Zum Feierabend strömen in Japan ganze Bürotruppen in die Izakayas, wo sie bei Highballs und gegrillten Köstlichkeiten Geselligkeit und Ausgleich suchen.
Jüngst führte mich eine private Reise in das Land der aufgehenden Sonne und des nie endenden Businessapéros. Die Rede ist von Japan, wo ganze Büroteams nach der Arbeit noch eins trinken gehen. Der Knigge verlangt: Niemand verabschiedet sich, bevor es der Chef tut. Das führt zu den berühmten Bildern von schlafenden Salarymen – uniform in weissem Hemd, schwarzer Hose und Lederschuhen gekleidet – in der Metro. Der Erschöpfung vorangegangen ist dann meist der Besuch eines Izakayas.
Izakayas sind die Kneipen Japans. Die gemütlichen Lokale versprühen einen gewissen Underground-Charme, nicht zuletzt, weil sie oft in Nebengassen, sogenannten Yokochos, eng aneinandergereiht sind. Gesessen wird auf wild zusammengewürfelten Hockern, Festbänken und manchmal auf Bierharassen mit Sitzkissen obendrauf. Der unverstellte Ausblick in die Küche gehört genauso zum Ambiente wie der Rauch vom Grill und der regelmässige Ruf «Sumimasen!» («Entschuldigung!»). Die Bedienung kommt nicht von allein – sie muss herbeigebeten werden, denn den ganzen Abend über werden laufend kleine Happen und neue Drinks nachbestellt. Das kommt mir deutlich mehr entgegen als die Schweizer Art, mit Paprikachips und Grissini-Stängeli zu bödelen.
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Dazu kommt: Das sonst eher distanzierte Volk blüht in den Izakayas auf. Nirgends führte ich mehr Gespräche mit Einheimischen als über handgeschriebene, laminierte Speisekarten gelehnt. Diese Offenheit ist wohl auch dem Alkohol geschuldet. In Izakayas fliessen neben der Biersorte Asahi vor allem Highballs. In der Zubereitung ähnelt der simple Drink einem Sirup: Zwei bis sechs Zentiliter Spirituose kommen in ein hohes, mit Eiswürfeln gefülltes Glas und werden mit Sprudelwasser, manchmal auch mit Ginger Ale, aufgegossen. Das wars.
Das Konzept ist uns auch im Westen bekannt. Als ältester Highball soll der Scotch & Soda gelten. Auch der Moscow Mule und der Dark and Stormy sind streng genommen Highballs. Die Grenze zum Longdrink verschwimmt dabei etwas. Ein Unterschied ist, dass beim Longdrink der Filler oft separat serviert und der Highball fixfertig über die Theke geschoben wird.
Zu meinen Lieblingsvarianten zählt der klassische Tokyo Lemon Highball, bei dem Whisky als Basis dient und ein Schnitz Zitrone noch mehr Frische verleiht. Mindestens genauso gut – aber seltener auf der Karte vertreten – fand ich den Cassis Soda, bei dem sich Cassislikör mit Sprudelwasser zum Sirup mit Schuss verwandelt. Die anhaltende Beliebtheit mag verwundern, denn der Drink entstammt eigentlich der Not: In den Nachkriegsjahren war Alkohol rationiert, der Highball etablierte sich als günstige Alternative.
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Am Ende des Abends entfaltet sich dann die ganze Kraft des Highballs. Arm in Arm torkeln die Geschäftsmänner in Richtung Metro, wohlwissend, dass sie bald vom Zug sanft in den Schlaf geschaukelt werden.
Typisch: Der Dosen-Highball
Highballs gibt es auch fertig gemischt aus der Dose. Der Marktführer ist Suntory. Dabei sind diverse Geschmacksnoten erhältlich, klassisch von Zitrone über Mandarine bis Pfirsich. Während die Dosen im japanischen Convenience-Store ein paar Hundert Yen kosten, greift man dafür im Schweizer Asia-Laden etwas tiefer in die Tasche.