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Kommentar zur Parmelin-Nachfolge

Die politisch Unkorrekte

Die mögliche Bundesratskandidatur von SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz polarisiert: Von links wird ihr mangelnder Einsatz für Frauen vorgeworfen, von rechts gilt sie manchen als Leichtgewicht. Das ist ihre Stärke.

Seraina Gross Handelszeitung

«Eine so spannende Bundesratskandidatur wie die von Céline Amaudruz gab es schon lange nicht mehr», schreibt Handelszeitung-Redaktorin Seraina Gross.
«Eine so spannende Bundesratskandidatur wie die von Céline Amaudruz gab es schon lange nicht mehr», schreibt Handelszeitung-Redaktorin Seraina Gross.HZ

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Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Linke für sich in Anspruch nimmt, sich als einzige Kraft für «die Sache der Frau» einzusetzen. Jüngstes Beispiel ist die Abrechnung von SP-Co-Parteipräsidentin Mattea Meyer mit der Kandidatur der Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz für die Nachfolge von Guy Parmelin im Bundesrat. Gut für die Frauen – das heisst im linken Selbstverständnis vor allem eines: möglichst viel Geld für Förderprogramme loszueisen. Sei es für Kinderkrippen, für Hygieneartikel für «menstruierende Menschen» und für Gleichstellungsbüros, die alte Schulbücher auf Sexismen durchforsten und die sich immer wieder aufs Neue an einer angeblich diskriminierenden Lohnschere abarbeiten. Dass dabei lediglich alte, private Abhängigkeiten durch neue staatliche ersetzt werden? Geschenkt. Schliesslich gilt: Je tentakulärer der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat, desto prächtiger gedeiht das eigene Biotop.
Klar, dass da eine Frau wie Céline Amaudruz nur durchfallen kann. Dafür ist sie schlicht zu wenig gestreamt. Sie war gegen Quoten, aber überflüssige Regulierungsübungen wie eine Änderung des Gleichstellungsgesetzes, die Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern alle vier Jahre eine gesetzeskonforme, wissenschaftlich unterfütterte Lohngleichheitsanalyse abverlangt, unterstützte sie, anders als ihre Kollegen von der SVP. Auch beim Vaterschaftsurlaub lag sie nicht auf Linie. Dafür hat sie mit institutionalisierten Ritualen wie dem Frauenstreiktag, an dem auch 45 Jahre nach Verankerung der Gleichstellung in der Bundesverfassung noch immer Zehntausende Frauen ihre Diskriminierung beklagen, nichts am Hut. Wenn sie gefragt wird, ob sich denn ein Bundesratsmandat mit zwei kleinen Kindern vereinbaren lasse, dann wendet sie richtigerweise ein, dass man dies einen Mann nie fragen würde. Die Frage der Rollenverteilung in der Familie hält sie nicht für ein Politikum, sondern für eine private Angelegenheit.

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Von links und rechts im Visier

Und so kommt es, dass sich die vermutlich einzige SVP-Bundesratskandidatin zwischen allen Bänken und Stühlen wiederfindet. Während ihr von links Verrat an den Frauen vorgeworfen wird, heisst es von rechts, sie sei ein Leichtgewicht, SVP-Vizepräsidium hin, erfolgreiche berufliche Karriere her. Zudem haben ihr einige Männer in der SVP offenbar übel genommen, dass sie sich vor ein paar Jahren zur Wehr setzte, als sie sich als frisch gewählte Nationalrätin von einigen Kollegen unangemessen behandelt fühlte. Was sie nicht daran hinderte, sich dieser Tage mit ebendiesen Kollegen mit Hellebarden auf den Bundesplatz zu stellen und aus Anlass der Beratungen der EU-Verträge im Ständerat vor den «heimatmüden Politikern im Bundeshaus» zu warnen.
Gemütlich ist das nicht, aber es ist offenbar der Preis, den man hierzulande bezahlen muss, wenn man als Frau einen eigenständigen Weg geht und sich den gängigen – linken – Vorstellungen, wie Frauen zu ticken haben, nicht unterwirft. Klar ist: Eine so spannende Bundesratskandidatur gab es schon lange nicht mehr.
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