Abo
Gastbeitrag

Private Equity trotzt Volatilität mit struktureller Stärke

Private Equity hat sich über 25 Jahre lang als krisenresistent erwiesen. Besonders kleine Buy-outs bieten jetzt attraktive Einstiegschancen.

file851j1iityxz2hn4ptc9
Privatmarktanlagen haben waren in den letzten 25 Jahren resilient gegenüber den Turbulenzen des Marktes (Symbolbild). Shutterstock

Werbung

Seit der Jahrtausendwende hat die Weltwirtschaft wiederholt tiefgreifende Erschütterungen erlebt. Die Dotcom-Blase, die globale Finanzkrise, die Covid-19-Pandemie und die jüngste Phase hoher Inflation sind nur einige der Herausforderungen, die Investoren bewältigen mussten. Doch während die Börsen in diesen Phasen erheblich an Wert verloren haben, hat sich Private Equity (PE) als vergleichsweise stabil erwiesen.

Langfristige Kapitalbildung als Vorteil

Ein Rückblick zeigt, dass sich PE in den vergangenen 25 Jahren nicht nur behaupten konnte, sondern dass die Assetklasse dabei auch regelmässig und oft deutlich besser abschnitt als die Aktienmärkte. Zum Beispiel verlor der MSCI ACWI während der globalen Finanzkrise von Dezember 2007 bis März 2010 im Schnitt 9 Prozent pro Jahr, PE dagegen nur 6 Prozent. Noch deutlicher war die Überlegenheit während der Pandemie von Dezember 2019 bis September 2020, als PE eine positive Rendite von 18 Prozent erzielte, verglichen mit lediglich 2 Prozent beim MSCI ACWI.
Der Autor Nils Rode ist CIO bei Schroders Capital.

Partner-Inhalte

Ein entscheidender Grund für diese Robustheit liegt in der langfristigen Kapitalbindung. Im Gegensatz zu börsennotierten Unternehmen können PE-Fonds ihre Investitionen über Jahre entwickeln und gezielt den Wert steigern. Entscheidend ist, dass Fonds nicht gezwungen sind, Vermögenswerte in rückläufigen Märkten zu verkaufen, und sogar Kapital abrufen können, um in Abschwüngen zu investieren und von günstigen Bewertungen zu profitieren.
Zudem setzen PE-Fonds verstärkt auf stabile Geschäftsmodelle mit wiederkehrenden Einnahmen, etwa im Technologiebereich oder im Gesundheitswesen, und meiden stark zyklische Industrien. Als Folge profitieren sie von einer weniger volatilen Wertentwicklung, da Firmenbewertungen sich nicht an Aktienkursen, sondern an der Fair‑Value‑Bilanzierung orientieren.
Besonders auffällig ist die Widerstandsfähigkeit kleiner und mittelgrosser Buy-outs (Transaktionen unter 1 Milliarde Dollar). Diese Unternehmen sind weniger abhängig von Fremdkapital und fokussieren oft auf wachstumsstarke Nischen. Dieses Segment gehörte in vier der fünf Krisenperioden der vergangenen 25 Jahre zu den erfolgreichsten Strategien. Während grosse Buy-outs 2022 im Schnitt um 4 Prozent fielen, erzielten kleine und mittlere Buy-outs ein Plus von 6 Prozent.

Werbung

Mit Blick auf das restliche Jahr 2026 und darüber hinaus zeigt sich ein spannendes Bild: Während viele Aktienmärkte nahe an Rekordhochs notieren, befinden sich die Privatmärkte in einer Phase der zyklischen Entkoppelung. Fundraising und Transaktionen in Private Equity liegen weiterhin unter dem Niveau von vor 2022, was für mehr Disziplin sorgt, attraktivere Einstiegspreise unterstützt und insgesamt ein gesünderes Umfeld für Neuinvestitionen schafft.
In dieser Phase rücken drei Quellen der Wertgenerierung und Widerstandsfähigkeit in den Fokus: lokale Champions mit starker Verankerung in heimischen Märkten, die von einer stabilen Nachfrage und kürzeren Lieferketten profitieren können. In Zeiten zunehmender Handelskonflikte macht sie das weniger anfällig für geopolitische Spannungen als global agierende Konzerne. Gleichzeitig hat sich der Schwerpunkt auf transformatives Wachstum verlagert. «Financial Engineering» (Hebelung durch Fremdkapital) tritt in den Hintergrund. Stattdessen rückt die operative Wertschöpfung ins Zentrum der Renditestrategie und wird zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal: Private-Equity-Manager müssen ihre Unternehmen aktiv weiterentwickeln, Prozesse verschlanken und Märkte erobern. Schliesslich verteilt sich Innovation heute auf mehrere globale Zentren, von den USA über Europa bis China, Indien und den asiatisch-pazifischen Raum. Diese multipolare Entwicklung verringert die Abhängigkeit von einzelnen Regionen und eröffnet diversifizierte Wachstumschancen.

Werbung

Kleinere und mittlere Buy-outs besonders interessant

In der Praxis übersetzen sich diese strategischen Überlegungen in spezifische Investmentbereiche. Besonders kleine und mittlere Buy-outs verkörpern viele dieser Resilienzfaktoren. Ihre Einstiegsbewertungen liegen im Durchschnitt 40 bis 50 Prozent unter denen von grossen Buy-outs oder von börsennotierten Nebenwerten. Wie bereits erwähnt, haben sie sich in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten in Abschwüngen als starke relative Performer erwiesen.
Zudem gewinnen «Continuation Investments» an Bedeutung. Bei diesen Transaktionen halten Manager erfolgreiche Unternehmen länger, um weiteres Wachstumspotenzial auszuschöpfen, unterstützt von neuen Investoren, die eine unabhängige Bestätigung der Bewertungen und Investmentthemen liefern und Kapital bereitstellen, um die nächste Wachstumsphase zu finanzieren.
Diese Investments kombinieren kürzere Halteperioden mit effizienteren Gebührenstrukturen und bieten so eine attraktive Liquiditätslösung, was ihr erwartetes Wachstum auf über 300 Milliarden Dollar im nächsten Jahrzehnt begünstigen dürfte. Auch im Bereich Venture-Capital eröffnen sich antizyklische Chancen, getragen von der zunehmend globalen Natur von Innovationen. Während die Bewertungen bei künstlicher Intelligenz für Spätphasen stark gestiegen sind, bieten Frühphaseninvestitionen, zum Beispiel im Bereich Biotechnologie, derzeit interessante Einstiegsmöglichkeiten.

Werbung

In einer Ära anhaltender Unsicherheit bieten Privatmärkte durch ihren langfristigen Anlagehorizont und den Fokus auf fundamentale Wertschöpfung eine unverzichtbare Stütze für moderne Portfolios.
Erfolg an Privatmärkten erfordert heute mehr denn je eine selektive, wertorientierte Strategie. Eine Mischung aus Buy-outs, Secondaries und gezielten Venture-Investments in Zukunftssektoren wie Technologie oder erneuerbare Energien kann das Risiko-Rendite-Profil ausbalancieren.

Werbung