Die Klage, der Schweizer Franken sei zu teuer und die Nationalbank solle dagegen vorgehen, ist ein Dauerbrenner in den Debatten zur Wirtschaftspolitik. Weil die Nationalbank in ihrer Geld- und damit auch in der Wรคhrungspolitik von der Politik unabhรคngig ist, eignet sie sich hervorragend fรผr Kritik durch Politiker, die damit von der eigenen Verantwortung fรผr die Rahmenbedingungen der Wirtschaft ablenken kรถnnen. Ein frisches Beispiel ist der SP-Co-Chef Cรฉdric Wermuth, der gleich auch noch einen Vorstoss zu einer รnderung des Nationalbankgesetzes eingereicht hat, um die SNB auf Kurs zu bringen.
Dass der Schweizer Franken stark ist, dรผrften die meisten Schweizer nicht als Problem sehen. Er macht uns reicher. Was fรผr einen Segen er darstellt, dรผrften all jene erleben, die zurzeit im Ausland Ferien machen. Zudem ist er nicht das Ergebnis von Schwรคche, sondern von der Stรคrke unserer Volkswirtschaft und des Vertrauens, das sie angesichts all der weltweiten Instabilitรคten und Wirren ausstrahlt.
Das heisst nicht, dass die Sorgen von Exportunternehmen unterschlagen werden sollen, denen die Franken-Stรคrke im Preiswettbewerb das Leben oder sogar รberleben erschwert. Weil die Franken-Stรคrke schon seit vielen Jahrzehnten eine Herausforderung ist, hat die Schweizer Industrie auf Nischen gesetzt, die dem Preiswettbewerb weniger stark ausgesetzt sind.
Wertet der Franken allerdings innert kรผrzester Zeit massiv auf โ wie wรคhrend der Finanz- und der Euro-Krise โ, ist das fรผr die Exportindustrie eine existenzielle Bedrohung. Doch in diesen Fรคllen ist die Nationalbank nicht untรคtig geblieben, wie nicht nur die einstigen Negativzinsen zeigen, sondern auch ihre Devisenkรคufe, die die Bilanz der SNB auf bis zu 1 Billion Franken aufgeblรคht haben.
Gerade ist ein solcher Aufwertungsschub aber nicht zu beobachten. Real, also kaufkraftbereinigt, hat der Franken etwa den gleichen Wert wie vor einem Jahr. Die hรถhere Teuerung im Ausland relativiert seine nominelle Aufwertung. Dazu kommt, dass eine bewusste Schwรคchung des Frankens derzeit durch die SNB nicht wรผnschbar wรคre, weil sie bei einem Leitzins von null diesen ins Negative senken und/oder Devisen kaufen mรผsste. Devisenkรคufe ohne Aufwertungsdruck wรคren auch ein schlechtes Signal in den Zollauseinandersetzungen mit den USA. Dem alten Vorwurf der USA, die Schweiz betreibe eine unfaire Wรคhrungsmanipulation, liesse sich dann wenig entgegensetzen.
Auf den Zuckerschub durch eine billigere Wรคhrung zu setzen, ist ohnehin kein taugliches Rezept: Wie die Erfahrung zeigt, fรผhrt das zu Inflation, hohen Zinsen und einem generellen Vertrauensverlust. Geholfen wird den Exportunternehmen am besten mit besseren Rahmenbedingungen und mit Freihandelsabkommen. Doch hier bleibt die Politik untรคtig und gespalten. Auch jene, die nach der Nationalbank rufen, hรคtten die Hebel dafรผr in der Hand. Auf die SNB zu verweisen, ist zwar bequemer, aber fehlgeleitet.