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Mitgründerin von DeepJudge

«Wir basieren auf Fakten, Fakten, Fakten»

Doktorat an der ETH, Karriere bei Google – dann der Sprung ins Ungewisse. Paulina Grnarova bringt mit ihrer KI-Firma Ordnung in Anwaltskanzleien.

Ueli Kneubuehler Rinigier

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«Haben wir das schon mal gemacht? Und wie können wir es besser machen?» Das treibt DeepJudge-Mitgründerin Paulina Grnarova an. Raphaela Pichler für BONANZA

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Zehntausende Dokumente, endlose Vertragsklauseln und das ewige Suchen nach der Nadel im juristischen Heuhaufen. Das ist die Welt, in der sich Anwälte zuweilen die Nächte um die Ohren schlagen.
Für Paulina Grnarova (34) ist es ein Spielfeld. Die Frau, die schon als Kind in Nordmazedonien Mathematikrätsel als Spiel betrachtete, hat eine Mission: Ordnung ins kreative Chaos von Millionen von Kanzleidokumenten zu bringen.
Grnarova ist keine, die den einfachen Weg wählt. Als beste Informatikstudentin ihres Jahrgangs in Skopje kam sie mit einer Auszeichnung des nordmazedonischen Präsidenten in die Schweiz. Auf den Master folgte das Doktorat an der ETH Zürich im Bereich der künstlichen Intelligenz. Und dann der Sprung in die Arbeitswelt zu Google, wo sie im Forschungsteam von Google Assistant mitwirkte.

Von Google zur Digital Shaperin

Doch statt sich im Elfenbeinturm der Wissenschaft oder in der Komfortzone des Tech-Riesen Google einzurichten, entschied sich Grnarova 2021 gemeinsam mit zwei Mitstreitern für das Risiko. «Wir wussten, dass ein technologischer Wendepunkt erreicht war», sagt sie rückblickend.
Heute hat sie sich einen Namen in der Szene gemacht: BILANZ kürte sie mehrfach zur Digital Shaperin, sie gewann im vergangenen Jahr den Women Award des Swiss Economic Forum, und ihr Unternehmen wurde als führendes KI- sowie Informations- und Kommunikationstechnik-Start-up der Schweiz ausgezeichnet. Ihr Baby ist mehr als nur ein Tool; es ist eine neue Art von Intelligenz für eine Branche, die lange als digitalresistent galt.

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Raphaela Pichler für BONANZA
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Raphaela Pichler für BONANZA

Der 42-Millionen-Dollar-Pitch

Ihr Versprechen: eine künstliche Intelligenz, die den Kontext versteht. Es ist die Antwort auf den «Heiligen Gral» der Branche: «Haben wir das schon mal gemacht? Und wie machen wir es besser?», so Grnarova. Während Associates früher händisch Systeme durchforsteten, liefert DeepJudge heute Antworten in Sekunden – mit direkten Verweisen auf die Quellen.
Dass dies kein leeres Versprechen ist, zeigt die Kundenliste: Globale Kanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer setzen ebenso bereits auf die Zürcher Technologie wie die Schweizer Top-Adressen Lenz & Staehelin oder Homburger. Das überzeugt auch die Geldgeber. Im Herbst 2025 schloss das Team eine Series-A-Finanzierung über 42 Millionen Dollar ab, angeführt von hochkarätigen US-amerikanischen Risikokapitalgebern.
Trotz des rasanten Wachstums auf knapp 100 Mitarbeitende bleibt der Hauptsitz in Zürich. DeepJudge ist aber bereits mit Teams in Nordamerika und Europa tätig. Während das Unternehmen noch bis vor ein paar Monaten in einer alten Polizeistation in zu Meetingräumen umfunktionierten Gefängniszellen tüftelte, zügelte die stark wachsende Firma über die Strasse in etwas repräsentativere Räumlichkeiten und treibt hier die Expansion nach London und New York voran.

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Präzision statt Post-Fakten

In einer Welt, die zunehmend mit Fake News kämpft, ist Grnarovas Business das Gegenteil: «Wir basieren auf Fakten, Fakten, Fakten.» Ihr System arbeitet ausschliesslich mit den verifizierten Daten der Kunden – ein entscheidender Vorteil gegenüber halluzinierenden Standard-KI-Modellen. Die Frage sei für Kanzleien heute nicht mehr, ob man KI nutzt, sondern welche.
Paulina Grnarova treibt am Ende nicht nur die reine Technologie an, sondern der Wille, etwas zu bewirken. Dieser Unternehmergeist – die Bereitschaft, Sicherheit gegen Gestaltungskraft einzutauschen – geht über den Erfolg einer Firma hinaus. Grnarova versteht es nicht nur, komplexe Probleme mit Mut und Präzision zu lösen. Sie ist ein Gründertyp, der letztlich die gesamte Gesellschaft voranbringt.
Dieser Artikel ist im Bonanza, einem Magazin der BILANZ, erschienen (Juni 2026).

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