Thiam, in der Schweiz vor allem bekannt durch seine Zeit als CEO der Credit Suisse von 2015 bis 2020, ist seit 2019 auch IOC Member. Ein schΓΆnes EhrenpΓΆstchen fΓΌr den Mann, der bei der CS krachend scheiterte und heute als einer der Hauptverantwortlichen fΓΌr den Untergang der Bank gilt. Doch das ist nicht das Thema, welches das IOC umtreiben muss, ein anderes aber schon: Thiam foutiert sich seit fast zwei Jahren ums Schweizer Recht.
Als Chairman der Ethics Commission des IOC seit 2017 war Ban Ki-moon fΓΌr die Einhaltung dieser Standards verantwortlich. Dass er von der Sache nicht weiss, kann er nicht behaupten: Der Schweizer Anwalt der HaushΓ€lterin schrieb ihm vor einem Jahr einen direkt an ihn adressierten eingeschriebenen Brief, dem er auch das Urteil beilegte. Ban Ki-moon habe in keiner Weise auf den Brief reagiert, so der Anwalt, nicht einmal eine EingangsbestΓ€tigung habe er erhalten. Indem Ban Ki-moon das Verhalten von Thiam ohne Konsequenzen lΓ€sst, disqualifiziert er die ganze Organisation und erzeugt den Eindruck, das ganze Ethik-Getue des IOC sei im Grunde nur pro forma. Tollen Ehrenbezeugungen tat das keinen Abstrich: Als Ban Ki-moon Ende MΓ€rz nach acht Jahren das Amt weitergab, wurde er zum Ehrenmitglied des IOC ernannt. Β«An outstanding recognition of his leadership of the Ethics CommissionΒ», so das Ban Ki-moon Centre.