Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat nebst Informatik auch mal ein paar Semester Psychologie studiert. Irgendwie scheint der Stoff über das menschliche Wesen nicht wirklich an ihm hängen geblieben zu sein.
Dieser Tage hat sein Konzern Meta 8000 Leute entlassen, 10 Prozent der weltweiten Belegschaft. 7000 Personen werden innerhalb des Konzerns versetzt, um Aufgaben im Bereich KI zu übernehmen.
Zwischen der Ankündigung und der Ausführung der Massenentlassung vergingen vier lange Wochen. Am 20. Mai ab vier Uhr morgens flatterten schliesslich die Kündigungen für die Betroffenen rund um den Globus herein – per E-Mail. Vorher wurden sie aber offenbar noch digital vermessen: Meta verpflichtete seine Angestellten laut einem Reuters-Bericht zur Teilnahme an einem Programm, das Mausbewegungen, Klicks und Tastatureingaben der Belegschaft misst, auch der Bildschirm wurde teils fotografiert. Das Ziel ist, der KI beizubringen, wie Menschen Computer nützen. Eine Art zynische «Mensch gegen Maschine»-Wette. Die Meta-Angestellten sollen KI aufbauen, um sich selbst mit der von ihnen trainierten Technologie abzuschaffen. Nach massiven Protesten der Angestellten hat der Konzern das Programm inzwischen angepasst – man darf jetzt dreissig Minuten pausieren bei der Datenerfassung. Doch der Schaden ist angerichtet.
Gehörte Meta nicht zu den grössten und wertvollsten Konzernen der Welt, fände man nach dieser Übung vermutlich kaum noch Personal.
Glaube ans Primat der Technologie
Es klingt auch nicht vertrauenserweckend, wenn die Finanzchefin von Meta gegenüber Analysten sagt, dass sie sich nicht sicher sei, «welches die ideale Firmengrösse» sei angesichts des rasanten Wandels durch künstliche Intelligenz. Mark Zuckerberg geht bei der neuen Technologie «all in». Der Konzern investiert allein dieses Jahr dreistellige Milliardensummen, um im Rennen um die Vorherrschaft bei dem Thema ganz vorne zu sein. Die Entlassungswelle ist eine Folge dieser Neuausrichtung, und CEO Zuckerberg spricht ganz offen über seine Zukunftsvision. Immer häufiger könnten ein oder zwei Mitarbeiter binnen einer Woche etwas entwickeln, wofür früher grössere Teams Monate gebraucht hätten. Sich selbst will Zuckerberg zudem als detailgetreuen KI-Avatar nachbauen lassen, um die Kommunikation mit den Mitarbeitenden zu skalieren und zu verbessern.
Die Pläne geben einen tiefen Einblick ins Denken des Meta-CEO, das geprägt ist vom Glauben ans Primat der Technologie. Schon das Metaverse pries der Facebook-Gründer als das «nächste grosse Ding» und Bedürfnis der Menschheit an. Heute ist das Projekt praktisch beerdigt – inklusive Milliardenverlusten. Mit derselben eindimensionalen Euphorie propagiert Zuckerberg nun die Vorteile der Megatechnologie KI. Gleichzeitig wurde sein Konzern im März zusammen mit Google zu Schadenersatz in Millionenhöhe gegenüber einer Teenagerin verurteilt, die geklagt hatte, als Minderjährige süchtig nach Social Media und in der Folge depressiv geworden zu sein.
Wieder einmal ist dem Tech-Gläubigen Mark Zuckerberg also der Mensch in die Quere gekommen.