Mit der Übernahme des Genfer Duftherstellers Firmenich hat DSM vor drei Jahren einen Coup gelandet. Nun wollen die Niederländer mit Branchenprimus Givaudan gleichziehen. Wie kann das gelingen?
Till Noak hat Wirtschaftspsychologie studiert. Für einen Parfumeur ist das nicht gerade klassisch. Oder vielleicht doch? «Man nennt uns ‹Nez›, was einige meiner Kollegen als etwas beleidigend empfinden», sagt er in seinem Büro am Sitz von DSM-Firmenich in Genf. Denn für seinen Beruf brauche es nicht nur eine gute Nase, sondern sehr wohl auch «Brain». Winzig ist es hier, dafür hat der gebürtige Deutsche einen Raum ganz für sich allein. Nur so weiss er, was er wirklich riecht. Vieles spielt sich bei der Kreation eines neuen Duftes heute am Computer ab, wo Moleküle in komplizierten Tabellen ausbalanciert und Rezepturen berechnet werden. Doch die kleinen weissen Papierstreifen, die «Mouillettes», wie sie im Jargon heissen, sind noch immer sein wichtigstes Arbeitsutensil. Schon als kleiner Junge habe er an allem gerochen – nicht nur an Blumen im Garten, sondern auch an Waschmitteln und Seifen. Nun hat er sich seinen Kindertraum erfüllt: Parfumeur zu werden.
An Mitarbeitenden wie Till Noak entscheidet sich, wer das Rennen macht, wenn LVMH-Chef Bernard Arnault einen neuen Prestigeduft für sein Maison Dior sucht. Wenn Calvin Klein seinen Unisexdauerbrenner «CK One» für die nächste Konsumentengeneration neu auflegt. Oder wenn der spanische Luxus-Riese Puig bei seinem weltweiten Erfolgsduo «1 Million» und «Lady Million» von Paco Rabanne über die Bücher geht. Das Geschäft mit der Luxusindustrie ist die Königsklasse in der Welt der Dufthersteller. Die Scents für die Waschmittel, Windeln und Weichspüler von Procter & Gamble und Co. sind zwar wichtig. Sie sorgen auch dann für Umsätze und Auslastung in der Produktion, wenn die Aufträge aus Paris, Mailand oder New York schwächeln. Aber wer Marge will, der braucht den «Luxe».