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Meinung

Die Globalisierung des Geldes

Das internationale Geldsystem steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Wie kann sich die Schweiz positionieren?

Adriel Jost

Adriel Jost ist Ex-SNB-Mit­arbeiter, Fellow am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) in Luzern und Präsident des Thinktanks Liberethica.
Adriel Jost ist Ex-SNB-Mit­arbeiter, Fellow am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) in Luzern und Präsident des Thinktanks Liberethica.zVg

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Die Globalisierung hat in den vergangenen Jahrzehnten fast alles erfasst: Wir kaufen Produkte aus aller Welt, investieren global und verbringen viel Zeit auf digitalen Plattformen von US-Unternehmen. Zwar ist zunehmend von einer Deglobalisierung die Rede, und Politiker errichten Handelsbarrieren. Doch die Kräfte der Nachfrage sind stärker. Auch US-Konsumenten wollen europäische Autos, Europäer günstige Kleider aus Asien und weltweit nutzen Menschen täglich amerikanische Software. Die Zahlen zeigen: Der internationale Handel liegt auf historisch hohem Niveau.
Wo die Globalisierung aber auf halbem Weg stehen geblieben ist: beim Geld. Bei den Währungen dominieren bis heute lokale Anbieter. Staaten bringen ihr eigenes Geld über das Bankensystem in Umlauf und verteidigen diese Hoheit in ihren Währungsräumen mit grosser Entschlossenheit. Das ist verständlich: Eine glaubwürdige Währung gibt einem Staat ein mächtiges Instrument in die Hand, insbesondere im Krisenfall.
Nur wenige Länder verzichten freiwillig auf eine eigene Währung. Manche nutzen mangels Vertrauen in die eigene Währung den US-Dollar. Der Dollar dominiert als Leitwährung auch den internationalen Handel. Angesichts der Schuldenberge und der zunehmenden Politisierung des Dollars wird diese Rolle aber vermehrt infrage gestellt.

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Während das Vertrauen in staatliche Währungen unter Druck gerät, gibt es dank technologischer Entwicklungen immer mehr Alternativen. Blockchains, Stablecoins, Tokenisierung und Echtzeit-Zahlungsnetzwerke schaffen neue globale Geldinfrastrukturen, die nicht an nationale Grenzen gebunden sind. Bitcoin ist das bekannteste Beispiel einer globalen Kryptowährung. Noch relevanter könnten Stablecoins werden, also Kryptowährungen, die an Vermögenswerte gebunden sind und die sich weltweit innerhalb von Sekunden mit minimalen Kosten übertragen lassen. Geld löst sich so zunehmend von den traditionellen Zahlungs- und Bankinfrastrukturen.

«Die Ausgangslage der Schweiz könnte sie zu ­einem führenden Standort einer neuen globalen Währungsarchitektur machen.»

Die Staaten versuchen dagegenzusteuern. Sie bremsten private Initiativen wie die Facebook-Währung Libra, schaffen neue Regulierungen für Stablecoins und diskutieren eigene digitale Zentralbankwährungen. Dahinter steht ein klares Ziel: Auch neue Anbieter sollen innerhalb des bestehenden staatlichen Geldsystems bleiben – offiziell, um illegale Zahlungsströme zu unterbinden sowie Konsumenten und Finanzstabilität zu schützen. Doch die Staaten stehen auch unter Druck, die Banken zu schützen, die um ihre Privilegien im aktuellen Geldsystem fürchten.
In der Tat steht viel auf dem Spiel. Wenn Geld global wird, hat dies weltweit grossen Einfluss auf Institutionen. Die Kontrolle über die Finanzinfrastruktur und die Geldpolitik würde grundlegend neu gestaltet.

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Auch für die Schweiz stellen sich strategische Fragen. Als «sicherer Hafen» verfügt sie aktuell über aussergewöhnlich viel Vertrauen. Der glaubwürdige Franken stärkt ihre wirtschaftliche und strategische Position als Nation. Diese Ausgangslage könnte sie auch zu einem führenden Standort einer neuen globalen Währungsarchitektur machen. Heute sind die meisten Stablecoins an den Dollar gekoppelt – das muss nicht so bleiben.
Aber auch das Gegenteil ist möglich. Die Schweiz könnte zunehmend von ausländischen Währungen und Infrastrukturen abhängig werden, was zu einer Aushöhlung der Währungssouveränität führen würde. Es ist darum höchste Zeit für die Schweiz, sich den strategischen Implikationen zu stellen, die sich aus der Technologisierung und der daraus entstehenden Globalisierung des Geldes ergeben.

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