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Ferdinand Piech: Der Stoff, der ihn zur Legende machte

Ferdinand Piech: Der Stoff, der ihn zur Legende machte
Ferdinand Piech: Feiert seinen 80. Geburtstag. Keystone

Machtmensch, Patriarch, Urgestein: Ferdinand Piech prägte VW wie kein Zweiter. Nun wird die Galionsfigur der Autoindustrie 80. Die Stimmung könnte kaum schlechter sein.

Es wird ein schwieriges Jubiläum: Heute Ostermontag feiert Ferdinand Piech, über Jahrzehnte die prägende Figur des Volkswagen-Konzerns, seinen 80. Geburtstag. Die Stimmung könnte kaum schlechter sein.

Vor zwei Jahren zog sich Piech nach grossem Krach aus dem VW-Aufsichtsrat zurück. Im Dieselskandal soll er andere Konzernkontrolleure, darunter seinen Cousin Wolfgang Porsche, der frühen Mitwisserschaft über den Abgasbetrug bezichtigt haben. Mitte März verkaufte Piech dann seine Beteiligung an VW fast vollständig an seinen Bruder Hans Michel - der Ausstieg markierte den endgültigen Bruch mit dem Konzern wie mit dem Porsche-Piech-Clan.

An eine offizielle Feier zu Ehren Piechs ist deshalb nicht zu denken, VW möchte stattdessen per Zeitungsanzeigen gratulieren. «Volkswagen und der Automobilstandort Deutschland haben ihm viel zu verdanken», erklärt das Unternehmen. Mutiges Unternehmertum und technologische Innovationskraft zeichneten Piechs Lebenswerk aus.

Galionsfigur der Autoindustrie

Schwindelnde Höhen des Erfolges als visionärer Autounternehmer und tiefe Abgründe eines erbarmungslosen Machtmenschen - beide Extreme prägten Piechs Wirken über fünf Jahrzehnte. Der Ingenieur hat das Wolfsburger Autoimperium mit seinen zwölf Marken erst zu dem gemacht, was es heute ist:

Mehr als 600'000 Beschäftigte, Weltspitze mit einem Fahrzeugabsatz von mehr als zehn Millionen Stück, Milliardengewinne. Der in Wien geborene Enkel des «Käfer»-Konstrukteurs Ferdinand Porsche wurde zur Galionsfigur der Autoindustrie. Von 1993 bis 2002 führte er den VW-Konzern als Vorstandschef und leitete dann den Aufsichtsrat bis zu seinem Rückzug im April 2015.

Hintergründe der Attacke unklar

Vor zwei Jahren wollte Piech den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn absägen, wie er es schon mit dessen Vorgänger Bernd Pischetsrieder durchexerziert hatte. Doch alle anderen Vertreter im Aufsichtsrat - Wolfgang Porsche eingeschlossen - fielen dem Firmenpatriarchen in den Rücken.

Über den Hintergrund der Attacke - von Piech lanciert über die Aussage im «Spiegel», auf Distanz zu Winterkorn zu sein - konnte nur spekuliert werden. Offiziell schwieg Piech wie üblich. Winterkorn galt gesetzt als Piechs Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrats. Doch Piech wollte das wichtige Amt Insidern zufolge seiner eigenen Ehefrau Ursula, einer gelernten Kindergärtnerin, anvertrauen.

Begrenztes Harmoniebedürfnis

Bis zu seiner krachenden Niederlage hatte der Machtmensch Piech seine Pläne stets durchgesetzt. «Wenn ich etwas erreichen will, gehe ich auf das Problem zu und ziehe es durch, ohne zu merken, was um mich herum stattfindet», erklärte Piech einst in seiner Autobiografie. «Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt.»

Nach dem Eklat strafte er seine Verwandtschaft, mit der er zusammen über die Holding Porsche SE eine 52-prozentige Mehrheit an VW hielt, mit Verachtung. Auf Piechs Pläne zu VW angesprochen, gab sich Wolfgang Porsche auf dem VW-Empfang zur Automesse Anfang März in Genf ratlos: «Er geht – er bleibt – wir sind alle zu blöd, wir sollen gehen …», beschrieb er Piechs Haltung.

Start bei Porsche und Audi

Weiter zurück in der Vergangenheit liegt der Stoff, der Piech zur Legende machte: Denn Piechs enormer Einfluss fusst nicht nur auf seinem Machtbewusstsein, sondern auch auf seiner grossen technischen Expertise. Der gelernte Maschinenbauer startete seine Karriere 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen.

Seinen Ruf als Konstrukteur erwarb er sich bei Audi in Ingolstadt, wo er Entwicklungen von der Aluminium-Karosserie in Leichtbauweise bis hin zum Audi-Quattro-Antrieb vorantrieb - auch wenn nicht alles technisch Machbare immer einen grossen Verkaufserfolg zeitigte. 1988 rückte er an die Spitze der VW-Tochter, die er zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten der Premiumhersteller BMW und Mercedes machte.

Vom Ein-Liter-Auto bis zum Spritfresser

Am Drei-Liter-Auto Lupo tüftelte Volkswagen unter Piechs Führung schon viele Jahre bevor die EU-Klimaschutzvorschriften die Branche zu sparsameren Motoren zwang. Piech habe sich um viele technische Details selbst gekümmert und viel Zeit zur Markteinführung 1999 genommen, berichtete ein Konzernkenner. «Das Drei-Liter-Konzept zeigte seine Visionskraft.» Piech trieb dann sogar ein noch radikaleres Modell eines Kleinwagens mit nur einem Liter Benzinverbrauch je 100 Kilometer voran.

Zur VW-Hauptversammlung 2002, als Piech vom Vorsitz des Konzernvorstands auf den des Aufsichtsrats wechselte, lenkte er den Prototypen persönlich von Wolfsburg nach Hamburg. Am anderen Ende der PS-Skala verleibte sich VW unter der Ägide des sportwagenbegeisterten Porsche-Enkels 1998 die italienischen Marken Bugatti und Lamborghini ein.

Der begnadete Ingenieur Piech konnte jedoch keines seiner zwölf Kinder inspirieren, beruflich in die Fußstapfen des Vaters zu treten. «So genial er bei vielen technischen Sachen war, so enttäuschend ist sein Abgang», zieht ein Familienkenner Bilanz. 

(reuters/ccr)

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