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Deutsche Bank: Deutsche Krank AG

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Die Neubesetzung von Aufsichtsrat und Vorstand beschert ihr neue Probleme – und wird teuer.

Stefanie Burgmaier

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Den AktionΓ€ren der Deutschen Bank wird sich am 1. Juni in der Frankfurter Festhalle ein ungewohntes Bild bieten. Weder Hilmar Kopper noch Rolf-E. Breuer, die lange als Aufsichtsratsvorsitzende (VR-Vorsitzende) durch die Hauptversammlungen fΓΌhrten, wird den wichtigsten Platz in der Mitte des Podiums einnehmen. Wer die Position an jenem Donnerstag besetzen wird, hΓ€ngt vom Amtsgericht Frankfurt ab.
Der Platz in der Mitte ist zwar fΓΌr Clemens BΓΆrsig reserviert. Doch der designierte Aufsichtsratschef der grΓΆssten deutschen Bank kann das AktionΓ€rstreffen nur leiten, wenn das Gericht ihn rechtzeitig zum Aufsichtsrat bestellt und seine Mitaufseher ihn umgehend zum Vorsitzenden wΓ€hlen. Lassen sich die Amtsrichter Zeit, mΓΌssen die 19 AufsichtsrΓ€te womΓΆglich einen anderen Versammlungsleiter kΓΌren. Mit Ulrich Hartmann, Heinrich v. Pierer und JΓΌrgen Weber stehen zwar erfahrene Moderatoren, aber keine Deutschbanker bereit.
Was wie eine juristische Randnotiz wirkt, ist nicht die einzige unangenehme Begleiterscheinung, die Deutschlands grâsstes Kreditinstitut mit dem Umbau in Vorstand und Aufsichtsrat in Kauf nimmt. Schon zeichnet sich ab, dass das Personalkarussell teuer wird, nur für den Übergang taugt und lÀngst nicht alle Probleme lâst.

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Eigentlich sollte die ausserordentliche Aufsichtsratssitzung an einem Sonntagnachmittag vor ein paar Wochen, die unter strikter Geheimhaltung stattfand und selbst viele leitende Mitarbeiter ΓΌberrascht hat, den grossen Befreiungsschlag bringen. Der RΓΌcktritt Breuers sollte nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Medienunternehmer Leo Kirch entschΓ€rfen. Es galt auch, interne Konflikte einzudΓ€mmen. Denn Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann war mit seinem Oberaufseher Breuer immer wieder aneinander geraten. HΓΆhepunkt war Breuers ΓΆffentliches Bekenntnis, er habe seine Β«DenkkappeΒ» aufgesetzt und suche einen Nachfolger fΓΌr Bankchef Ackermann.
Solche Eskapaden muss der DΓΌpierte nun zwar nicht mehr fΓΌrchten. Mit Finanzvorstand BΓΆrsig wechselt ein Mann an die Spitze des Aufsichtsrates, der als ausgesprochen loyal gilt. Auch die Nominierung von Anthony Di Iorio fΓΌr das Finanz- und Hugo BΓ€nziger fΓΌr das Risikoressort stΓ€rkt Ackermanns Stellung. Wichtige Probleme sind mit dem Austausch der Personen aber nicht vom Tisch. In den Gerichtsverfahren mit dem gescheiterten Medienunternehmer Kirch hilft der Abgang Breuers Ackermann nicht viel weiter. Β«Herrn Kirch geht es nicht um KΓΆpfe, ihm geht es ums GeldΒ», sagt ein Vertrauter des Medienunternehmers. Im Klartext: Der Franke wird nicht von einer Rache an der Deutschen Bank absehen, nur weil Breuer verschwindet.

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Zu gross ist der Schaden, den der Deutschbanker nach Kirchs Meinung dem Medienkonzern zugefΓΌgt hat. Breuer hatte in einem Fernsehinterview im Februar 2002 die KreditwΓΌrdigkeit des einstigen FilmehΓ€ndlers in Zweifel gezogen. Danach brach Kirchs angeschlagenes Imperium zusammen. Im Januar dieses Jahres hat der Bundesgerichtshof prinzipiell die Pflicht der Deutschen Bank zum Schadenersatz bejaht. Β«Damit war Breuers RΓΌcktritt unausweichlichΒ», sagt ein Grossbanker. Denn Ackermann musste fΓΌrchten, dass Kirchs AnwΓ€lte versuchen wΓΌrden, die Hauptversammlung am 1. Juni unter Breuers Leitung fΓΌr nichtig erklΓ€ren zu lassen.
Dennoch wird Kirch an dem AktionΓ€rstreffen in zwei Monaten weiter eine Rolle spielen. Der Frankfurter Rechtsanwalt Klaus Nieding, der die Deutsche Schutzvereinigung fΓΌr Wertpapierbesitz vertritt, will auf jeden Fall die Frage aufwerfen, ob die Deutsche Bank bei einer mΓΆglichen Verurteilung zu Schadenersatz auf Breuers persΓΆnliches VermΓΆgen zugreift. Nach dem Aktienrecht dΓΌrfte Ackermann seinen VorgΓ€nger nur verschonen, wenn die Hauptversammlung dies ausdrΓΌcklich erlaubt. In Frankfurt halten sich hartnΓ€ckige GerΓΌchte, dass sich Breuer seinen Abgang mit einer Absicherung versΓΌssen lΓ€sst, die sein PrivatvermΓΆgen schΓΌtzt. Die Deutsche Bank schweigt dazu und verweist auf die Schadenshaftpflichtversicherung, die fΓΌr jeden aktiven und ehemaligen Vorstand abgeschlossen wurde. Ob die Versicherung wirklich zahlt, ist umstritten.

