Viele Menschen kämpfen mit knappen Haushaltsbudgets, der Spardruck steigt. Rindsvoressen, Entrecote und andere Fleischwaren zum halben Preis? Das muss man auch den Migros-Kundinnen und -Kunden nicht zweimal sagen. Damit Fleischprodukte nicht als Foodwaste in der Tonne landen, friert die Migros diese neu ein, kurz bevor sie das Verbrauchsdatum erreichen. Gekennzeichnet sind die Verpackungen mit einem grünen Kleber. Die Genossenschaft Ostschweiz hat das Konzept bereits im Vorjahr getestet. «Die nahezu 100-Prozent-Abverkaufsquote des eingefrorenen Fleischs zeigt, dass das Angebot bei den Konsumentinnen und Konsumenten gut ankommt», teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Nun wird das Konzept schweizweit ausgerollt.
Mit dem Einfrieren von Fleisch kurz vor Ablaufdatum hat der Basler Migros-Rivale Coop schon vor zwei Jahren begonnen. «Unsere Kundschaft schätzt das Angebot sehr, und wir verzeichnen erfreuliche Absätze», so der Detailhändler auf Anfrage. Das Fleisch schmeckt der Kundschaft folglich auch, wenn es aufgetaut in der Pfanne landet.
Wie viel günstiger wird das Fleisch verkauft?
Das kurz vor Ablauf eingefrorene Fleisch gibts bei Migros und Coop mit einem Rabatt von 50 Prozent. Der neue Preis steht jeweils auf einem orangen Kleber. Wo finde ich das Fleisch im Supermarkt?
Die Produkte sind im Tiefkühler zu finden, bei der Migros jeweils in der Truhe mit den Aktionen. Kurz vor Ablauf eingefrorenes Fleisch ist zusätzlich mit einer grünen Etikette versehen. Die Produkte von Coop laufen unter dem Label «Verwenden statt Verschwenden». Eine Schneeflocke auf der hellblauen Etikette weist darauf hin, dass das Produkt eingefroren wurde – und man es nach dem Auftauen rasch konsumieren sollte. Seit März wird das Angebot bei der Migros schrittweise auf alle Filialen ausgeweitet. Da dafür die Genossenschaften zuständig sind, weiss die Migros-Zentrale nicht, wo es das Angebot bereits gibt. Coop weitete das Angebot nach einem ersten Versuch in 16 Filialen dann schliesslich auf alle Standorte in der Schweiz aus.
Wann wird das Fleisch eingefroren?
Wenn Fleischprodukte das Verbrauchsdatum erreicht haben, aber noch ohne Bedenken geniessbar sind, werden sie neu eingefroren. So wird die Haltbarkeit verlängert. Qualität und Sicherheit der Produkte bleiben gewährleistet, heisst es bei der Migros. Wie lange wird das Fleisch gefroren?
Die beiden Detailhändler frieren die Produkte jeweils für maximal 90 Tage ein. Bei der Migros steht auf der grünen Etikette das Einfrierdatum sowie das neue Mindesthaltbarkeitsdatum. Fleisch mit Knochen, Innereien, Fisch, Meeresfrüchte und Produkte wie Aufschnitt friert der orange Riese jedoch nicht ein. Coop betont zudem, dass sich beispielsweise mariniertes Fleisch nicht eigne. Der Detailhändler friert mittlerweile über 600 verschiedene Fleischprodukte ein. Wie taue ich das Fleisch korrekt auf?
Fleisch solltest du am besten noch in der Packung über Nacht in den Kühlschrank legen, damit es langsam auftauen kann. Wenn es schnell gehen muss, kannst du es auch verpackt in ein kaltes Wasserbad legen. Danach sollte man es so schnell wie möglich konsumieren. Was du vermeiden solltest, ist, das Fleisch bei Zimmertemperatur aufzutauen. Ein zweites Mal solltest du das Fleisch zudem nie einfrieren. Landete das Fleisch bisher in der Mülltonne?
Nein. Zuerst bieten die Detailhändler das Produkt zu stark reduzierten Preisen an. Migros verkauft solche Produkte auch über das Label «Too Good To Go» oder an die eigenen Mitarbeitenden. Was keinen Abnehmer findet, wird zu Biogas verarbeitet. Coop spendet dagegen an Hilfsorganisationen wie die Schweizer Tafel und Tischlein deck dich. Was machen die drei grossen Discounter?
Auch Lidl verschenkt Produkte an die beiden genannten Organisationen. Damit das Fleisch länger haltbar ist, friert der Discounter es kurz vor dem Ende der Haltbarkeit ein. Ein Verkauf an Konsumentinnen und Konsumenten in Supermärkten steht nicht zur Debatte. Auch Denner spendet: Die Migros-Tochter friert das Fleisch ein und gibt es kostenlos an die Caritas-Märkte. «Armutsbetroffene erhalten durch die vergünstigten Fleischwaren einen Zugang zu wertvollen Proteinquellen», so ein Sprecher.
Konkurrent Aldi verschenkt das, was nicht weggeht, ebenfalls an karitative Organisationen. Der Discounter aus Deutschland betont jedoch, dass nur wenige Produkte das Ende der Haltbarkeit überhaupt erreichen.
Allen dreien ist gemeinsam: Bevor das Fleisch gespendet wird, können Konsumenten von reduzierten Preisen von 50 Prozent profitieren.