Als familienfreundlich bezeichnet sich heutzutage fast jeder Arbeitgeber, und tatsächlich zeigen sich viele Unternehmen gegenüber Eltern grosszügig: Die Swisscom zum Beispiel gewährt zwanzig Wochen Mutterschaftsurlaub, und bei Roche haben Eltern einen Anspruch auf einen Platz in einer Partner-Kita. Der US-Verhaltensökonom Peter McGraw findet all das grundsätzlich richtig. Allerdings sieht er beim Label «familienfreundlich» auch ein Problem: «Es besteht die Gefahr, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung ausgeschlossen wird – die Singles.» Viele Arbeitgeber befänden sich mental noch in den 1960er-Jahren. Für den Professor der University of Colorado Boulder steht fest: Unternehmen müssen sich schleunigst singlefreundlich aufstellen – und die latente Benachteiligung der Alleinstehenden und Kinderlosen beseitigen.
Dass Singles auf dem Vormarsch sind, ist unbestritten. Seit den 1970er-Jahren ist die Zahl der Paarhaushalte mit Kindern unter 25 Jahren hierzulande fast gleich geblieben. Die Zahl der Paarhaushalte ohne Kinder dagegen ist um 118 Prozent angestiegen, die der Einzelhaushalte sogar um 276 Prozent. Fast jede dritte Person zwischen 18 und 80 hat keinen Partner. Die Zielgruppe für eine familienfreundliche Firmenpolitik verliert also an Bedeutung.