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Mann des Monats

Die SNB erneut im Krisenmodus: Ist Martin Schlegel gewappnet?

Trump, Stahl-Franken, Negativzins-Gefahr bedeuten Krisenzeit für die Nationalbank. Und mittendrin ein neuer Chef. Kann er das? Und: Wer ist er?

Dirk Schütz

<p>Neuer Nationalbank-Chef: Martin Schlegel ist seit dem 1. Oktober Präsident der ­Währungsbastion im Herzen Zürichs.</p>

Neuer Nationalbank-Chef: Martin Schlegel ist seit dem 1. Oktober Präsident der Währungsbastion im Herzen Zürichs.

Thomas Meier

Notenbanken dürfen in diesen Zeiten der rasanten Umwälzungen als letzte Bastionen der Tradition gelten: Ihre Präsidenten (Frauen bleiben die Ausnahme) tragen noch immer durchgehend Krawatten, selbst am Freitagnachmittag. Und jeder hat eine Doktorarbeit verfasst – mindestens.

Paradebeispiel ist auch hier Thomas Jordan. Der langjährige Nationalbank-Kapitän erstellte nach dem Ökonomiestudium in Bern als Assistent in vier Jahren ein 342-seitiges Werk, das via 759 Formeln die Schuldenkrise der Eurozone prophezeite. Der Titel: «Seigniorage, Defizite, Verschuldung und Europäische Währungsunion». Hinterher ging er für seine Habilitation drei Jahre nach Harvard – und dann 27  Jahre zur Nationalbank. Er war der Beweis, dass es sie tatsächlich gibt: Ökonomen aus Leidenschaft.

Sein Vorgänger war da anders. Philipp Hildebrand kam als Quereinsteiger in die technokratische Notenbankwelt, er hatte in Oxford ein einjähriges Doktorat in internationalen Beziehungen erworben. Der Titel: «International Environmental Politics in the Case of the European Union». Hildebrand war Dr. phil. statt Dr. oec., für Puristen ein Malus. Doch der Weltmann mit Stationen in New York, London oder Toronto glich ihn mit seinem globalen Netzwerk und seinem Welterklärer-Gen mehr als aus – noch heute bleibt er hier in der Schweiz unerreicht.

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Dirk Schütz

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Dirk Schütz

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