Auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt für Fachkräfte geben Anwälte und Banker ausgefallene Nebenbeschäftigungen wie «Vogelhäuschen bauen» und «Hot-Dog-Wettessen» an.
Im vergangenen Jahr vermittelte Kate Reder Sheikh Dutzende von Associates und Counsels an renommierte Anwaltskanzleien in der Bay Area und in Colorado. Einige ihrer Lebensläufe stachen hervor – allerdings nicht aufgrund der akademischen Auszeichnungen, mit denen sie ihren Abschluss gemacht hatten.
Neben den renommierten Kanzleien, Anwaltszulassungen und T14-Rechtsfakultäten führten die Bewerber zusätzliche Fähigkeiten auf. Das Trainieren von Zwergdackeln. Das Bauen von Vogelhäuschen. Und im Fall eines Rechtsberaters das «Perfektionieren von Rührei in Restaurantqualität».
Das sind genau die Details, die einen Personalverantwortlichen dazu bringen könnten zu denken: «Ja, das ist jemand, mit dem ich um 3 Uhr morgens bei einer Deadline gerne an vorderster Front stehen würde», sagt Reder Sheikh, Partnerin bei Major, Lindsey & Africa, einer globalen Personalvermittlungsagentur für den Rechtsbereich.
Auf einem hart umkämpften Arbeitsmarkt für Fachkräfte, auf dem KI als Bedrohung für die Arbeitsplatzsicherheit eminent ist, ermutigen einige Personalvermittler Arbeitssuchende, sich durch die Hervorhebung ausgesprochen menschlicher Eigenschaften wie einer Canasta-Sucht oder einer Vorliebe für das Einlegen von Gemüse von der Masse abzuheben.
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Befürworter sagen, ein ausgefallener Zeitvertreib könne einen übermüdeten Personalvermittler dazu verleiten, die Bewerbung noch einmal durchzulesen, und bei Vorstellungsgesprächen als Eisbrecher dienen. Reder Sheikh sagt, mehr als die Hälfte der Associates, die sie im letzten Jahr vermittelt habe, hätten Hobbys angegeben – ein deutlicher Anstieg gegenüber vor einigen Jahren.
Dieser Trend steht im Einklang mit dem Mantra der Generation Z und der Millennials, sein «ganzes, authentisches Selbst» zur Arbeit mitzubringen, sagt Rebecca Thornton, Partnerin bei der Personalberatungsfirma Spencer Stuart in New York. Er geht auch Hand in Hand mit einer zunehmenden Tendenz von Führungskräften, sich bei der Online-Präsentation etwas besonderes auszudenken – sei es, dass Partner von Sequoia Capital in ihren Unternehmensbiografien Pink Floyd und Rhodesian Ridgebacks erwähnen, oder die viralen (und sehr wackeligen) Selfie-Videos von Jon Gray, Präsident und COO von Blackstone, in denen er beim Joggen Marktberatung und allgemeine Gedanken teilt.
«KI spuckt Lebensläufe aus, die alle gleich aussehen», sagt Richard King, der eine auf Unternehmensrekrutierung spezialisierte Agentur mit Sitz in Los Angeles leitet. «Lasst uns wieder die menschliche Note einbringen.»
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Das Auflisten von Hobbys und Interessen war bis Mitte der 2010er Jahre durchaus üblich, bis Personalvermittler den Bewerbern rieten, jegliche Hinweise auf nicht zum Kerngeschäft gehörende Fähigkeiten zu entfernen, um Vorurteile bei der Einstellung zu verringern, so King. Heute diskutieren die Nutzer in den sozialen Medien über die Vorzüge der Nennung von Freizeitaktivitäten, wobei Gegner dies als peinlich, irrelevant oder amateurhaft bezeichnen.
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Das Thema rückte im Januar in den Vordergrund, als ein (mittlerweile gelöschter) Beitrag auf X über die Besetzung einer Stelle im Bankwesen viral ging. «Ich habe einen Lebenslauf geprüft, in dem ‚Olivenöl‘ als Interesse aufgeführt war», schrieb der anonyme Verfasser, der auf eine Bitte um Stellungnahme nicht reagierte. «Das ist kein Interesse. Es sind schon Stunden vergangen, und ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken. Ein Vorstellungsgespräch wird es nicht geben.» Viele sprangen «Interested in Olive Oil» zur Seite und bezeichneten den Eintrag als erfrischend schrullig; andere fragten sich, warum der Bewerber nicht ein paar mehr Details angegeben hatte.
