Start-up

Die Wachtmeister: Quarero tüftelt an Überwachungsrobotern

Das Zuger Start-up Quarero entwickelt autonome Robotersysteme für die Überwachung grosser Anlagen und Areale.

Marc Kowalsky

file85gerpte0dd19j7g19b2
Marcus Köhnlein, Verónica Cabrera, Andreas Sarasin und Raphael Nagel (v.l.) bereiten derzeit die Expansion in die USA vor. Suse Heinz für BILANZ

Werbung

Die Geschäftsidee?

Quarero entwickelt autonome Sicherheitsplattformen für Industrieanlagen, Logistikzentren und grosse Areale. Robotik, KI-Sensorik und Bildanalyse ermöglichen autonome Patrouillen, erkennen Anomalien und liefern Sicherheitsdaten in Echtzeit – skalierbar und wirtschaftlich für Betreiber grosser Standorte.

Wie ist sie entstanden?

Die Idee entstand aus einem strukturellen Problem: steigende Sicherheitsanforderungen, strengere Regulierung und ein wachsender Mangel an Sicherheitspersonal. Autonome Systeme können Überwachung, Dokumentation und Analyse automatisieren und Betreiber grosser Anlagen deutlich entlasten sowie Kosten reduzieren.

Warum der Name?

Der Name leitet sich vom lateinischen quaerere ab – suchen, untersuchen, erkennen. Genau das tun unsere Systeme: Sie analysieren Situationen autonom, identifizieren Auffälligkeiten und liefern Entscheidungsgrundlagen für Betreiber kritischer Anlagen.
Gegründet: März 2021
Gründer: Marcus Köhnlein (47), CEO; Raphael Nagel (55), Strategic Investor; Andreas Sarasin (67), VR-Präsident; Verónica Cabrera (46), VR
Firmensitz: Zug
Anzahl Mitarbeiter: ca. 10
Umsatzziel für 2026: 1,8 Mio. Fr.
Profitabel: ab 2026/27

Woher stammt das Startkapital?

Quarero wurde zunächst mit unternehmerischem Kapital und strategischen Investoren aufgebaut. Früh lag der Fokus darauf, neben der Technologie auch industrielle Produktionsfähigkeit aufzubauen, um Robotiksysteme skalierbar liefern zu können.

Womit erzielen Sie die Umsätze?

Das Geschäftsmodell kombiniert Hardware, Software und Service. Unternehmen nutzen autonome Sicherheitsplattformen inklusive Sensorik, KI-Analyse und Flottenmanagement. Ergänzt wird dies durch Wartung und langfristige Serviceverträge mit wiederkehrenden Umsätzen.

Partner-Inhalte

Die Vision?

Quarero will eine führende europäische Plattform für autonome Sicherheitsinfrastruktur aufbauen. Ziel ist eine neue Generation physischer Sicherheit für Industrie, Logistik und kritische Infrastruktur – automatisiert, datenbasiert und international skalierbar.

Die grosse Stärke?

Ein wichtiger Schritt war der Übergang von der Entwicklung zur industriellen Produktion. Durch die Zusammenarbeit mit PSB Engineering im Umfeld der Bechtle-Gruppe kann Quarero Robotiksysteme heute nicht nur entwickeln, sondern auch auf industriellem Niveau fertigen.

Die grösste Herausforderung?

Die eigentliche Herausforderung liegt in der Skalierung. Robotiksysteme müssen zuverlässig produziert, in komplexe Umgebungen integriert und international vermarktet werden. Genau diese Phase entscheidet über den langfristigen Erfolg.

Der bisher grösste Erfolg?

Zentrale Meilensteine waren der Aufbau einer industriellen Produktionsbasis und die Eröffnung des Research- und Development-Hubs in Filderstadt bei Stuttgart – einem der wichtigsten europäischen Technologiecluster für Robotik und Automatisierung.

Das Überraschendste bisher?