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Ebenfalls ins Kontor zu schlagen droht die beschlossene Inthronisation BΓΆrsigs als Aufsichtsratschef. Dessen Vorstandsvertrag lΓ€uft noch bis 2010. In den vergangenen drei Jahren hat BΓΆrsig im Schnitt 5,2 Millionen Euro verdient. Als Oberkontrolleur kann er nur auf einen Bruchteil hoffen. Sein VorgΓ€nger im Aufsichtsrat, Breuer, kam im Jahr bloss auf durchschnittlich 300 000 Euro.
Β«Bisher war es ΓΌblich, dass ein abgeschlossener Vorstandsvertrag ausgezahlt wirdΒ», sagt ein Manager der Frankfurter Grossbank. Das heisst: Wenn sich der Gewinn der Deutschen Bank in den kommenden vier Jahren Γ€hnlich wie 2003 bis 2005 entwickelt, stΓΌnden dem scheidenden Finanzchef Clemens BΓΆrsig rund 20 Millionen Euro zu. Das kΓΆnnte mit dem Aufsichtsratsentgelt verrechnet werden. Die Deutsche Bank will dazu nicht
Stellung nehmen, VorstandsvergΓΌtungen seien Aufgabe des PrΓ€sidialausschusses des Aufsichtsrates.
In jedem Fall werden bei der Deutschen Bank die Ausgaben fΓΌr die FΓΌhrungsriege steigen, denn statt vier gibt es kΓΌnftig fΓΌnf VorstΓ€nde. BΓΆrsigs altes Ressort wird geteilt. Der Amerikaner Di Iorio kΓΌmmert sich kΓΌnftig um die Bilanzen, der Schweizer BΓ€nziger um das Risikomanagement. Eine solche Teilung begrΓΌsst auch die Bundesanstalt fΓΌr Finanzdienstleistungsaufsicht. Β«Die Struktur des VorstandesΒ», sagt Andreas Halin, Managing Partner der Personalberatung Whitehead Mann in Frankfurt, Β«ist zukunftsfΓ€hig.Β»

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Die Struktur ja, die Besetzung des Vorstandes jedoch nicht. Denn der Vertrag von Tessen von Heydebreck lÀuft nur noch bis zur Hauptversammlung im Jahr 2007. Und auch Bilanzfachmann Anthony Di Iorio ist nur eine Übergangslâsung. Der gebürtige New Yorker wird im September dieses Jahres 63 Jahre alt. Die offizielle Altersgrenze für VorstÀnde bei der Deutschen Bank liegt bei 62 Jahren, kânne aber «in AusnahmefÀllen verlÀngert werden», meint Ackermann.
Und auch ΓΌber dem Schweizer schwebt ein Damoklesschwert: die Wiederaufnahme des Mannesmann-Prozesses. Zwar wird es immer unwahrscheinlicher, dass das Verfahren noch in diesem Jahr neu aufgerollt wird. Doch der Ausgang bleibt ungewiss. Sollte Josef Ackermann am Ende wegen einer Verurteilung zurΓΌcktreten mΓΌssen, drΓ€ngt sich aus dem Vorstand kein Nachfolger auf.
Lange galt Finanzvorstand BΓΆrsig fΓΌr einen solchen Fall als Ersatzchef. Nach seinem Wechsel in den Aufsichtsrat ist er hΓΆchstens ein Interimskandidat. Β«Ein Aufsichtsrat kann nach dem Aktiengesetz nur fΓΌr ein Jahr in den Vorstand abgeordnet werdenΒ», sagt Rechtsanwalt Nieding. Deshalb wird es BΓΆrsigs wichtigste Aufgabe sein, einen Kandidaten vorzuhalten – und den AktionΓ€ren in der Frankfurter Festhalle vielleicht bald ein weiteres neues Gesicht auf dem Podium zu prΓ€sentieren.

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