Private-Equity-Beteiligungen waren das Megathema der letzten Jahre. 2025 waren Private-Equity-Fonds mit 116 Übernahmen und Zusammenschlüssen von Schweizer KMU an 56 Prozent aller Transaktionen beteiligt. Doch höhere Finanzierungskosten durch steigende Zinsen setzen die Branche unter Druck. Und in der Anlegerschaft schwindet die Lust auf die wenig liquiden Investments. Das spürte zuletzt auch die Partners Group, die jüngst die Rücknahmen bei einem ihrer Fonds begrenzte. Wie funktioniert das Geschäft mit den Privatbeteiligungen, woher stammen die Gewinne und welche Risiken entstehen für die Firmen?
1 Was Private Equity bedeutet
Private Equity steht für Beteiligungskapital an Unternehmen, deren Aktien nicht an einer Börse gehandelt werden. Oft übernehmen die Manager solcher Private-Equity-Fonds Mehrheitsbeteiligungen und können so die strategische Ausrichtung des Unternehmens beeinflussen. Das Geld stammt typischerweise aus Fonds, die von spezialisierten Investmentgesellschaften verwaltet werden. Anders als bei börsenkotierten Aktien sind die Beteiligungen nicht ohne Weiteres handelbar. Das Kapital bleibt deshalb meist über mehrere Jahre gebunden. Zu den Geldgebern zählen Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen und vermögende Privatpersonen. Die Fondsmanager entscheiden, welche Unternehmen sie kaufen, wie sie deren Wert steigern wollen und wann sie die Beteiligungen wieder verkaufen – mit dem Ziel, eine hohe Rendite für Investoren und Fondsgesellschaften zu erwirtschaften.
2 So gehen Private-Equity-Fonds vor
Das Grundprinzip ist einfach: Ein Fonds investiert in ein Unternehmen, stellt es neu auf und verkauft es später zu einem höheren Preis. Die Wertsteigerung erfolgt durch die Strategie des jeweiligen Private-Equity-Fonds: Das Zielunternehmen kann in neue Märkte expandieren, Konkurrenten übernehmen, die Prozesse können digitalisiert oder das Management kann umgebaut werden. Auch Kostensenkungen und eine Konzentration auf profitable Geschäftsfelder gehören zu klassischen Private-Equity-Strategien. Die Haltedauer beträgt häufig mehrere Jahre, anschliessend verkauft der Fonds das Unternehmen an einen strategischen Investor, oder er versucht, das Unternehmen an der Börse zu kotieren. Erst mit dem Verkauf wird der Wertzuwachs in der Regel realisiert. Doch der Plan geht nicht immer auf: Entwickelt sich das Geschäft schlechter als erwartet oder findet sich kein Käufer zum gewünschten Preis, kann der Fonds die Beteiligung länger halten oder Verluste erleiden.
3 Der Hebel Fremdkapital
Nebst Eigenkapital aus dem Fonds dient oft auch Fremdkapital als Finanzierung für die Investments in Private Equity – Fremdkapital, das teilweise direkt über das übernommene Unternehmen aufgenommen wird. Wie stark der Fremdkapitalhebel wirkt, zeigt ein stark vereinfachtes Beispiel: Ein Fonds übernimmt eine Firma für 100 Millionen Franken. Davon stammen 30 Millionen aus Eigenkapital und 70 Millionen aus Fremdkapital. Wird die Firma später für 120 Millionen verkauft und werden die Schulden vollständig getilgt, bleiben 50 Millionen Franken. Das eingesetzte Eigenkapital steigt damit um zwei Drittel von 30 auf 50 Millionen. Sinkt der Unternehmenswert hingegen, bleibt die Schuldenlast bestehen, und das Eigenkapital schmilzt dahin. Steigende Zinsen und sinkende Gewinne können die Rendite deshalb rasch schmälern und das Unternehmen finanziell unter Druck setzen. In den Jahren der Tiefzinspolitik der meisten Notenbanken waren mit Fremdkapital gehebelte Private-Equity-Beteiligungen sehr gefragt. Doch mit den steigenden Zinsen zeigen sich nun zunehmend die Nachteile des Fremdkapitalhebels.
4 Timing ist alles
Private-Equity-Fonds sind meist auf rund zehn Jahre begrenzt. Auch ihre Beteiligungen sollten innerhalb dieser Zeit verkauft werden, häufig nach drei bis sieben Jahren. Finden sich in der Zeit keine Käufer, verzögert sich die Rückzahlung des Kapitals an die Geldgeber. Fondsanteile lassen sich zwar an andere Investoren verkaufen, doch fehlt meist ein liquider Markt. Zudem garantiert ein ausgewiesener Wertzuwachs keinen entsprechenden Verkaufspreis. Wie schwierig Rückzahlungen sein können, zeigt das Beispiel der Partners Group: Im Juni 2026 begrenzte der Schweizer Vermögensverwalter die Rücknahmen bei einem Private-Equity-Fonds für vermögende Privatkunden auf 5 Prozent des Fondsvermögens pro Quartal, nachdem zu viele Investoren ihr Geld abziehen wollten. Im Oktober kündigte er an, den 6,6 Milliarden Euro schweren Fonds aufzuteilen: in ein Portfolio mit älteren Beteiligungen, aus denen Kapital zurückfliessen soll, und in eines mit jüngeren Anlagen. So sollen Rückzahlungen möglich werden, ohne Beteiligungen unter Verkaufsdruck veräussern zu müssen.
5 Das Für und Wider
Private-Equity-Fonds wird oft angekreidet, dass ihre Renditeziele nicht mit den langfristigen Interessen des Unternehmens und seiner Anspruchsgruppen übereinstimmen. Während die Fondsmanager ihre Beteiligungen innert weniger Jahre möglichst gewinnbringend verkaufen wollen, sind andere Anspruchsgruppen auf eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens angewiesen. Kritiker bemängeln deshalb eine zu kurzfristige Perspektive: Wenn die Wertsteigerung vor allem bis zum geplanten Verkauf erreicht werden soll, können langfristige Investitionen an Bedeutung verlieren und drastische Kostensenkungen an Priorität gewinnen. Hohe Zinszahlungen verstärken diesen Druck zusätzlich. Die Branche hält dem entgegen, dass klare Renditeziele und ein aktiver Einfluss auf die Unternehmensführung notwendige Veränderungen anstossen können. Neue Eigentümer können die Effizienz steigern, die Strategie schärfen und durch Wachstum neue Märkte erschliessen und Arbeitsplätze schaffen.
Fazit
Private Equity kann Unternehmen voranbringen oder sie finanziell unter Druck setzen. So wie Venture Capital bei Neugründungen Entwicklungen vorantreiben kann, können auch Private-Equity-Investoren eine Chance für Unternehmen sein, die keinen Zugang zu Publikumskapital oder Know-how für Transformationen haben. Gleichzeitig wächst durch Private Equity der Druck, innerhalb weniger Jahre möglichst hohe Renditen zu erzielen. Das ist riskant, wenn Übernahmen zum Grossteil mit Fremdkapital finanziert werden. Verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage, schrumpft der finanzielle Spielraum. Auch geplante Wertsteigerungen lassen sich nicht beliebig beschleunigen: Finden sich keine Käufer oder sinken die Bewertungen am Markt, verzögert sich der Ausstieg und damit die Auszahlung der Gewinne an die Investoren. Entscheidend ist deshalb die Strategie, mit der Private-Equity-Partner in eine Firma einsteigen.