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Patrick Frost

Patrick Frost

Der Swiss-Life-Chef lieferte die dramatischste Story des Konzernjahres: Ende Februar teilte er seinem Verwaltungsrat mit, dass er sich wegen Krebsverdachts untersuchen lassen müsse. Für das Kontrollgremium ein Schock: Bisher hatte der begeisterte Wanderer immer sehr vital gewirkt. Gewiss, manchmal schien er etwas übermüdet, doch er hatte ja die einjährigen Zwillinge, die ihm auch mal eine schlaflose Nacht bescherten. Vier Wochen dauerte die Abklärung, dann hatte Frost die Gewissheit: Lymphdrüsenkrebs. Nach dem ersten Schock stellte sich schnell die Frage: Wie damit umgehen?

Schwere Erkrankungen auf der Teppichetage sind hierzulande noch immer ein Tabu. Zwar hatte der langjährige Nestlé-Lenker Peter Brabeck seine Krankheit öffentlich gemacht, doch die Details behielt er für sich. Ganz anders in den USA: Dort machten Konzerngranden wie Jamie Dimon von J.P. Morgan oder Lloyd Blankfein von Goldman Sachs ihren Krebs öffentlich und verkündeten ganz männlich, dass sie trotz Behandlung den Konzern weiterführen wollten. Frost beriet sich mit seiner Frau und seinem Vater, einem Mediziner, und entschied sich für den Tabubruch: volle Transparenz.
In einer einfühlsamen Mail informierte er Ende März seine Mitarbeiter über die Erkrankung. Das Feedback war enorm: Zuspruch, Aufmunterung, Durchhalteappelle. Im August wollte er zurück sein – und das schaffte er auch. Behutsam fuhr er sein Pensum hoch, und am Ende dieses sehr speziellen Jahres steht er wieder fest auf der Brücke.

Hilfreich war sicher, dass die Swiss Life der wohl familiärste Grosskonzern der Schweiz ist: Die Führungsmannschaft pflegt einen engen Zusammenhalt, und Finanzchef Thomas Buess, während der Abwesenheit Frosts Interimschef, nährt keine Ambitionen auf Höheres. Die Firma führte er dennoch gut: Der Lebensversicherer steht vor einem weiteren Gewinnzuwachs für das laufende Jahr, die Diversifikation vom Vorsorgegeschäft ist auf gutem Weg, und auch die Aktie hält sich gut: Während die Titel von Swiss Re oder Zurich dieses Jahr dem SMI hinterherhinkten, legte die Swiss-Life-Aktie um zwölf Prozent zu. Der beste Beweis: Wenn die Strategie stimmt, kann ein Konzern auch eine Weile ohne Chef auskommen.

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