Wie schnell sich der Markt entwickelt. Themen wie KI-Sensorik, Robotik und automatisierte Sicherheitsinfrastruktur rücken weltweit in den Fokus – besonders bei Industrieunternehmen und Betreibern kritischer Infrastruktur.

Werbung

Der nächste Schritt?

Der nächste Schritt ist die internationale Skalierung. Neben dem Ausbau in Europa arbeitet Quarero am Eintritt in den US-Markt. Die aktuelle Finanzierungsrunde bewertet das Unternehmen mit rund 35 Millionen Franken.

Expertenmeinungen

▶ «Wo ist das Fundament?»

«Quarero sieht sich als Anbieter von Lösungen für modulare Outdoor-Robotik mit Fokus auf Inspektion und Überwachung. Das ist ein 16-Milliarden-Markt, der sich bald noch einmal verdoppeln wird. Dort sind bereits einige vielversprechende Schweizer Start-ups aktiv wie ANYbotics, Ascento oder Rivr. Auch aus China kommt sehr viel, die Konkurrenz ist also gross. Eine eigene IP von Quarero ist für mich schwer erkennbar, vieles wurde zusammengekauft oder extern entwickelt. Technologisch ist das in meinen Augen zu simpel. Vieles ist ausgelagert, auch die Produktion. Es sind bisher auch nur begrenzte Mittel in die Firma geflossen. Da stellt sich die Frage: Wo ist das Fundament? Quarero entstand aus einem Company Builder, 90 Prozent der Firma gehören einem Family Office. Das ist ein rotes Tuch für Investoren, wir wollen, dass die meisten Anteile bei den Gründern liegen, damit sie Skin in the Game haben und das Gründerfeuer lodert. Das Team zu beurteilen, fällt mir deshalb schwer, einen Unternehmerkern spüre ich nicht. Quarero müsste sich auf eigene IP konzentrieren und mindestens 30 Prozent der Anteile an ein sichtbares Team geben. Nur so sehe ich eine Zukunft.»
bil_0824_startup_experte_stefan_kuentz.jpg
Stefan Kuentz ist Co-Head of Swisscom Ventures.zVg
bil_0824_startup_experte_stefan_kuentz.jpg
Stefan Kuentz ist Co-Head of Swisscom Ventures.zVg

▶ «Klarer Business Case»

«Quarero adressiert ein wichtiges und strukturelles Problem, den Personalmangel in der Sicherheitsbranche bei gleichzeitig steigender Nachfrage. Robotik kann dieses Problem lösen, günstig und effizient, 24/7 – ein klarer Business Case. Allerdings ist die Konkurrenz extrem gross, die Frage ist, ob sich Quarero durchsetzen kann. Die Firma hat zwei USPs: Zum einen ist das Angebot günstiger als bei den Mitbewerbern, zum anderen sieht das Servicemodell mit Wartung etc. sehr überzeugend aus. Aber es ist ein klassisches Enterprise-Geschäft mit sehr langen Entwicklungs- und Beschaffungszyklen, das ist komplex. Es braucht einen guten Vertrieb, dafür genug und die richtigen Leute zu finden, wird nicht einfach. Das Team per se ist aber gut, das sind erfahrene Manager, keine Juniors ohne Erfahrung. Die grösste Herausforderung liegt in der Skalierung, die ist kapitalintensiv, da wird Quarero noch sehr viel mehr Geld brauchen. Gleichzeitig auch noch eine USA-Expansion starten zu wollen, ist ein bisschen viel auf einmal. Quarero sollte sich auf Europa und dort auf einzelne Verticals konzentrieren. Dann hat man eine faire Chance, auch wenn es angesichts der Konkurrenz nicht einfach wird.»
Max Meister
Max Meister ist General Partner von Koyo Capital in Baar ZG.zVg
Max Meister
Max Meister ist General Partner von Koyo Capital in Baar ZG.zVg

Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

Werbung