Fred Cibelli, Technology Principal bei EY in New York, sagt, vorausgesetzt, der Bewerber erfülle die Stellenanforderungen, würde er im Vorstellungsgespräch gerne mehr über dessen Begeisterung für Olivenöl erfahren. Ihm ist aufgefallen, dass in letzter Zeit etwas mehr Hobbys in LinkedIn-Profilen und Lebensläufen auftauchen, und er sagt, er würde sich mehr davon wünschen.
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Dawn Choo erhielt positive Reaktionen darauf, dass sie Ballett in ihren Lebenslauf aufgenommen hatte. Symbolbild Getty Images
Dawn Choo erhielt positive Reaktionen darauf, dass sie Ballett in ihren Lebenslauf aufgenommen hatte. Symbolbild Getty Images
Die Entscheidung, was man einbezieht, ist eine andere Sache. Als sich die Datenwissenschaftlerin Dawn Choo vor einigen Jahren bei Meta (damals Facebook) bewarb, überlegte sie, ob sie unter «Wissenswertes» erwähnen sollte, dass sie einmal im «Nussknacker» des Washington Ballet mitgetanzt hatte. Obwohl Ballett unweigerlich an Disziplin erinnert, fragte sich Choo, ob sie etwas angeben sollte, «das sich so mädchenhaft anfühlt und meine weibliche Seite betont», wo doch die Tech-Welt von Männern dominiert ist. Choo, die 35 Jahre alt ist und heute ihr eigenes Unternehmen in Tennessee leitet, hat es letztendlich doch aufgenommen und sagt, sie habe ausschliesslich positive Reaktionen erhalten. (Ausserdem bekam sie die Stelle.)
Hobbyisten füllen ihre Lebensläufe nicht einfach mit irgendwelchen beliebigen Aktivitäten auf. Es gibt Regeln. Dieser Abschnitt sollte immer ganz am Ende stehen und nur eine Zeile einnehmen, sagte Reder Sheikh. Im Idealfall deutet das Hobby auf eine Eigenschaft hin, die am Arbeitsplatz von Vorteil ist, wie zum Beispiel Organisationsfähigkeit oder Durchhaltevermögen, sagt Thornton. Das Wichtigste: Man darf auf keinen Fall vage bleiben.
Die Leute schreiben dann: «‚Sport, Musik oder Essen‘ – ja, jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten interessiert sich für [diese] Dinge», sagt Jack Kolb, ein 24-jähriger Finanzanalyst aus Chicago. Vor einigen Jahren half Kolb als Vorsitzender der Investment Banking Academy an der University of Illinois Urbana-Champaign Kommilitonen bei der Bewerbung um Stellen im Bankwesen. Er drängte alle dazu, konkrete Interessen anzugeben, die ihre Persönlichkeit widerspiegeln.
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Skifahren ist eines der Hobbys von Jack Kolb, die in seinem Lebenslauf Erwähnung finden. Symbolbild imago/Danita Delimont
Skifahren ist eines der Hobbys von Jack Kolb, die in seinem Lebenslauf Erwähnung finden. Symbolbild imago/Danita Delimont
«Ich glaube, das ist eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Zeile [im Lebenslauf] für einen qualifizierten Bewerber», der im Investmentbanking Fuss fassen will, sagt er. Wenn Banker entscheiden, mit welchen Studenten sie Networking-Gespräche führen, denken sie sich: «Wenn ich einem Gespräch mit diesem Typen zustimme, werde ich mich dann zu Tode langweilen?»
Kolb sagt, zu seinen eigenen, lebenslauftauglichen Interessen gehörten Extremskifahren, Eishockey der Chicago Blackhawks, Chipotle und «The Office» (Lieblingsfigur: Michael Scott). Ein anderer Teilnehmer der Bankakademie, ein frecher, strohblonder Typ, gab «rote Haare» als Interesse an. Ein dritter: Hot-Dog-Wettessen.
Alle haben einen Job bekommen..
Übersetzt aus dem Englischen von der BILANZ Redaktion.
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