Abo
BYD, MG und Co. boomen

Jeder dritte Schweizer will plötzlich ein China-Auto kaufen

Die Skepsis gegenüber Fahrzeugen aus China sinkt. Neuste Zahlen von Autoscout24 zeigen: Der Anteil der strikten Gegner von China-Autos ist innert acht Monaten von 43 auf 24 Prozent gefallen.

fbYktlGaHR0cHM6Ly9vY2RuLmV1L3B1bHNjbXMvTURBXy81OGVhZGVjNS0xMzcwLTQ1YWUtOGRiYi1mOTg2MDExMTBmMjEuanBlZ5GVAwDNASHNBtPNBtI.jpeg

file85pamfgc8irgpwz9ss8
BYD ist in der Schweiz auf dem Vormarsch und neu auch in Winterthur ZH zu kaufen. Michael Hotz

Werbung

Chinesische Autos holen in der Schweiz auf – und zwar rasant. Was lange als Billigware aus Fernost belächelt wurde, wird von Herr und Frau Schweizer plötzlich ernst genommen. Das schlägt sich erstmals auch in den Verkaufszahlen vom ersten Quartal 2026 nieder. So hat etwa BYD von Januar bis April 1349 Autos verkauft. In den ersten vier Monaten 2025 waren es noch 87 Stück. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer fahren ein Auto aus einer chinesischen Fabrik.
Die Skepsis gegenüber chinesischen Marken bröckelt massiv, wie eine neue Studie von Autoscout24 zeigt. Noch vor acht Monaten lehnten 43 Prozent der Befragten ein Auto aus China kategorisch ab. Jetzt sind es nur noch 24 Prozent. Gleichzeitig sagen bereits 30 Prozent, dass sie sich den Kauf eines chinesischen Autos vorstellen könnten.

Viermal mehr Suchanfragen

Mehr als jeder Zweite glaubt sogar, dass chinesische Marken in fünf Jahren ganz normal zum Schweizer Strassenbild gehören werden. «Das Interesse an chinesischen Automarken nimmt in der Schweiz zu. Das zeigt sich sowohl in den Einstellungen als auch im Suchverhalten», sagt Autoscout-Direktor Alberto Sanz de Lama.
Besonders stark wächst das Interesse an Marken wie BYD, MG oder Polestar, der schwedischen Marke mit chinesischen Mehrheitseigentümern und Fabriken. Laut Autoscout24 hat sich das Suchvolumen nach BYD-Neuwagen seit Herbst 2025 mehr als verdreifacht. Bei Occasionen vervierfachte sich das Interesse sogar. Auch MG wird deutlich häufiger gesucht als im Vorjahr.

Partner-Inhalte

Viele Schweizer finden vor allem über den Preis zu den Chinesen. 69 Prozent der Befragten nennen das Preis-Leistungs-Verhältnis als Hauptargument, sich für ein chinesisches Fabrikat zu interessieren. Laut Mobilitätsexperte Zheng Han, Gastprofessor an der Universität St. Gallen, profitieren führende chinesische Elektroauto-Hersteller von strukturellen Vorteilen.
«Dank modularer Plattformen, hoher Skaleneffekte, starker vertikaler Integration und weitgehend kontrollierter Lieferketten erzielen sie je nach Segment Kostenvorteile von rund 25 bis 30 Prozent gegenüber vielen etablierten Wettbewerbern», führt der Experte aus. «Zudem entwickeln diese Unternehmen neue Fahrzeuge in 18 bis 24 Monaten, während etablierte Hersteller dafür meist drei bis fünf Jahre benötigen», so Han.

Digitale Features werden immer wichtiger

Besonders bei Batterien, Software und digitalen Funktionen sehen viele potenzielle Autokäufer chinesische Anbieter im Vorteil. Ein zentraler Aspekt, denn für mehr als ein Viertel der Befragten sind moderne digitale Features inzwischen ein entscheidendes Kaufargument, so die Autoscout24-Befragung.
Und doch: Das Misstrauen bleibt gross. Der grösste Knackpunkt ist der Service. 82 Prozent der Befragten sagen, ein dichtes Händler- und Servicenetz sei entscheidend. Dort haben arrivierte Hersteller derzeit die deutlich besseren Karten. Für Schweizer Garagen könnte der China-Boom deshalb zur Chance werden. Viele Hersteller suchen derzeit nämlich intensiv nach lokalen Partnern.

Werbung

Über die Autoren
fbYktlGaHR0cHM6Ly9vY2RuLmV1L3B1bHNjbXMvTURBXy81OGVhZGVjNS0xMzcwLTQ1YWUtOGRiYi1mOTg2MDExMTBmMjEuanBlZ5GVAwDNASHNBtPNBtI.jpeg
Patrik Berger
Patrik Berger, Redaktor Wirtschafts-Desk RMS

Werbung