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Zwischen Fehde und Freundschaft

Wie Trump und Musk eine Beziehung wiederbelebten, die scheinbar nicht mehr zu retten war

Da bei den Zwischenwahlen für beide Männer viel auf dem Spiel steht, plant Musk, mindestens 100 Millionen Dollar auszugeben, um den Republikanern zu helfen.

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Präsident Trump und eine Delegation, zu der auch Elon Musk gehörte, wurden im Mai in Peking von chinesischen Regierungsvertretern empfangen.
Präsident Trump und eine Delegation, zu der auch Elon Musk gehörte, wurden im Mai in Peking von chinesischen Regierungsvertretern empfangen. Getty Images

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Von Alex Leary, Annie Linskey und Dana Mattioli
Als Kabinettsmitglieder, Führungskräfte aus der Wirtschaft und Familienangehörige von Präsident Trump an Bord der Air Force One gingen, um einen Langstreckenflug nach China anzutreten, kam Elon Musk hinzu.
Musk hatte seine Beziehung zu Trump fast ein Jahr zuvor öffentlich zunichte gemacht. Doch im Mai, als sie in Richtung Peking flogen, wirkten beide laut Angaben von Mitreisenden freundlich.
Der Chef von Tesla und SpaceX, der damals kurz davor stand, der erste «Trillionär» der Welt zu werden, berichtete dem Präsidenten von Plänen zum Bau neuer Fabriken in den USA. Trump sprach über ein Video eines Weltraumstarts, das er kürzlich gesehen hatte, und erkundigte sich nach einem der kleinen Söhne von Musk. Musk schwelgte gemeinsam mit Beratern des Weissen Hauses in Erinnerungen daran, wie viel Spass es gemacht habe, am Präsidentschaftswahlkampf 2024 beteiligt zu sein.
Dann überbrachte Musk die Nachricht, auf die Trumps Team seit Monaten gehofft hatte: Er beabsichtigte, die Republikaner bei den Zwischenwahlen im November zu unterstützen. Musk hat signalisiert, dass er plant, mindestens 100 Millionen Dollar für eine Kampagne zur Steigerung der Wahlbeteiligung auszugeben, um der Republikanischen Partei zu helfen, die Kontrolle über den Kongress zu behalten, sagten mit der Strategie vertraute Personen.

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Diese Szene war der Höhepunkt einer fast einjährigen Bemühung, Trump und Musk wieder zusammenzubringen, nachdem eine der ungewöhnlichsten und bedeutendsten politischen Allianzen der modernen amerikanischen Geschichte zerbrochen war.
Dazu gehörten Telefonate hinter den Kulissen, Überredungsversuche durch gemeinsame Freunde, Einladungen nach Mar-a-Lago und eine Soirée im Weissen Haus. Die Wiederannäherung wurde zudem durch eine unerwartete Tragödie vorangetrieben: die Ermordung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk, der in den Monaten vor seinem Tod versucht hatte, das Verhältnis wiederherzustellen.
Hinter verschlossenen Türen sagt Trump laut Angaben von Mitarbeitern des Präsidenten, dass er und Musk niemals wieder so eng befreundet sein werden wie früher. Aber sie sprechen wieder miteinander, etwa einmal im Monat, und diskutieren über künstliche Intelligenz, China und das Weltgeschehen, sagten Personen, die über die Gespräche informiert sind.
Die wiederbelebte Beziehung könnte beiden Männern zugutekommen. Sollten die Demokraten die Kontrolle über den Kongress gewinnen, sind sie bereit, eine ganze Reihe von Untersuchungen gegen den Präsidenten und seine Familie einzuleiten. Auch Musk, der auf lukrative Regierungsaufträge angewiesen ist, könnte ins Visier geraten.

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Vertreter von Musk reagierten nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. In einer Erklärung teilte das Weisse Haus mit, Trump habe «die grösste Koalition in der Geschichte der amerikanischen Politik aufgebaut, voller Patrioten wie Elon Musk, die sich zutiefst dafür einsetzen, alle historischen Errungenschaften dieser Regierung zu bewahren».

