Viel Mühe, wenig Lohn: Das galt bisher für NFL-Cheerleader. Bis jetzt. Denn in Zukunft müssen die Stimmungskanonen bezahlt werden - zumindest in einem US-Bundesstaat.
Julia Fritsche
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Cheerleading gehört zur amerikanischen Kultur wie Hamburger und Coke. Vor allem aus der NFL sind die Girls mit den bunten Pompons nicht mehr wegzudenken.RMSAm Super Bowl XLIX standen sich nicht nur die Teams aus Seattle und New England gegenüber, sondern auch die Cheerleader-Truppen. Die Sea Gals...RMS... und die Patriots Cheerleaders bekamen ebenfalls einige Sekunden im ganz grossen Rampenlicht.RMSObwohl Cheerleading inzwischen selbst als Sport betrieben wird und viel Training erfordert, werden die Tänzerinnen miserabel bezahlt.RMSDer Knochenjob wirft nach Berechnungen von «Bloomberg» einen durchschnittlichen Stundenlohn von weniger als zwei Dollar ab.RMSUnd dies obwohl die NFL jährlich 9,2 Milliarden Dollar umsetzt und horrende Löhne an die Spieler bezahlt werden.RMSSchon seit Jahrzehnten heizen die Girls dem Publikum ein, wie hier die Steelerettes aus Pittsburgh 1967.RMSDie Kleidung mag ein bisschen knapper geworden sein...RMS... aber die primäre Aufgabe der Cheerleaders hat sich in fünfzig Jahren kaum geändert. Sie sollen die eigene Sportmannschaft anfeuern und das Publikum animieren.RMSDoch Anfang letzter Saison gab es Widerstand: Als die Buffalo Bills zu ihrem ersten Heimspiel der Saison antraten, glitzerten an der Seitenlinie keine Pompons.RMSBei vier von 32 NFL-Teams klagten Cheerleaders für mehr Lohn. Neben den Buffalo Bills sollen auch die New York Jets...RMS... die Cincinnati Bengals...RMS... und die Tampa Bay Buccaneers ihren Cheerleaders Löhne nachzahlen.RMSDen GAU abgewendet haben dagegen die Oakland Raiders, die den 90 angestellten Cheerleaders insgesamt 1,25 Millionen Dollar an Lohn nachzahlten. Die Raiders haben daraufhin begonnen, ihren Tänzerinnen den US-Mindestlohn zu bezahlen.RMSDie meisten anderen Klubs sagen jedoch nicht, wie viel sie den Girls bezahlen. Amerikanische Medien schätzen die Gagen auf durchschnittlich 125 Dollar pro Spiel – Trainings und Proben mitgerechnet.RMSNeuste Entwicklung: Am 15. Juli hat der kalifornische Gouverneur Jerry Brown das Gesetz AB 202 unterzeichnet. Die Klubs werden den Cheerleadern ab Januar 2016 den Mindestlohn bezahlen müssen, also 10 Dollar pro Stunde.Bilder Keystone/BloombergRMS
Amerikanischer Football ist ein Milliardengeschäft. Gern gesehener Pausenfüller sind dabei die Cheerleaders, die für Stimmung im Stadion sorgen. Während die Spieler auf dem Feld Millionengehälter kassieren, verdienen sie oft: nichts.
Das soll sich jetzt ändern. Lange haben Cheerleaders auf ihre Rechte gepocht, in der letzten Saison verklagten vier Teams ihre Klubs wegen zu niedriger Löhne. Diese zeigten Erfolg: Bereits Anfang September 2014 erreichte die Klage von zwei Raiderettes gegen ihren Ex-Klub Oakland Raiders, dass der Klub ihrer Anfeuer-Truppe Löhne nachzahlen musste.
Jetzt ändert sich sogar die Gesetzeslage – zumindest in einem US-Bundesstaat. Am Mittwoch hat Gouverneur Jerry Brown in Kalifornien ein Gesetz verabschiedet, das den Arbeitsstatus von Cheerleaders professioneller Sportmannschaften in Kalifornien regelt, wie amerikanische Medien schreiben. Ab Januar 2016 müssen Cheerleaders demnach zwingend als Angestellte beschäftigt werden. Sie bekommen dann den ab kommendem Jahr gültigen kalifornischen Mindestlohn von zehn Dollar, Pausen und Krankheitstage werden bezahlt und andere Zusatzleistungen sind vorgeschrieben.
Extremer Lohngegensatz
Damit haben die Cheerleaders künftig zumindest einen Ausgleich für ihren hohen Einsatz. An Spieltagen sind sie praktisch ununterbrochen mit ihrer Tätigkeit beschäftigt, dazu kommen Vorbereitungslager, wöchentliche Trainings und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Und so wenig bekamen die Cheerleaders bisher dafür: Pro Stunde weniger als zwei Dollar, berichtet «Bloomberg». Extras wie Schminkprodukte, Reisespesen oder Personal Trainer werden bei manchen Klubs zwar erstattet, trotzdem ist der eigentliche Lohn damit äusserst bescheiden. Von den Cheerleaders wird erwartet, neben ihrem Einsatz Vollzeit zu arbeiten oder zu studieren.
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Besonders empört der Lohngegensatz: Footballspieler sind Topverdiener. Auch wenn nicht alle ganz so viel verdienen wie Aaron Rodgers von den Green Bay Packers, mit 22 Millionen Dollar Jahreslohn (ohne Bonus und Sponsoreneinkünfte) der höchstbezahlte Spieler der NFL 2015. In der NFL geht es um riesige Summen. Die Dallas Cowboys sind laut Forbes 2015 mit einem Wert von 3.2 Milliarden die zweitwertvollste Sportmannschaft der Welt. Allein die Sponsoreneinnahmen belaufen sich auf über 100 Millionen pro Jahr.
Arbeitsgesetz wird missbraucht
Cheerleaders dagegen waren bisher nicht mehr selbstständig Beschäftige oder Saisonarbeiter, um den Angestellten-Status und die entsprechenden Mindestlöhne zu vermeiden. Streng genommen wären spezifische Gesetze für Cheerleaders also gar nicht notwendig, würden Firmen (in diesem Fall die Klubs) den Status der Selbstständigen nicht missbräuchlich verwenden.
Ab Anfang nächsten Jahres ist das zumindest in Kalifornien nicht mehr möglich. New York State könnte bald nachziehen. Dort hat die Abgeordnete Nily Rozic einen entsprechenden Gesetzesentwurf eingereicht.
Auch Cheerleader anderer Sportarten profitieren
Das Gesetz in Kalifornien gilt ausdrücklich für Cheerleaders der zwei höchsten Ligen in den Sportarten Baseball, Basketball, Football, Eishockey und Fussball. Auch bei Baseballspielen machen Cheerleaders Stimmung und auch da sind die Lohnunterschiede extrem. Beim Saisonstart im Herbst wird sich zeigen, wie viele kalifornische Teams bei der Stimmungsmache weiter von «teuren» Cheerleaders unterstützt werden.