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Jacques Dubochet

Jacques Dubochet

Emeritierter Professor für Biophysik

Doris Leuthard ist «stolz auf die Schweiz». Das schrieb die Bundesrätin in ihrem Gratulations-Tweet zum Chemie-Nobelpreis für Jacques Dubochet. Auch wenn der Romand die meiste Zeit seines Akademikerlebens in Lausanne verbracht hat, verdankt er seinen Erfolg nicht der Schweiz, sondern der Internationalität der Forschung. Dubochet erhielt den Preis zusammen mit einem Deutsch-Amerikaner und einem Schotten. Die für seine Arbeit prägendste Zeit erlebte er in Heidelberg. Es ist die Neugier, die den herausragenden Wissenschaftler hervorgebracht hat. Sie prägte sein ganzes Leben. Mit fünf liess er sich wissenschaftlich erklären, warum die Sonne abends immer am Horizont verschwindet. Regelmässig lädt er Kollegen aus anderen Disziplinen zum Essen ein, um sie mit Fragen zu löchern. Sogar Religionen interessieren ihn, obwohl er «keinen Zweifel» daran habe, «dass Gott nicht existiert».
Dubochet hievte die sogenannte Kryo-Elektronenmikroskopie auf eine neue Ebene. Dank seiner Mithilfe können Biomoleküle besser sichtbar gemacht und dadurch Viren einfacher und effizienter bekämpft werden. «Kryos» ist griechisch für «kalt». Um Biomoleküle im Mikroskop zu erkennen, müssen sie in Wasser aufgelöst werden. Doch im Vakuum des Elektronenmikroskops bleiben sie nicht bestehen. Die Probe muss also gefroren werden, was allerdings zu trüben Kristallisierungen führt. Dubochet entdeckte ein Verfahren, um das Wasser so schnell gefrieren zu lassen, dass keine Kristalle mehr entstehen. Er und seine zwei Kollegen hätten es geschafft, «die Moleküle des Lebens in ihrer dreidimensionalen Struktur zu erfassen», begründet die Royal Swedish Academy of Sciences ihre Wahl.
Kaum eine positive Meldung euphorisiert die Medien so stark wie ein Nobelpreis. Bei Dubochet kommt dazu, dass er ein unterhaltsamer Zeitgenosse mit sozialer Ader ist. Für die SP politisiert er im Gemeindeparlament von Morges VD. Vor zwei Jahren haben er und seine Frau eine Somalierin bei sich aufgenommen. Und seit seiner Pensionierung 2007 unterrichtet er junge Migranten in Mathematik. Sein humoristischer Lebenslauf auf der Website der Uni Lausanne frass sich wie ein Lauffeuer durch Newsseiten und Social Media. «Gezeugt von optimistischen Eltern», steht da als erster Eintrag. Und am Ende: «Ouch! Ein Nobelpreis.»

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