Die «grosse Bombe»

Trump und Musk wurden während des Wahlkampfs 2024 schnell Freunde, und kurz nachdem Trump zum zweiten Mal sein Amt angetreten hatte, zog Musk in den Komplex des Weissen Hauses ein – wo er zeitweise auch übernachtete –, um die Bemühungen des Präsidenten zur Verkleinerung der Bundesregierung zu beaufsichtigen.
Doch Musks unorthodoxe Vorgehensweise sorgte für negative Schlagzeilen und verärgerte Mitglieder von Trumps Kabinett, die der Meinung waren, sie sollten mehr Kontrolle über ihre eigenen Behörden haben, während seine Kürzungen bei Programmen, auf die sich Millionen von Amerikanern verliessen, Kritik hervorriefen. Berater murrten über Musk, doch wochenlang beharrte Trump darauf, dass ihre Verbindung stark sei.
Im Juni letzten Jahres brach alles zusammen, als hinter den Kulissen schwelende Spannungen online eskalierten.
«Zeit, die wirklich grosse Bombe platzen zu lassen», sagte Musk auf dem Höhepunkt des Streits zu seinen 240 Millionen X-Followern. Trump, so sagte er, sei in den Ermittlungsakten zu Jeffrey Epstein namentlich genannt worden. «Das ist der wahre Grund, warum sie nicht veröffentlicht wurden.»

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Trump, der sich seiner Plattform «Truth Social» bediente, drohte damit, Musks Regierungsaufträge zu kündigen, und warf ihm vor, sich gegen ein wichtiges Steuer- und Ausgabenpaket zu stellen, weil es Anreize für Elektrofahrzeuge abschaffte. Musk sagte, das Paket, das er als «widerwärtiges Gräuel» bezeichnete, würde das Land weiter in die Verschuldung treiben.
«Ohne mich hätte Trump die Wahl verloren», schrieb Musk, der fast 300 Millionen Dollar ausgegeben hatte, um Trumps Wiederwahl im Jahr 2024 zu unterstützen. «Was für eine Undankbarkeit.»
Republican Presidential Nominee Former President Trump Holds Rally In Butler, Pennsylvania
Musk begleitete Trump 2024 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Getty Images
Republican Presidential Nominee Former President Trump Holds Rally In Butler, Pennsylvania
Musk begleitete Trump 2024 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Getty Images

Friedensangebot

Öffentlich spielte das Weisse Haus Musks Angriffe auf den Präsidenten als «unglückliche Episode» herunter. Hinter den Kulissen bemühten sich hochrangige Regierungsvertreter jedoch laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen eilig darum, das Verhältnis wieder zu kitten.
Einen Tag nach dem öffentlichen Zerwürfnis zwischen den beiden Männern nahmen Vizepräsident JD Vance und die Stabschefin des Weissen Hauses, Susie Wiles, diskret Kontakt zu Musk auf, um die Spannungen abzubauen. Sie gingen davon aus, dass die Lage so schlecht war, dass sie durch einen Versuch kaum etwas zu verlieren hatten. Das Gespräch verlief gut, wie aus Kreisen mit Kenntnis der Angelegenheit verlautete.

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Anfang der folgenden Woche rief Musk Trump an, und auch dieses Gespräch verlief positiv, so die Informanten. Im Anschluss an das Gespräch veröffentlichte Musk einen Beitrag in den sozialen Medien, in dem er sein Bedauern über einige seiner Äusserungen zum Ausdruck brachte und erklärte, diese seien zu weit gegangen.
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Es sollte jedoch noch viele Monate dauern, bis das Verhältnis wieder vollständig gekittet war. Im September erklärte Trump einem hochrangigen Mitarbeiter des Weissen Hauses, er sei noch nicht bereit, Musk wieder in seinen inneren Kreis aufzunehmen.
Vance spielte eine zentrale Rolle bei der Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den beiden Männern und hielt die Kommunikationskanäle zum Unternehmer und dessen Verbündeten offen. Ende letzten Sommer – was von einigen Beratern Trumps als Friedensangebot gewertet wurde – gab Musk laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen seine Pläne zur Gründung einer neuen politischen Partei auf, unter anderem, weil er die Beziehung zu Vance aufrechterhalten wollte, der weithin als wahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat für 2028 gilt.
Vance war der Ansicht, dass Musk eine zu wichtige Persönlichkeit sei, um ihn zu ignorieren, so die Informanten. Ein dauerhafter Bruch der Beziehungen zur Regierung könnte angesichts der Bedeutung der SpaceX-Verträge für Verteidigung und nationale Sicherheit weitreichende Folgen haben. Tatsächlich gerieten einige bei der NASA in Panik, als Musk auf dem Höhepunkt seiner Fehde mit Trump damit drohte, die Unterstützung für Missionen zur Internationalen Raumstation einzustellen.

