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Wirtschaftsdachverband

Economiesuisse im Wandel

Mit Silvan Wildhaber übernimmt eine neue Generation: Der KMU-Chef verkörpert den gesellschaftlichen Wandel, während die Konzernchefs im Vorstand eher weniger werden.

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Nach zwei Amtsperioden übergab Christoph Mäder (l.) am «Tag der Wirtschaft» in Luzern das Economiesuisse-Präsidium an KMU-Unternehmer Silvan Wildhaber.
Nach zwei Amtsperioden übergab Christoph Mäder (l.) am «Tag der Wirtschaft» in Luzern das Economiesuisse-Präsidium an KMU-Unternehmer Silvan Wildhaber. PR

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Als Silvan Wildhaber (48) am 11. September 2026 in der Messe Luzern die Bühne betrat, stand nicht einfach der neue Präsident von Economiesuisse da. Er ist auch der erste Präsident des mächtigsten Wirtschaftsdachverbandes, der im TV mit E-Bike samt Kindersitz davonbraust und in die Kamera sagt, dass das Bestellen der Windeln und Kochen zu seinen familiären Pflichten gehörten.
Bei Christoph Mäder (67) ist das Velo-Setting weniger vorstellbar. Von diesem übernahm Wildhaber, Chef des familiengeführten Textilunternehmens Filtex, das präsidiale Zepter. Mäder, das ist der Typus Economiesuisse-Präsident, wie er im Buche steht: eine lange Karriere in der Basler Pharmawelt, von 2000 bis 2018 in der Konzernleitung von Syngenta und mit prestigeträchtigen VR-Mandaten beim Versicherer Helvetia Baloise, beim Pharmazulieferer Lonza und beim Lift- und Fahrtreppenkonzern Schindler. Big Corp à fond. Dass nun ein KMU-Chef den wichtigsten Wirtschaftsverband der Schweiz präsidiert, musste als Metapher für den Bedeutungsverlust des Verbandes herhalten.
Economiesuisse, das im Jahr 2000 so benannte Derivat aus dem Zusammengehen von «Vorort» und «Wirtschaftsförderung», ist der älteste Wirtschaftsdachverband der Welt. In der Vergangenheit war er Synonym für die Grosskonzerne und repräsentierte das klassische Schweizer Wirtschaftsbürgertum, das über VR-Mandate, Politik und das Militär vernetzt war; gleichsam als Chiffre einer Schattenregierung. Gar vom achten Bundesrat war die Rede.

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KMU meets Big Corp

Trotzdem: Ein KMU-Vertreter an der Economiesuisse-Spitze ist nicht neu. Eine prägende Figur in der Verbandsgeschichte war zum Beispiel der ehemalige Präsident Ueli Forster (2001–2006) – ebenfalls ein Textilunternehmer. Der frühere FDP-Präsident Gerold Bührer (CFO bei Georg Fischer / VR) war in jener Zeit einer der Vizepräsidenten und folgte auf Forster. Das Präsidium war mit KMUs und Grossunternehmen besetzt – wie heute.
Die Praxis ist gleich geblieben: Die Präsidenten der grössten Branchenverbände amtieren als Vizepräsidenten bei Economiesuisse. Aktuell sind das Nicolas Durand (Lateinische Industrie- und Handelskammern), Martin Hirzel (Präsident Swissmem), Annette Luther (Präsidentin Scienceindustries), Stefan Mäder (Präsident Versicherungsverband) und Giorgio Pradelli (Präsident Bankiervereinigung).

Schmerzhafte Niederlagen

Fakt ist aber auch: Die frühere Dominanz ist passé. An der Urne erlitt der Verband in den letzten Jahren schmerzhafte Niederlagen (Abzockerinitiative, Masseneinwanderungsinitiative, Unternehmenssteuerreform III, 13. AHV-Rente) und musste erfahren, dass Sachargumente gegen populistische Narrative nicht automatisch gewinnen.
War der Verband früher der Architekt der Schweizer Wirtschaftspolitik, ist er heute zwar ein mächtiger Interessenvertreter, aber einer unter vielen. Das macht ihn weniger attraktiv für Firmenchefs, die früher wie selbstverständlich im Vorstand sassen: etwa Marcel Ospel (UBS), Daniel Vasella (Novartis) oder Peter Brabeck (Nestlé).

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Heute lassen sich Grosskonzerne bisweilen mit der zweiten oder dritten Reihe vertreten. Ein grober Blick ins Archiv zeigt: Die Zahl der Fachverantwortlichen hat zugenommen, während jene der Konzernchefs und VR-Präsidenten im Vorstand rückläufig sein dürfte. Immerhin: UBS, Novartis und Nestlé stellen heute noch Konzernleitungsmitglieder oder Verwaltungsräte; Swiss Re mit Andreas Berger gar den Konzernchef.

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