SNB: Hoffentlich keine Alibiübung
Und er bewegt sich doch:
Nationalbank-Chef Martin Schlegel hat wohl den härtesten Nachfolgejob der Schweiz. Auf «Big Thomas» Jordan zu folgen, darf für jeden noch so versierten Ökonomen als Höchststrafe gelten. Bisher blieb der Zürcher dann auch unaufgeregt im Schatten seines Förderers. Da war es fast schon eine Bombe, die er am Mittwoch in der kleinen Gemeinde Vezia bei der Tessiner Bankiervereinigung platzen liess: Die grosse Schweige-Behörde will plötzlich jeweils vier Wochen nach ihrem Zinsentscheid eine Zusammenfassung der Direktoriums-Diskussionen im Vorfeld der Entscheidung veröffentlichen. Es ist zwar keine Offenlegung der «Minutes», der Protokolle der entscheidenden Zins-Sitzung, wie sie die grossen en Notenbanken von Fed bis EZB kennen. Aber immerhin: Es ist ein Schritt zur Öffnung. Jordan hatte sich immer gewehrt, weil eine derartige Regelung angeblich Absprachen im Vorfeld fördere. Da hatte er sicher einen Punkt. Spötter hielten allerdings dagegen: Eine Veröffentlichung hätte offenbart, dass es keine Diskussionen gibt.
Allerdings: Bei der Fed entscheiden 12 Personen über die Zinshöhe, darunter die fünf Chefs der regionalen Fed-Ableger, in Frankfurt bei der EZB sind es gar 23 Notenbanker, darunter alle Zentralbankchefs der Euro-Staaten von Finnland bis Portugal. Hier ist eine Offenlegung sinnvoll, auch für die Profilierung in der Heimat. Doch in der Schweiz? Das Direktorium besteht aus gerade drei Mitgliedern, der tiefsten Zahl einer grossen Notenbank, und die neue Dokumentation soll nur eine «Zusammenfassung der geldpolitischen Diskussionen» umfassen, was anders als bei den Protokollen von Fed oder EZB nicht die wortgetreuen Äusserungen wiedergibt, sondern maximalen Spielraum für maximale Glättungen öffnet. Ein Schritt in die richtige Richtung, zweifellos. Aber es duftet nach Alibi-Übung.