Es hätte der Showdown des Jahres werden sollen: Sunrise-Spitze gegen Freenet-Spitze. Und jetzt fand die mit Spannung erwartete Generalversammlung nicht einmal statt. Nachdem absehbar wurde, dass sich die Aktionäre von Sunrise gegen die Kapitalerhöhung entscheiden würden, blies Verwaltungsratspräsident Peter Kurer die Generalversammlung ab.

Ohne Kapitalerhöhung aber wackelt der Zusammenschluss der Nummer zwei im Schweizer Telekommarkt, Sunrise, mit der Nummer drei, UPC. 

Und damit wiederum dürfte die Position von Peter Kurer (70) als Sunrise-Präsident unsicher geworden sein.

Der Kampf um den Deal war auch ein Machtkampf.  M&A-Spezialist Kurer hatte die Transaktion selber strukturiert: 6,3 Milliarden Franken würde Sunrise für UPC bezahlen – und dafür das eigene Kapital erhöhen. Christoph Vilanek, der Chef des Grossaktionär Freenet (24,5 Prozent der Anteile), fand das zu viel und begann, die Übernahme zu bekämpfen.

Das Klima war bald vergiftet: Kurer warf den beiden Freenet-Vertretern im Verwaltungsrat Unehrlichkeit und Interessenkonflikte vor. Er schloss sie aus allen Sitzungen aus, in denen die Übernahme traktandiert war. Freenet warf Kurer vor, «extrem persönlich und aggressiv» in den Sitzungen gewesen zu sein, und kündigte an, gegen den Ausschluss mit allen juristischen Mitteln vorzugehen.

Die Familie

Kurer ist mit Mentaltrainerin Susi verheiratet. Sie wohnen in Herrliberg an der Zürcher Goldküste. Das Paar hat drei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder – «das Zentrum meines Lebens», wie er sie nennt. Kurer ist Fan des HC Davos und unterstützte regelmässig die Junioren des Schlittschuhclubs der Nachbargemeinde Küsnacht. In seiner Freizeit fährt er Velo und Ski. Er interessiert sich für Jazzmusik und Literatur: Der englische Rechtsprofessor und Autor Richard Susskind inspirierte Kurer nach eigenen Worten zum Schreiben seines Buchs über «Legal and Compliance Risk».

Susi Kurer;Peter Kurer, VRP, Sunrise

Peter Kurer mit Gattin Susi.

Quelle: ZVG

Die Anwaltskarriere

Nach der Klosterschule in Feldkirch und im Appenzellischen sowie dem Jus-Studium begann Kurer bei der Kanzlei Baker McKenzie. Er spezialisierte sich auf Fusionen und Übernahmen. Dort arbeitete er mit Christine Lagarde zusammen, der zukünftigen EZB-Präsidentin. Später war Kurer entscheidend daran beteiligt, die Baker-Abspaltung Homburger in der Schweiz gross zu machen.

Engster Kollege war Senior Partner Daniel Daeniker, sie arbeiten bis heute zusammen. Befreundet ist Kurer seither auch mit Urs Schenker, heute Partner bei Walder Wyss. Seit dem Zusammenschluss von BBC und Asea zu ABB ist Kurer in engem Kontakt mit dem damaligen ABB-Chefjuristen und heutigen Lafarge-Holcim-Präsidenten Beat Hess.

Der Deal machte Kurer als Fusionsspezialisten bekannt. 1996 schmiedete er aus Ciba-Geigy und Sandoz den Pharmagiganten Novartis und half bei der Abspaltung von Ciba SC unter Rolf Meyer. Für die Swissair unter Otto Loepfe fädelte Kurer die gescheiterte Fusion mit AUA, KLM und SAS («Projekt Alcazar») ein, für dessen Nachfolger Philipppe Bruggisser den Sabena-Kauf.

Beat Hess, Praesident von LafargeHolcim.

Lafarge-Holcim-Präsidenten Beat Hess.

Quelle: Keystone

Die UBS-Zeit

2001 wechselte Kurer als Chefjurist zur UBS – sehr zum Missfallen der Swissair unter Mario Corti, für die er quasi als Hausanwalt fungiert hatte. Beim Grounding wenige Monate später sahen sie sich auf entgegengesetzten Tischseiten wieder. Bei der Grossbank arbeitete Kurer mit dem heutigen Finma-Chef Mark Branson zusammen. Später war er wichtiger Ansprechpartner von Philipp Hildebrand, damals Vizepräsident der Nationalbank und heute Vice Chairman von BlackRock.

In Kurers UBS-Zeit machte sich die Grossbank wegen ihrer Hilfe für amerikanische Steuersünder in den USA strafbar. Als die Bank 2008 in der Finanzkrise in Schieflage geriet und man auf Druck der Eidgenössischen Bankenkommission in aller Eile einen Nachfolger für Marcel Ospel suchte, wurde Kurer überraschend zum Verwaltungsratspräsidenten berufen. Vizepräsident Sergio Marchionne war Königsmacher – und ein Jahr später Königmörder, als er in einem BILANZ-Interview Kurers Eignung für den Job relativierte. Kurze Zeit später musste Kurer abtreten.

Mit dem damaligen UBS-Verwaltungsrat Jörg Wolle, heute Präsident von Kühne + Nagel, ist Kurer befreundet, später beriet er ihn bei den Börsengängen von DKSH und Klingelnberg. In der Finanzkrise arbeitete er eng mit Walter Kielholz zusammen, damals wie heute Präsident der Swiss Re.

 

Walter Kielholz am Hauptsitz der Swiss Re in Zürich

Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz.

Quelle: Gian-Marco Castelberg für BILANZ

Dieser Artikel erschien in der Oktober-Ausgabe 10/2019 der BILANZ. Aktualisiert am 22. Oktober 2019.