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Eine von der Regierung geleitete Überprüfung der Verträge von SpaceX mit der Bundesregierung, die nach dem Streit mit Trump im Juni eingeleitet wurde, ergab, dass die meisten dieser Verträge für das Verteidigungsministerium und die NASA von entscheidender Bedeutung waren, wie das «Wall Street Journal» zuvor berichtete. Seitdem hat sich das Unternehmen nur noch stärker in die amerikanische Kriegsmaschinerie eingebunden.
Wie Vance blieb auch Donald Trump Jr., der älteste Sohn des Präsidenten, laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen mit Musk befreundet. Etwa zur Zeit der Trennung investierte seine Risikokapitalfirma «1789 Capital» in Musks xAI, SpaceX und Neuralink. Katie Miller, die Ehefrau von Trumps stellvertretendem Stabschef Stephen Miller, steht Musk ebenfalls nahe, da sie während seiner Zeit im Weissen Haus mit ihm zusammengearbeitet hatte.

Personelle Veränderungen und eine Tragödie

Kirk, der junge konservative Aktivist mit einer grossen Anhängerschaft, setzte sich laut Personen aus seinem Umfeld ebenfalls dafür ein, Trump und Musk zusammenzubringen, und stand mit Musk in Kontakt, als die Fehde öffentlich eskalierte. Kirk wurde im September erschossen, und Trump und Musk nahmen an einer Gedenkfeier für ihn in einem Football-Stadion in Arizona teil. David Sacks, ein Technologieberater Trumps und Verbündeter von Musk, schlug Wiles laut mit den Ereignissen vertrauten Personen vor, er solle versuchen, die beiden Männer zusammenzubringen.

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Musk ging zu Trumps Stadionloge hinüber und sprach kurz mit dem Präsidenten; Trump klopfte Musk auf den Ellbogen, als der Unternehmer sich verabschiedete. Später, an Bord der Air Force One, sprach Trump über diese Begegnung, bezeichnete sie als interessant und fragte nach der Meinung anderer, wie eine mit dem Vorfall vertraute Person berichtete.
Am selben Abend veröffentlichte Musk ein Foto, auf dem er bei der Gedenkfeier mit dem Präsidenten sprach. «Für Charlie», schrieb er.
Unterdessen trugen auch zwei personelle Veränderungen dazu bei, die Spannungen abzubauen.
Im Weissen Haus kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen Musk und Trumps langjährigem Berater Sergio Gor. Bei einem Treffen zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit äusserte Trump seine Frustration darüber, dass Musks DOGE bei bestimmten Initiativen nicht schnell genug vorankomme. Musk gab Gor die Schuld, der die Überprüfung von Ernennungen in der Regierung beaufsichtigte, woraufhin der Präsident Gor laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person scharf zurechtwies.
Im vergangenen August ernannte Trump Gor zum US-Botschafter in Indien – und schickte ihn damit 7'500 Meilen von Washington weg.
Trump vollzog im November zudem eine aussergewöhnliche Kehrtwende, als er Musks Verbündeten Jared Isaacman erneut zum Leiter der NASA ernannte – ein Schritt, den Musk laut Personen, die mit der Beziehung vertraut sind, zu schätzen wusste. Der Wettbewerb um den Posten war intensiv, und Isaacman setzte sich gegen Sean Duffy durch, den Verkehrsminister, der die Rolle übernommen hatte, nachdem Trump Isaacman im Juni inmitten des Zerwürfnisses mit Musk entlassen hatte.

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Im November kehrte Musk als Zeichen der Entspannung ins Weisse Haus zurück, um an einem Abendessen teilzunehmen, das Trump zu Ehren des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ausrichtete. In den letzten Monaten hat Trump Musk öffentlich gelobt. Nachdem Musk zum «Trillionär» geworden war, schickte ihm der Präsident eine Glückwunschnachricht.
Im Hinblick auf die Zwischenwahlen plant Musk, an «America PAC» zu spenden, die Gruppe, die er gegründet hat, um Pro-Trump-Bemühungen im Jahr 2024 zu finanzieren. Er plant, mindestens 100 Millionen Dollar in eine Kampagne zur Wahlmobilisierung in Schlüsselstaaten zu investieren, wie eine mit den Details vertraute Person mitteilte; darüber hatten zuvor bereits Axios und die New York Times berichtet.
«America PAC» wird sich mit «MAGA Inc.» abstimmen, dem wichtigsten Super-PAC von Trump, der bereits über mehr als 400 Millionen Dollar verfügt.
Musk hat angedeutet, dass er nicht mehr so präsent sein wird wie bei der letzten Wahl und während seiner polarisierenden, oft chaotischen Zeit als Leiter von DOGE. «Ich glaube, ich habe mich ein bisschen zu sehr in die Politik eingemischt», sagte Musk letzten Monat gegenüber dem «Economist».
«Ich habe mich, ehrlich gesagt, etwas mitreissen lassen.»

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Übersetzt aus dem Englischen von der BILANZ Redaktion.
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