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Nestlé-Führung

Keine Tabus – auch in der Berufung neuer Verwaltungsräte

Präsident Pablo Isla formiert sein Team im ­Verwaltungsrat – und verzichtet auf zu viel Tradition.

Dirk Schütz

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Der neue Nestlé-Präsident Pablo Isla holt ... Getty Imagaes

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Die Börse hat der neue Nestlé-Chef Philipp Navratil trotz des Babymilch-Skandals beruhigt, auch wenn die Kurshöchststände noch in weiter Ferne liegen: Mit dem Sprung über die 80-Franken-Marke nach der Bilanzmedienkonferenz vom 19. Februar überschritt er eine wichtige Schwelle, und die Neuaufstellung zum Vier-Sparten-Konzern mit Radikalblick auf schlecht performende Brands passt zu seinem Motto: keine Tabus.
Doch der Neustart betrifft ihn auch selbst. Bislang galt es als ungeschriebenes Nestlé-Gesetz, dass der CEO auch in den Verwaltungsrat eintritt, zum Unmut von Corporate-Governance-Puristen. Jetzt bricht der neue Präsident Pablo Isla endgültig mit dieser Tradition: Neu in den Verwaltungsrat sollen an der Generalversammlung am 16. April Procter-&-Gamble-Managerin Fama Francisco und der langjährige Chef der Schweizerischen Nationalbank Thomas Jordan einziehen, nicht aber Konzernchef Navratil.

Isla, seit September letzten Jahres Präsident, setzt dabei auch auf die Vorarbeit seines Vorgängers Paul Bulcke: Die Nominierung Jordans wurde noch in der Amtszeit des Belgiers vorgespurt. Der 71-Jährige bleibt auch Ehrenpräsident, allerdings ohne Büro und Assistentin. Beim Bulcke-Vorgänger Peter Brabeck hatte der Spanier die Annehmlichkeiten gestrichen, der Kärntner tritt zur Generalversammlung als Chairman emeritus ab, allerdings nicht ohne Lärm.

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Isla betont dann auch, dass alle bald 13 VR-Mitglieder nach gängigen Corporate-Governance-Standards als unabhängig gelten – weil der langjährige Inditex-Chef selbst keine Nestlé-Vergangenheit hat, firmiert erstmals in der Geschichte auch der Präsident als unabhängig. Starke Nummer zwei im Verwaltungsrat ist als Lead Independent Director und Vizepräsident der Niederländer Dick Boer, langjähriger Lenker des Detailhandelsriesen Ahold, als zweite Vizepräsidentin amtet für die Schweizer Perspektive die frühere Seco-Chefin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch.
Mit bald zwölf Jahren Amtsdauer befinden sich allerdings Patrick Aebischer (Ex-EPFL) und Renato Fassbind (Ex-ABB und -CS) punkto Unabhängigkeit in der Grauzone. Gerüchte über ihr Ausscheiden flammten bereits im vergangenen Jahr auf. Nächstes Jahr ist definitiv Schluss: Beide erreichen die Alterslimite von 72 Jahren.
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