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Genussvoll bis zum Ende

Peter Nobel widmete sein letztes Gutachten dem Wein

Der im Mai verstorbene Anwalt und Rechtsprofessor war voller Lebensfreude – da passte sein letztes Gutachten, das er Auftrag der Vereinigung Schweizer Weinhandel erstellte.

Dirk Schütz

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Der am 26. Mai verstorbene Anwalt und Rechtsprofessor Peter Nobel. Valeriano Di Domenico

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Da ist ein Grosser gegangen: «Der Wirtschafts-Anwalt» nannte Friedrich Dürrenmatt sein Gemälde des Mannes, der ihn rechtlich beriet und auch sein Willensvollstrecker war. Doch Peter Nobel, verstorben am 26. Mai im Alter von 80 Jahren, war mehr als das, viel mehr: Kein Jurist des Landes war so belesen, so weltläufig und dabei dennoch so herrlich positiv schweizerisch wie der gebürtige St. Galler, der neben seinem legendären Militärvelo seinen zahlreichen Motorisierungen zu Wasser (ein Rennboot), zu Land (zwischen Fiat 500 Abarth und Ferrari) und in der Luft (Cessna 210) frönte. Viele hatten ihn zum Freund, weil er sozial und intellektuell ein grosser Geber war – und anders als so viele Vertreter der Juristenzunft niemals langweilte. Zum Feind wollte man ihn juristisch nicht haben.
Da passt sein letztes Gutachten, das er im Auftrag der Vereinigung Schweizer Weinhandel (VSW) erstellte und sich dabei einmal mehr republikanisch-obrigkeitskritisch mit dem in diesem Jahr mächtigsten Schweizer anlegte: Bundespräsident Guy Parmelin.
Nobels letzter Gegner: Bundesrat Guy Parmelin will Winzer schützen.
Nobels letzter Gegner: Bundesrat Guy Parmelin will Winzer schützen.Keystone
Nobels letzter Gegner: Bundesrat Guy Parmelin will Winzer schützen.
Nobels letzter Gegner: Bundesrat Guy Parmelin will Winzer schützen.Keystone
Den Plan des Waadtländer Weinbauern, zum Schutz der heimischen Winzer die Schweizer Weinhändler dazu zu verknurren, beim Import von ausländischen Weinen eine Pflichtmenge an heimischen Trauben zu kaufen und zu keltern, bot dem Sinnenmensch Stoff für sein letztes Geschoss: Die geplante Änderung verstosse gegen die Wirtschaftsfreiheit, fördere Wettbewerbsverzerrung, stehe im Widerspruch zum Landwirtschaftsgesetz und zu internationalem Recht. Dass die Schweizer Händler für jeden importierten Bordeaux qualitativ nicht wirklich vergleichbares heimisches Rebgut in ihre Auslagen stellen sollen, hielt er für eine besonders schlimme Protektionismus-Blüte. Der Bundesrat entscheidet im Herbst.

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Nobel war ein Patriot, aber nicht zulasten der Wirtschaftsfreiheit. «Wir haben die Swissair verloren, wir haben die CS verloren, und jetzt zerstören wir aus Dummheit auch noch das WEF», verkündete er, als er im letzten Frühjahr erstmals von den Anschuldigungen gegen WEF-Gründer Klaus Schwab hörte. Die Männer kannten sich nicht, doch sein Gerechtigkeitsgefühl liess ihn angesichts der hanebüchenen Vorwürfe sofort für Schwab Partei ergreifen. Der engagierte ihn – und Nobel brillierte: Schwab wurde von allen Vorwürfen freigesprochen. Erst das globale WEF, dann die heimischen Weinhändler: Er spannte bis zuletzt den grossen Bogen.

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