Auch wenn Edinburgh als Mutter der Tattoo-Festivals wahrgenommen wird, liegt der Ursprung des Wortes in den Niederlanden. Das Wort leitet sich vom niederländischen «taptoe» ab, was übersetzt «Zapfenstreich» bedeutet. Bekannt wurde «Tattoo» durch das Royal Edinburgh Military Tattoo, dem jährlichen Musikfestival auf dem Vorplatz des Edinburgh Castle. Dort präsentieren sich seit dem Jahr 1950 Militärkapellen, Trommler, Dudelsackspieler, Highland-Dancers und Folkloregruppen. Das Festival zählt zu den bekanntesten Events Schottlands und zieht jährlich rund 200 000 Besuchende an.
Viel Positives für die Stadt
Nach dem Tattoo in Edinburgh ist das Basel Tattoo die weltweit zweitgrösste Show dieser Art. Vom 17. bis 25. Juli 2026 feiert es in diesem Jahr ihr 20-Jahr-Jubiläum. Während die Hauptshows im Hof der Kaserne Basel im Stadtteil Klybeck stattfinden, erleben rund 130'000 Zuschauer und Zuschauerinnen jährlich die grosse Parade durch die Basler Innenstadt. Über tausend Mitwirkende marschieren durch die 186'000 Kopf grosse Schweizer Metropole. Daher ist die Veranstaltung eine attraktive PR-Geschichte für die Stadt, die aber auch Kritiker hat. Vor allem einige Aktionen der letzten Jahre sorgten für Aufsehen. 2016 wurden zum Beispiel Sujets mit Flüchtlingen, Panzern oder Flugzeugen auf das Kasernengebäude projiziert. Später wurde mit Morricones Hintergrundmusik «Spiel mir das Lied vom Tod» der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Und nach den Unterbrüchen während der Pandemiejahre wurde von Tierschutzkreisen bemängelt, dass Pferde und Kühe in der Show auftraten. Danach kamen 2023 wie auch 2025 die Überflüge der Patrouille Suisse zur Sprache, einerseits wegen der Gefahr durch die Tiefflüge und andererseits aufgrund der Lärmimmissionen.
Doch das Basel Tattoo bringt der Region auch viel Positives : Die vielen Reportagen, Videos und Bilder in den internationalen Medien fördern das Image der Stadt und den Tourismus. Die Wertschöpfung kann dabei nicht klar beziffert werden, da sie sich mit Gastronomie, Hospitalität, Besuch von weiteren touristischen Attraktionen und auch mit Shoppingtouren in der Stadt selbst nicht klar definieren lässt. Aber es wird von zweistelligen Millionenbeträgen gesprochen. Die Direktorin von Basel Tourismus, Letizia Elia, betont: «Das Tattoo generiert über 10 000 Übernachtungen jährlich und macht den Juli hier zum stärksten Tourismusmonat.» Dazu kommen steuerliche Einnahmen für die Stadt, da es sich nicht um eine gemeinnützige Institution handelt.
Viel Neues zum Jubiläum
Auch wenn – verständlicherweise – nicht alle Anwohnerinnen und Anwohner zufrieden sind: Der Event ist wichtig. Die jährliche Veranstaltung ist ein Highlight des kulturellen Angebots, sorgt für eine spezielle Atmosphäre und lockt tagsüber wie auch am Abend viele Menschen in die Innenstadt. Und letztlich wird das historische Kasernenareal durch die Tattoo-Arena aufgewertet.
Auch die Jubiläumsausgabe steht unter der Schirmherrschaft des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Bereits seit über zehn Jahren unterstützt die Schweizer Armee mit Auf- und Abbau der temporären Arena und mit Militärmusikformationen. Die eingesparten Kosten fliessen vollständig in die Basel Tattoo Charity für soziale Projekte. Mit der Planung wird bereits 18 bis 24 Monate vorher gestartet, was bedeutet: Läuft ein Tattoo, ist das nächste bereits in der Vorbereitung. Eingeladen werden die Teilnehmenden von der Basel Tattoo Productions GmbH. Und die hat für 2026 wirklich spannende Acts gewinnen können. Zudem wird auch die Tattoo-Arena neu konzipiert, um so ein noch intensiveres Erlebnis anbieten zu können. Geht es um die Acts, kann sich das Publikum an zwei königlichen Garden aus Grossbritannien erfreuen: The Band of His Majesty’s Irish Guards und The Band of His Majesty’s Scots Guards. Aus Norwegen kommt His Majesty The King’s Guard Band and Drill Team, und aus Schottland stammen die Red Hot Chilli Pipers. Auch Kanada ist vertreten, mit den Canadiana Celtic Highland Dancers, und aus den USA reisen die Kilgore College Rangerettes an. Die Schweiz fehlt ebenfalls nicht; man freut sich schon heute auf die Auftritte der Swiss Armed Forces Conscript Band und des Top Secret Drum Corps. Einer der Höhepunkte dürfte der Auftritt der Massed Pipes & Drums sein: Rund zweihundert Dudelsackspieler und Trommler sorgen mit ihrem kraftvollen Sound für viel Wucht. Und da ein einzelner Dudelsack je nach Messung etwa 120 Dezibel erreichen kann, dürften zweihundert Spieler zu einem akustischen Erdbeben führen.