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Geldgespräch mit André Lüthi

Kaninchen, Karma und Koffer

Vom Kaninchenzüchter zum Globetrotter-Chef: André Lüthi über teure Anwälte, billige One-Way-Tickets und wahres Karma.

Ueli Kneubuehler Rinigier

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André Lüthi (66) ist Chef, VR-Präsident und Mitinhaber des Reiseanbieters Globetrotter. Seine Empfehlung an die Führungsriege: «Manager sollten vermehrt verreisen.» Siggi Bucher

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Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ich bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Meine Grossmutter hatte eine Gemüsehandlung. In diesem Haus haben wir auch gewohnt. Als ich zehn Jahre alt war, habe ich Kaninchen gezüchtet. Ich verkaufte diese auf dem Markt in Bern. Fünf Franken bekam ich pro Markttag und drei Franken pro Tier.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht?

Ich habe mir 1972 ein Kassettengerät gekauft, damit ich meine Helden Uriah Heep, die Beatles und die Rolling Stones hören konnte.

Wofür geben Sie heute am meisten Geld aus?

Fürs Reisen, mehrere Wochen im Jahr. Ich mag es einfach und luxuriös. Afrika mit Zelt und Jeep, Zeltnächte im Himalaya oder in Alaska und dann in einem Fünfsternhotel entspannen. Drei Tage Zelten im Outback von Botswana sind für mich pures Glück. Dann die Beine in einer wunderbaren Lodge hochlagern aber ebenso.

Wofür geben Sie ungern Geld aus?

Anwälte (lacht). Ihre Stundenansätze hauen mich immer wieder aus den Socken. Oder der Kaffee an der Zürcher Bahnhofstrasse. Bis zu sechs Franken. Da trinke ich diesen lieber in Bern.

Geben Sie nie unvernünftig Geld aus?

Doch, für Handgepäck. Wenn ich eine schöne Tasche oder einen Rucksack sehe, kann ich kaum widerstehen. Ich habe Handgepäck für eine halbe Gemeinde. Daher bringe ich es immer wieder in ein Heim für Strassenkinder in Nepal, wo es als Schulsack eingesetzt wird.

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Was bedeutet Ihnen Geld?

Mein Vater hat hart gearbeitet, um der Familie das Leben zu ermöglichen. Geld hatte Sinnhaftigkeit; zum Überleben, mehr nicht. Zu viel Geld schürt Gier und Machtgelüste. Wie sagte doch Bob Marley? «Manche Menschen sind so arm, dass sie nur Geld haben.»

Geld war für Sie nie Antrieb?

Nie. Ich habe eine Bäckerlehre gemacht und als Jugendlicher zwei Jahre lang gespart, um mir eine Reise in die USA leisten zu können. Per Autostopp ab Bern Wankdorf nach London, weil es dort günstige One-Way-Tickets in die USA gab. So habe ich das Reisen entdeckt. Ich hatte nie einen Plan, möglichst viel Geld zu verdienen, ich wollte reisen. 1987 startete ich bei Globetrotter als Reiseberater. Tja; und danach entwickelten sich die Dinge «karmisch».

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