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Buchtipp «Die 1%-Methode»

Die Kraft der kleinen Schritte

Die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln, wird immer wichtiger. Warum kleine Veränderungen mehr bewirken als grosse Vorsätze – im Leben wie in der Führung.

Claudia Lässer

Claudia Lässer: Die 49-Jährige ist CEO der Entertainment Programm AG (Blue Sport und Blue News) und Verwaltungsrätin des Zurich Film Festival.
Claudia Lässer: Die 49-Jährige ist CEO der Entertainment Programm AG (Blue Sport und Blue News) und Verwaltungsrätin des Zurich Film Festival. Christos Tzikas

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Veränderung begleitet uns ein Leben lang. In einer Welt voller Unsicherheit und technologischer Umbrüche wird die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln, immer wichtiger. Künstliche Intelligenz zeigt, wie schnell Vertrautes infrage gestellt wird. Wie gelingt es uns, damit nicht nur Schritt zu halten, sondern Veränderung aktiv zu gestalten?
Diese Frage beschäftigt mich seit Jahren als Mensch genauso wie in meiner beruflichen Rolle. Antworten darauf fand ich in «Die 1%-Methode» von James Clear. Seine zentrale These: Nicht grosse Vorsätze verändern unser Leben, sondern kleine Gewohnheiten, die wir konsequent wiederholen.
Clear vergleicht ihre Wirkung mit dem Zinseszins: Kleine Fortschritte können sich mit der Zeit zu grossen Veränderungen summieren. Überzeugend ist seine Unterscheidung zwischen Zielen und Systemen. Ziele geben die Richtung vor. Entscheidend sind die Abläufe des Alltags.
Das Buch bleibt dabei erfreulich konkret. Clear beschreibt vier Regeln, um gute Gewohnheiten aufzubauen: Sie sollen offensichtlich, attraktiv, einfach und befriedigend sein. Wer morgens Sport treiben möchte, legt die Kleidung schon am Vorabend bereit. Das Umfeld hilft oft mehr als ein Appell an die Disziplin.

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Hilfreich ist seine Zwei-Minuten-Regel: Eine neue Gewohnheit sollte so einfach beginnen, dass der Einstieg kaum Überwindung kostet. Statt täglich dreissig Minuten zu lesen, startet man mit einer Seite. Einprägsam ist auch das «Plateau des verborgenen Potenzials»: Fortschritte bleiben oft lange unsichtbar. Wer zu früh aufgibt, unterschätzt seine Fortschritte.
Noch spannender ist für mich sein Blick auf die Identität. Statt nur zu fragen, was wir erreichen wollen, sollten wir uns fragen, wer wir sein möchten. Jede wiederholte Handlung stärkt dieses Selbstbild. Das ist mehr als ein Produktivitätstipp. Auch in meiner Führungsarbeit erlebe ich, wie viel die kleinen Dinge bewirken, die wir jeden Tag tun. Eine Strategie kann man beschliessen, eine Kultur nicht. Sie entsteht dadurch, was wir täglich vorleben.
Natürlich lässt sich nicht jede Herausforderung mit einer neuen Routine lösen. Manchmal braucht es auch neue Strukturen. Clear liefert keine Wunderformel, sondern einen verständlichen, praxisnahen Werkzeugkasten. Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis: Wir müssen nicht jede Veränderung vorhersehen können. Aber wir können jeden Tag daran arbeiten, besser mit ihr umzugehen.

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Buchtipp

«Die 1%-Methode», James Clear, Goldmann Verlag, 368 Seiten, Fr. 27.90.

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