Seit 2022 spannt die Swiss mit der lettischen Airline zusammen – zum grossen Unmut des inzwischen verstorbenen Investors Klaus-Michael Kühne. Jetzt zieht die Schweizer Fluggesellschaft die Reissleine.
Die Swiss beendet per Ende März 2027 die Zusammenarbeit mit Air Baltic.Sven ThomannDer im Sommer verstorbene Investor Klaus-Michael Kühne hatte die Zusammenarbeit mit Air Baltic immer wieder als «Etikettenschwindel» kritisiert.dpaSwiss-CEO Jens Fehlinger versprach, die Zusammenarbeit mit Air Baltic zu beenden.KeystoneDoch der Air-Baltic-Fluch bleibt: Am Zürcher Verwaltungsgericht ist ein Gerichtsverfahren hängig – es geht um eine Entscheidung der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion.KeystoneGewerkschafterin Sandrine Nikolic-Fuss spricht von «Lohndumping» – und klagt.Thomas Meier
Wer ein Ticket der Swiss bucht, steigt oft in einen grün-weissen Jet der lettischen Fluggesellschaft Air Baltic. Ein prominenter Passagier, der sich darüber regelmässig aufregte, war Klaus-Michael Kühne (†89). Der im Sommer verstorbene Milliardär war zugleich der grösste Einzelaktionär der Lufthansa-Gruppe. Dem «Manager Magazin» sagte Kühne 2023: «Das empfinde ich als Etikettenschwindel und nicht akzeptabel, denn ich bevorzuge das Original.» Wenn Kühne von Zürich nach Hamburg flog, stellte die Swiss teilweise die Flugpläne um – damit Kühne tatsächlich mit der Swiss fliegen konnte.
Managementversagen in der Vergangenheit
Immer wieder hat Swiss-CEO Jens Fehlinger (45) versprochen, die Partnerschaft mit Air Baltic so schnell wie möglich zu beenden. Recherchen von Blick zeigen: Ende März 2027 ist es so weit. «Die Zusammenarbeit mit Air Baltic endet mit Abschluss des Winterflugplans 2026/27», bestätigt die Swiss. Die Airline setzt künftig mehr auf eigene Flieger, auf Flieger des Schweizer Partners Helvetic und auf Flieger der Swiss-Schwester Edelweiss.
Der Grund für die seit Sommer 2022 bestehende Air-Baltic-Partnerschaft war Managementversagen in der Vergangenheit: Die Swiss hatte zu wenig funktionierende Triebwerke, aufgrund von Kündigungen und Einstellungsstopps während der Corona-Zeit zu wenig Pilotinnen und Piloten und zu wenige Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Für Air Baltic kommt das Ende der Partnerschaft zur Unzeit: Die lettische Airline steckt schon länger in finanziellen Schwierigkeiten, in den USA läuft ein Konkursverfahren, zig Mitarbeiter werden entlassen. Die Swiss dementiert, dass sie aufgrund der finanziellen Probleme von Air Baltic die Zusammenarbeit beende, und verweist auf schon länger zurückreichende Pläne.
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Gerichtsverfahren in Zürich hängig
Trotzdem wird Swiss-CEO Jens Fehlinger den Fluch der Air Baltic nicht so schnell los: Nach wie vor ist in Zürich ein Gerichtsverfahren hängig, das sich gegen einen Entscheid der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (68, FDP) richtet. Die Kabinengewerkschaft Kapers hatte gegen die Arbeitsbedingungen bei Air Baltic geklagt: Die lettischen Kollegen erhielten nur einen Billiglohn.
Sandrine Nikolic-Fuss (57), Präsidentin der Kabinengewerkschaft Kapers, zu Blick: «Seit Jahren wehren wir uns gegen Lohndumping und die Unterbietung der Schweizer Lohn- und Arbeitsbedingungen.» Auch wenn die Swiss die Partnerschaft mit Air Baltic beendet, hält die Gewerkschaft am Gerichtsverfahren fest: «Die Rechtsfrage bleibt offen. Nach unserer Auffassung müssen bei Einsätzen für eine Schweizer Airline ab Zürich Schweizer Lohn- und Arbeitsbedingungen eingehalten werden.» Wann das Zürcher Verwaltungsgericht das Urteil fällt, ist unklar.
Kühne lästerte auch über Helvetic
Für die Passagiere hat das Ende der Zusammenarbeit mit Air Baltic Vor- und Nachteile. Zwar werden die Helvetic-Flieger von der Schweiz aus bedient, die Deutschkenntnisse des Personals lassen aber teilweise zu wünschen übrig. Und die Flieger bei Air Baltic waren komfortabler als jene von Helvetic.
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Investor Kühne lästerte auch über die Helvetic: «Die haben sehr enge Flugzeuge. Ich musste damit mehrfach nach Hamburg fliegen. Das war sehr mühsam.» Und anders als Air Baltic, wo schnelles Internet mit Starlink teilweise Standard war, ist Internet für die Swiss und Helvetic nach wie vor Neuland.