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Trauer am Arbeitsplatz: Worauf Firmen achten sollten

Unternehmen brauchen nach dem Freitod eines Managers, der mit ihnen lange verbunden war, eine Trauerstrategie.

Stefan Mair

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Der Freitod eines Spitzenmanagers lรคsst nicht nur seine Familie und Freunde traumatisiert zurรผck. Er hat auch schwer kontrollierbare Auswirkungen auf jene Firma, fรผr die der Manager รผber lange Zeit Gesicht in der ร–ffentlichkeit war. Wenn der Manager zudem eine Integrationsfigur nach innen war, wie es bei Ex-Zurich-CEO Martin Senn der Fall zu sein schien, wird die Sache noch komplexer. Firmen kรถnnen nach einem solchen Ereignis, auch wenn es sich nach dem Ausstieg aus der Firma ereignet hat, nicht einfach zur Tagesordnung รผbergehen. Der Umgang von Swisscom mit dem Tod von Carsten Schloter und andere Beispiele zeigen, welche Strategien einem Unternehmen, das von einem solchen Schock getroffen wird, offenstehen. Solche Reaktionen teilen sich in zwei Bereiche: Einmal Massnahmen zur Verarbeitung der unmittelbaren Trauer, einmal die Arbeit an einer verรคnderten Unternehmenskultur, die das Thema Resilienz, also die psychische Widerstandsfรคhigkeit auf allen Fรผhrungsebenen und bei allen Karriereschritten, in den Mittelpunkt stellt.
Nach dem allgemeinen Schock sei es fรผr Firmen Pflicht, psychologische Hilfe fรผr die anderen Mitarbeiter anzubieten, sagt Barbara Weil, Leiterin der Abteilung Gesundheitsfรถrderung und Prรคvention bei der Verbindung der Schweizer ร„rztinnen und ร„rzte (FMH). Wer welche Hilfe benรถtigt, hรคngt davon ab, wie gut man die Person kannte. ยซWer sich jahrelang ein Bรผro mit einem Kollegen teilt, leidet stark unter dessen Suizid. Auf diese Mitarbeiter muss man zugehen und ihnen sagen, wo sie Hilfe bekommen kรถnnen. Das muss dann auch die Firma bezahlenยป, sagt Weil, die sich zudem seit Jahren im Bereich der Suizidprรคvention engagiert.

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Trauerarbeit und Organisationsarbeit

Beim Selbstmord eines CEO oder Ex-CEO, den zwar jeder kennt, aber mit dem nicht jeder jeden Tag zu tun hat, ist die Situation noch anspruchsvoller. Hier muss die unternehmensinterne Kommunikation Rat bei Kliniken oder auch bei in Unternehmen beschรคftigten Psychologen suchen, um eine sensible Kommunikation nach innen und aussen zu erreichen. Die Arbeit an einer verรคnderten Unternehmenskultur ist noch komplexer und muss vor allem langfristiger aufrechterhalten werden. Ein Beispiel dafรผr ist Swisscom: Dort versuchte die Fรผhrungsebene nach dem Tod von Carsten Schloter, das Thema Gesundheit stรคrker in der Unternehmenskultur zu akzentuieren. Etwa indem die 24-Stunden-Erreichbarkeit kritisch hinterfragt wird. ยซWir sensibilisieren die Mitarbeitenden darauf, ihre Erreichbarkeit bewusst zu steuernยป, erklรคrte Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Ein interner Leitfaden fรผr mobiles Arbeiten zielt in eine รคhnliche Richtung.
Psychologen und Suizidforscher begrรผssen solche Massnahmen. Sie alleine reichten aber nicht aus. Es dรผrfe nicht eine reine Fokussierung auf die Optimierung der Gesundheit gelegt werden. Dadurch bestรผnde nรคmlich die Gefahr, dass Themen wie Depression und Scheitern tabuisiert wรผrden. Ein Mitarbeiter, der Rรผckenschmerzen habe, kรถnne das dann problemlos ansprechen, fรผr mehr mit Scham beladene Probleme bleibe in diesen Programmen wenig Platz. ยซDepressive Mitarbeiter schweigen aber im Zweifel und quรคlen sich durch den Jobยป, sagt Suizidforscher Vladeta Ajdacic-Gross. Das Stigma der psychischen Krankheit sei noch immer gross. Ajdacic-Gross sieht deshalb die Personalabteilungen in der Pflicht. ยซSie kรถnnten hier viel leisten, um diese Krankheiten zu entstigmatisieren, indem sie Therapien unterstรผtzen.ยป

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Fรผhrungsausbildung รคndern

Die Coaching-Angebote mรผssten aber auch auf CEO-Ebene ausgeweitet werden. ยซDie Einsamkeit des Leitwolfs wird bei Weitem unterschรคtztยป, erklรคrt Andrรฉ Schlรคppi, CEO des Outplacement-Unternehmens Grass & Partner. ยซEine Studie der Stanford University zeigt, dass 66 Prozent der befragten Manager keine externe Begleitung bei รผbermรคssigem geschรคftlichem oder privatem Druck erhalten, aber nahezu 100 Prozent diese positiv sehen wรผrden.ยป  Besonders wichtig seien Coaching- Massnahmen vor und wรคhrend der Befรถrderungsschritte. Auch der Ausstieg aus der Firma brauche Begleitung. ยซBeim hรถheren Kader und dem Top-Management werden die Trennungsentscheide oft plรถtzlich und abrupt gefรคllt. Genau dann sollte eine Begleitung angeboten werdenยป, erlรคutern Ella Gabriele Amann und Ulrike Clasen vom ResilienzForum. ยซEs sollte zum Regelfall werden, dass niemand an der Spitze unbegleitet die Unternehmung verlรคsst. Vor allem der Aufbau neuer sozialer Bezugsgruppen sollte nicht unterschรคtzt werden. Und auch hier sollte die gesamte Familie in die strategische Begleitung eingebunden werden.ยป
Nach Meinung des Resilienz-Experten Denis Mourlane sollte bereits bei der Auswahl von Fรผhrungskrรคften darauf geachtet werden, dass diese รผber ein genรผgendes Mass an Widerstandsfรคhigkeit, was auch Selbstreflexionsfรคhigkeit beinhaltet, verfรผgten. ยซWir kennen mittlerweile einige Faktoren, die Resilienz ausmachen und die man messen und beobachten kannยป, so Mourlane. Antoinette Wenk Lang vom Resilienz Zentrum Schweiz geht noch weiter. Sie fordert, die gesamte Organisationsstruktur des Unternehmens kritisch zu prรผfen: ยซDas Resilienzfeld des Unternehmens wird neben der Fรผhrungskultur auch durch die gesamte Organisationskultur geprรคgt. Aus diesem Grund lohnt es sich, die gesamte Organisationskultur unter dem Aspekt der Resilienz anzuschauen.ยป Dabei stรผnden Aspekte wie vertrauensvolles Arbeitsklima, wertschรคtzender Umgangston, echtes Interesse und Kontakt, konstruktiver Umgang mit Konflikten und Umgang mit Druck und Belastung im Vordergrund.

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