Die Anleger durften auf ein tolles Börsenjahr zurückblicken, bereits das vierte in Folge, und nichts schien die Stimmung trüben zu können. Das machte wunderbar zuversichtlich, und so erwarteten die Experten Henry Wegmann und Alex Hinder einen weiteren guten Jahrgang für die Börsen und rieten munter zum Kauf von Finanztiteln wie UBS oder CS.

Einer Frage will die BILANZ nicht ausweichen: Wie gut waren die letzten Prognosen?

Antwort: Trotz den Kurseinbrüchen von UBS und CS infolge der Kreditkrise haben sich die Tipps der Profis Wegmann und Hinder bezahlt gemacht. Bei beiden lag die Gesamtperformance ihrer Empfehlungen im Plus, bei Alex Hinder als Spezialist für Indexfonds mit zwölf Prozent gar im zweistelligen Bereich.

Auch René Braginsky und Marc Faber hatten ihre Tipps abgegeben – und zur Vorsicht geraten. Braginsky lag mit seiner Voraussage einer «Achterbahn-Börse» richtig, verzeichnete mit seiner Strategie des Stock Picking, der selektiven Aktienwahl, allerdings ein eher durchzogenes Ergebnis mit einem leichten Minus. Gold wert waren dagegen die Empfehlungen des Crash-Propheten Marc Faber. Fast 40 Prozent Performance konnte er verbuchen.

Für 2008 hat «Mr. Gloom, Boom & Doom» wieder in die Kristallkugel geblickt, und er sieht düstere Wolken aufziehen. Die allgemeine Gewinnblase könnte platzen, meint er. Dagegen könnten nur Anlagen in Gold und Immobilien abseits der grossen Zentren helfen. Alex Hinder hält den amerikanischen Aktien die Treue und bewertet überdies den Schweizer Markt erstaunlich günstig. Eher skeptisch bleibt dagegen Expertin Fleur Platow: Die profilierte Analgeberaterin rät wie Faber zu Gold und hält die Liquidität hoch. Last but not least hat neu Bernhard Signorell seine Prognosen für das Börsenjahr 2008 abgegeben. Der erfolgreichste Schweizer Fondsmanager der letzten fünf Jahre für kleine und mittlere Aktien hält trotz raueren Börsenzeiten konsequent an seiner Strategie fest, in günstige und solide Nebenwerte zu investieren. Immerhin: Einzelne Blue Chips seien durchaus attraktiv.

Thomas Borer, einst gefeierter Schweizer Botschafter in Berlin, ist heute in der Öffentlichkeit ziemlich wortkarg geworden. Der BILANZ gewährte er nun sein erstes Interview seit langer Zeit. Besonders interessant ist Borers Vergleich der Diplomatie mit seiner Tätigkeit für den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg: «Wenn Sie ein Mitarbeiter von Viktor Vekselberg sind, erhalten Sie viel einfacher Zugang zu Politikgrössen und Unternehmensführern. UBS und Nestlé brauchen den Schweizer Botschafter vor Ort nicht, denn die Herren Brabeck oder Ospel werden von jedem Präsidenten der Welt empfangen, weil sie so einflussreich sind. Ähnlich ist es mit Vekselberg.»

BILANZ-Redaktor Dirk Ruschmann meinte einen freundlichen Chemieprofessor vor sich zu haben, als er den neuen ABB-Präsidenten Hubertus von Grünberg besuchte. Offensichtlich legt der Mann keinen Wert auf präsidiale Grandezza, auf Doppelmanschetten und Armani-Krawatten. Deswegen könnte man ihn leicht unterschätzen. Doch von Grünberg hat bei Continental bewiesen, dass er ein erfolgreicher Manager ist. Und ein harter Hund sein kann. Die Eigenschaften könnten durchaus nützlich sein: Von Grünberg muss sich an Jürgen Dormann messen lassen, seinem Vorgänger, der einen hervorragenden Job gemacht hat und als «Retter der ABB» in die Geschichte einging. Dass seine Chancen gut stehen, zeigt Ruschmanns Analyse.

Pierre-André Schmitt, stv. Chefredaktor BILANZ

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