Es ist beruhigend zu sehen, wie schnell sich die Zoll-Panik gelegt hat. Über den Vorschlag von
Swatch-Grossmeister Hayek von einem 39-Prozent-Zoll auf die Schweizer Goldexporte kann man sich in diesen heissen Tagen die Köpfe noch heisser reden. Die Umsetzungschancen dürfen wir als eher tief taxieren, aber zumindest bewirtschaftet der Uhrenpatron geschickt den heimischen Patriotismus: «Warum ist Hayek nicht Bundespräsident?» fordert ein Blick-Leser. Interessanter ist seine Analyse: Die Uhrenbranche gilt als Hauptopfer des Zoll-Irrsinns, doch Hayek beschwichtigt: Seine Kunden würden einfach ausweichen – «dann kaufen sie ihre Uhren einfach nicht mehr in Amerika.»
In der Tat: Gerade für Luxusuhren variieren die Preise heute schon je nach Land und Zoll-Regime stark, was viele Asiaten sogar in die teure Schweiz treibt. Zudem: Alle Schweizer US-Exporteure, von den Uhrenherstellern bis zu Nestlé mit seinen ausschliesslich in der Schweiz gefertigten Nespresso-Kapseln, haben in den letzten Monaten ihre US-Lager gefüllt und können damit noch lange zu den bestehenden Preisen verkaufen (was - noch - das Ausbleiben der Inflation in den USA erklärt). Jetzt zeichnet sich eine Einigung bis Ende Oktober ab, dann locken 15 Zoll-Prozent wie für die EU, solange halten alle durch. Dass die Börse seit dem schwarzen 1. August sogar um 3 Prozent zulegte, ist ein deutliches Signal. Die schönste Kennziffer liefert der unbestechliche «Economist»: Da Pharma und Gold ausgeschlossen sind, beträgt die effektive Zoll-Rate auf US-Exporte trotz der offiziellen 39-Prozent-Rate derzeit nur 12 Prozent. Geht doch.
Und so ist es vor allem ein Schlag für den so oft verklärten Schweizer Sonderweg – wohl selten in der jüngeren Geschichte entpuppte sich dieser Pfad so dramatisch als Irrweg wie am diesjährigen Nationalfeiertag. Der Bundesrat, übermütig, beratungsfrei und ohne Plan B, steht blamiert da, das Debakel um den F-35 verstärkt die Dilettier-Arie noch. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch: Genau diese Schwäche der Magistraten ist vom Schweizer System gewollt. Lamentieren dürfen wir alle. Ändern wird sich: Nichts.