht der Rede wert ist. Sie wird von beiden Seiten abgetan. «Der hat es nicht so gemeint», beschwichtigt sich die Betroffene. «Es war keine böse Absicht, ich war in Gedanken», rechtfertigt sich der andere. So entsteht ein schleichender, unbewusster Prozess, der täglich befeuert wird. Das Ergebnis sind Frustration und Demotivation. Man schaltet ab und funktioniert nur noch. Dann leiden unsere Gesundheit und Leistung.
In Organisationen passiert dasselbe: Hektik, Mailflut, Meetingmarathons und Deadlines verengen unseren Blick. Man ist in der Taktung und gedanklich schon beim nächsten Termin – und ignoriert die Person an der Essensausgabe in der Kantine. Auch ein Danke mit dem Zusatz «Das hilft mir sehr» oder «Das war heute echt viel für dich» fällt weg. Dabei wäre es so einfach, denn es gilt (besonders für Führungskräfte): wirklich präsent sein beim Gegenüber und nicht nur anwesend sein. Das bedeutet, dass man keine Mails checkt oder gedanklich abschweift. Notizen und Reminder helfen als Gedächtnisstütze, um zeitgerecht nachzufragen.

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Die Qualität sozialer Beziehungen ist auch in Unternehmen wichtig. Sie prägt ein positives Leistungsklima. Es geht nicht um einen Kuschelkurs, sondern um gutes, kollegiales Miteinander, das Engagement und Mitdenken fördert. Gemeint sind die namentliche Erwähnung eines Beitrags, ein echter Blickkontakt oder die persönlichen Zeilen. Studien zeigen, wie stark soziale Beziehungen am Arbeitsplatz mentale Gesundheit, psychisches Befinden, Motivation und Arbeitszufriedenheit beeinflussen. Passt man hier nicht auf, distanzieren und entkoppeln sich Mitarbeitende mit Dienst nach Vorschrift und Minimalleistung.
Solche kleinen Gesten sind keine oberflächlichen Nettigkeiten. Sie sind die sichtbare Alltagsform tieferer sozialer Ressourcen. Fehlen diese, verkümmern wir. Gesten des Gesehenwerdens betreffen das Urmenschlichste. Sie sind das Fundament und die Voraussetzung dafür, dass teure Initiativen zu Mitarbeiterzufriedenheit, Diversity und Commitment wirklich funktionieren. Fehlt es an der Basis des menschlichen Miteinanders und damit an der Erfüllung zentraler Grundbedürfnisse, verlieren solche Bindungskampagnen an Wirkung. Bedenken wir täglich das Kleine, gewinnen wir das Grosse zurück.

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