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Hirn statt Hand

Schweizer Firmen trotzen der Automobilkrise

Die hiesige Autozulieferindustrie durchläuft eine Transformation mit gnadenloser Selektion. Firmen setzen ihr Know-how in anderen Branchen ein.

Ueli Kneubuehler Rinigier

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Der globale Automarkt ist 2025 moderat gewachsen. Er ist allerdings zweigeteilt. China bleibt der grösste und wachstumsstärkste Markt, während die Hersteller in Europa unter der asiatischen Konkurrenz ächzen. iStockphoto

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Die schlechten Nachrichten aus den Werken der Schweizer Autozulieferer rattern im Stakkato. Anfang April setzte der Luzerner Kabelverarbeiter Komax Konzernchef Matijas Meyer abrupt ab. Nach elf Jahren. Die Strategie soll angepasst werden, weniger Auto, mehr Industrie, Infrastruktur und Transport soll es künftig sein. Im November 2025 Jahr vermeldete der Industriekonzern SFS, dass er sein Werk im sankt-gallischen Flawil schliesst. 75 Stellen fallen weg, ein Drittel wird 40 Kilometer östlich an den Hauptsitz nach Heerbrugg SG verlagert. SFS reagiere auf den Nachfrageeinbruch in der europäischen Autoindustrie, teilte das von CEO Jens Breu gesteuerte Unternehmen mit.
Thyssenkrupp Presta schockte im September 2025 mit der Nachricht, in ihren Werken in Eschen (FL) und Oberegg AI 570 Stellen abzubauen. Der Konzern stellt Lenksysteme für Autos her. Selbst der Schaffhauser Traditionskonzern Georg Fischer trennte sich vor Kurzem von seinem Autogeschäft und verzichtet künftig auf mehr als 800 Millionen Franken Umsatz, was fast ein Fünftel der Gesamterlöse ausmachte. Die Schweizer Autozulieferindustrie liest sich aktuell eher als Dürrenmatt-Krimi denn als Erfolgsgeschichte des Werkplatzes Schweiz.
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