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Award-Gewinner

Nachhaltigkeit lässt sich ernten

Der Schweizer Chipshersteller Zweifel gewinnt den Promarca Brand Sustainability Award.

Wilma Fasola

Zweifel verarbeitet in der Hochsaison täglich bis zu 150 Tonnen Kartoffeln zu Chips.
Zweifel verarbeitet in der Hochsaison täglich bis zu 150 Tonnen Kartoffeln zu Chips.Zweifel

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Wer über die Zukunft der Landwirtschaft nachdenkt, stösst fast unweigerlich auf Skepsis. Kann ein Wirtschaftsmodell nachhaltig funktionieren, das ökologische Verantwortung einfordert, ohne die ökonomische Existenz der Landwirte zu gefährden? Ist die Idee des regenerativen Anbaus mehr als ein schickes Marketingversprechen für das Gewissen der Konsumenten? Die Debatte um die Umstellung der landwirtschaftlichen Praxis ist in vollem Gange. Es geht um Ertragsausfälle, unkalkulierbare Wetterrisiken, finanzielle Unsicherheit und die Befürchtung der Landwirte, dass der Handel am Ende doch nur über den tiefsten Preis verhandelt.

Risiken fair verteilen

Die Sorge ist im Agrarsektor kein akademisches Konstrukt, sondern tägliche Realität auf den Feldern. Wenn Produzenten ihre Bewirtschaftung umstellen, investieren sie in den Boden – ein Kapital, dessen Rendite oft erst Jahre später sichtbar wird. Ein Fehlschlag bedroht direkt die Existenz des Hofes. Mit dem Projekt «Regenerative Landwirtschaft» liefert der Chipshersteller Zweifel eine messbare und tragfähige Antwort, die nun mit dem Promarca Brand Sustainability Award prämiert wurde. «Für uns ist die Auszeichnung vor allem eine Anerkennung für die vielen Menschen, die diesen Weg mitgehen: unsere Kartoffelproduzenten, Partner und Mitarbeitenden entlang der Wertschöpfungskette. Sie alle tragen dazu bei, Schweizer Kartoffeln und Raps zukunftsfähig anzubauen und nachhaltige Entwicklung konkret umzusetzen», heisst es von Unternehmensseite.

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Die Auszeichnung

Mit dem Promarca Brand Sustainability Award zeichnet der Schweizerische Markenartikelverband Promarca Mitgliedsunternehmen aus, die mit zukunftsweisenden Projekten neue Massstäbe für Umwelt und Gesellschaft setzen. Eine unabhängige Fachjury bewertet die eingereich-ten Initiativen nach strengen Kriterien: Die Ergebnisse müssen durch quantitative und wissenschaftliche Daten belegt und die Ansätze über das einzelne Projekt hinaus skalierbar sein. Der Award dient somit als wirkungsvoller Katalysator für ein nach-haltiges, zukunftsfähiges Wirtschaften in der Schweiz. Sieger in diesem Jahr ist Zweifel für das Projekt «Regenerative Landwirtschaft». Platz zwei teilen sich Barilla für «Carta del Basilico» und die Groupe Minoteries SA für «Verwertung von Lebensmittelnebenprodukten für eine kreislauforientierte und nachhaltige Bäckerei». Oatly erhält den Anerkennungspreis als erste «Climate Solutions Company» der – Lebensmittel- und Getränkeindustrie und belegt Platz drei.
Die grösste Hürde bei Nachhaltigkeitsinitiativen ist traditionell das klassische Einkaufsverhältnis. Daher ist die Frage: Wie soll nachhaltige Transformation gelingen, wenn das finanzielle Risiko allein bei den Bauern hängen bleibt? Fakt ist, dass es nicht ausreicht, bloss Richtlinien zu formulieren. Die Zusammenarbeit mit Partnern wie Inoverde und Agroimpact wurde deshalb bei Zweifel auf ein neues Fundament gestellt. Statt kurzfristiger Marktpreisschwankungen braucht es Verbindlichkeit. «Nachhaltige Veränderungen entstehen nicht per Bestellung», sagt Cédric Baier, Leiter Nachhaltigkeit bei Zweifel Chips & Snacks. «Wir arbeiten mit unseren Produzenten langfristig zusammen, lernen voneinander und entwickeln Lösungen gemeinsam. Dazu gehören sechsjährige Abnahmegarantien, faire Vergütungsmodelle und die Messung der Klimawirkung.» So wird das betriebswirtschaftliche Wagnis für die Betriebe – in diesem Fall Kartoffelproduzenten – kalkulierbar. Erst diese wirtschaftliche Sicherheit schafft den nötigen Raum, um regenerative Praktiken wie den Aufbau von Humus und die Förderung der Biodiversität überhaupt auszuprobieren. Zudem entkräftet das Projekt die Sorge um den wissenschaftlichen Nutzen. Es wird nicht mehr nur über Potenziale geredet, sondern die Klimawirkung wird konkret gemessen und bilanziert.

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Skalierbar für den Massenmarkt

Eine weitere Hürde ist, dass Nachhaltigkeitsprojekte oft nicht für den Massenmarkt taugen. Im Fall von Zweifel jedoch hat sich gezeigt, dass es auch anders geht. Dazu sagt Baier: «Aus ersten Pilotbetrieben entstand in kurzer Zeit der schweizweit erste CO₂-bilanzierte regenerative Kartoffelanbau.» Besonders unterstützt hat, dass sich viele regenerative Praktiken gut in bestehende Bewirtschaftungsformen integrieren lassen. «Im Jahr 2025 haben wir bereits 1500 Tonnen regenerativ angebaute Kartoffeln beschafft. Diese Zahl steht für echte Umsetzung statt Theorie. Oder als Bild: für eine Handvoll gesunder Erde.» Die Konsumenten müssen also nicht zwischen ökologischem Gewissen und Genuss wählen.
Trotz des Erfolgs bleibt eine berechtigte Restskepsis gegenüber der gesamten Markenartikelbranche. Einzelne Pionierleistungen reichen nicht aus, um die Klimaziele des gesamten Sektors zu erreichen. Der wesentliche Teil der Umweltwirkung entsteht schliesslich nicht in den Fabrikhallen, sondern in der landwirtschaftlichen Lieferkette. «Die Umstellung muss für die Produzenten wirtschaftlich attraktiv sein. Dafür braucht es langfristige Partnerschaften, Planungssicherheit, praxistaugliche Rahmenbedingungen und die Bereitschaft von Unternehmen, Verantwortung entlang der Lieferkette zu übernehmen. Hierfür müssen sich aber auch noch mehr Unternehmen engagieren.» Der Ausblick auf die kommenden zehn Jahre macht deutlich: Das Projekt versteht sich nicht als abgeschlossenes Denkmal, sondern als Impuls an die Gesamtbranche. Denn nur wenn mehr Unternehmen bereit sind, finanzielle Verantwortung für ihre Lieferkette zu übernehmen, wird ein regenerativer Anbau zur gelebten Selbstverständlichkeit.

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