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Strafuntersuchung gegen «Kryptokönig» Dadvan Yousuf

Monsterverfahren mit 800 Beteiligten

Die Berner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Jahren wegen Betrugs und anderer Delikte. Die Zahl der mutmasslich Geschädigten ist riesig.

Andreas Schmid

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Dadvan Yousuf wurde als Wunderkind gefeiert. Philippe Rossier

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Seit einigen Monaten ist Dadvan Yousuf (26) Ehrenbürger von Nauru. Und der Kleinststaat im Pazifik hat den einst als «Krypto-König» gefeierten Yousuf vor wenigen Tagen zu seinem Handelskommissar ernannt. Wohnhaft ist Yousuf in Dubai.
In der Schweiz ist der als Kind mit seiner Familie aus dem Irak in den Kanton Bern geflüchtete Krypto-Investor mit Ungemach konfrontiert. Seit drei Jahren läuft eine Strafuntersuchung gegen ihn, im Raum steht unter anderem der Verdacht auf «mehrfachen gewerbsmässigen Betrug».
Die Abklärungen der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern laufen bereits länger, aber ein Hickhack um die Zuständigkeit – die Berner Ermittler wollten das Verfahren der Bundesanwaltschaft übergeben – verzögerte die formelle Eröffnung einer Strafuntersuchung.

Riesige Dimension

Ein Abschluss des Verfahrens sei nicht absehbar, sagt Christof Scheurer, Sprecher der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern. Das liegt an der Dimension des Falls. «Es sind mehr als 800 mögliche Geschädigte und mehrere Coin-Projekte betroffen», gibt Scheurer bekannt. Deshalb gestalteten sich die Ermittlungen als «äusserst aufwendig».
Zur Deliktsumme macht Scheurer ebenso keine Angaben wie zur Frage, ob die Staatsanwaltschaft den nun im Ausland ansässigen Yousuf für Befragungen vorladen kann. Das Vorverfahren sei nicht öffentlich, begründet Scheurer.

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Yousuf nahm zu Fragen von Blick keine Stellung. Er beruft sich darauf, sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen zu haben. Für Yousuf gilt die Unschuldsvermutung.

Weiterer Ärger

Vor Jahren als Wunderkind gefeiert, das mit Kryptoinvestitionen sein Sackgeld in ein Vermögen von vielen Millionen vermehrt hatte, muss sich Yousuf inzwischen auch gegen eine Klage von ehemaligen deutschen Geschäftspartnern wehren. Diese fordern 1,6 Millionen Franken Schadenersatz von Yousuf, wie der «Beobachter» berichtete. Ihr vom Investor angelegtes Geld soll verschwunden sein.
Schon 2023 hatte die Finanzmarktaufsicht (Finma) festgestellt, Yousuf und seine Stiftung hätten unerlaubt bewilligungspflichtige Tätigkeiten ausgeübt und Bestimmungen verletzt. Die Finma wies ihn an, diese Geschäfte zu unterlassen.

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