Sie ist die Frau, bei der die Fäden der Zuger Wirtschaftskammer (ZWK) zusammenlaufen: Claudia Pittner fungiert als Geschäftsführerin der Kammer. Dabei verfügt sie über kein grosses Team. Gerade einmal 130 Stellenprozent halten den Betrieb des Verbands am Laufen, ihre Prozente miteingerechnet. «Wir sind sehr schlank unterwegs», sagt Pittner. «Das funktioniert nur auf Basis der grossen Effizienz im Kanton Zug, der direkten Wege und des lösungsorientierten Denkens und Handelns, das man überall spürt.»
Ihren Alltag beschreibt Pittner als vielseitiges Zusammenspiel aus klassischer Kammerarbeit, Kommunikation und politischen Aufgaben. Die operative Verantwortung liegt bei der Geschäftsstelle, während die strategische und politische Ausrichtung in enger Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Vorstand erfolgt. Im Kern gehe es darum, zuzuhören, zu vernetzen und zu spüren, wo der Schuh drückt. «Das ist das Wichtigste für unsere Bodenhaftung: dass wir unsere Leute spüren. Wir möchten unsere Mitglieder vertreten, und das können wir nur, wenn wir im Gespräch sind und Bescheid wissen.»
Aktuell zählt die ZWK 576 Mitglieder, Tendenz steigend. Seit Pittner und Präsidentin Katharina Gasser ihre Ämter übernommen haben, sind rund 70 neue Mitglieder hinzugekommen. «Dieses Wachstum zeigt uns, dass unsere Arbeit und unser Netzwerk für die Zuger Unternehmen relevant sind. Die Marke von 600 Mitgliedern ist für uns deshalb ein schönes nächstes Etappenziel», sagt Pittner.
Gelebt wird das Netzwerk vor allem über Veranstaltungen: 10 bis 15 pro Jahr, mit dem Tag der Zuger Wirtschaft als Flaggschiff. Rund dreihundert Gäste nehmen am Anlass jeweils teil, darunter prominente Persönlichkeiten aus der ganzen Schweiz, im vergangenen Jahr zum Beispiel Glencore-CEO Gary Nagle, dieses Jahr Swiss-Re-CEO Andreas Berger. «Die starke Beteiligung zeigt, dass unsere Veranstaltungen für die Mitglieder einen echten Mehrwert schaffen und unser Netzwerk lebendig ist», sagt Pittner. Dazu kommen wiederkehrende Formate wie eine jährliche Steuerveranstaltung, ein Private-Equity-Anlass sowie mehrere Veranstaltungen im Bereich Bildung und Personal, die auch Themen wie Fachkräftemangel oder KI aufgreifen. Bei politischen Formaten vertritt die ZWK ihre Haltung klar, schafft aber zugleich Raum für unterschiedliche Sichtweisen und eine sachliche Auseinandersetzung. «Wir wollen Orientierung geben und unsere Position nachvollziehbar darlegen. Zugleich ist uns wichtig, unterschiedliche Argumente einzuordnen, damit sich unsere Gäste eine fundierte eigene Meinung bilden können.»
Die Teilnahme ist für Mitglieder im Beitrag inbegriffen, der sich nach Unternehmensgrösse richtet und zwischen 400 und 7000 Franken liegt. Mitglied werden können nur Personen oder Unternehmen, die im Kanton Zug wohnhaft oder tätig sind. «Unser Ziel ist, dass die Unternehmen hier Wurzeln schlagen, sich vernetzen und aktiv einbringen.» Gerade KMU seien heute häufig mit mehreren Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert: Fachkräftemangel, Regulierung, administrativer Aufwand sowie Kosten- und Margendruck. Hinzu kommen die technologische Transformation und Zuger Wachstumsfragen wie Wohnraum, Mobilität und verfügbare Gewerbeflächen. «KMU brauchen Rahmenbedingungen, die ihnen den nötigen Spielraum geben, sich auf ihre Kunden und Kundinnen, auf ihre Mitarbeitenden und auf Innovation zu konzentrieren.»
Die neuen Mitglieder der ZWK kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Besonders dynamisch entwickeln sich technologiegetriebene Bereiche wie Blockchain, Fintech, IT und künstliche Intelligenz. Gleichzeitig prägen Lifesciences, Medtech, Finanzdienstleistungen, Rohstoffhandel sowie internationale Unternehmensfunktionen den Standort. «Zugs besondere Stärke liegt in seiner Vielfalt: von klein bis gross, international wie lokal und über unterschiedlichste Branchen hinweg. Gerade dieses Zusammenspiel macht unsere DNA aus und stärkt die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.»
Nach acht Jahren Pause hat die ZWK die Wirtschaftswochen gemeinsam mit der Zürcher Handelskammer und Wirtschaftsbildung.ch im Kanton Zug neu belebt. Während einer Woche führen Jugendliche in einem praxisnahen Planspiel ein fiktives Unternehmen, treffen strategische Entscheidungen und erleben deren Auswirkungen bis hin zur simulierten Generalversammlung. Im Juni waren rund zwanzig Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Menzingen bei Glencore in Baar zu Gast. Bereits Ende September folgt eine weitere Wirtschaftswoche bei Glencore sowie eine bei der Zuger Kantonalbank.
Für die kommenden Monate setzt Pittner Schwerpunkte bei der wirtschaftlichen Bildung, Fachkräftesicherung, Infrastruktur und Standortentwicklung. Parallel bleiben Stellungnahmen, Abstimmungsparolen und die Vorbereitungen rund um die Bilateralen III zentral. Auch der nächste Tag der Zuger Wirtschaft ist bereits wieder in Planung. «Nach dem Anlass ist bei uns vor dem nächsten. Unser Netzwerk lebt von Menschen, die miteinander ins Gespräch kommen, Ideen teilen und gemeinsam etwas für den Wirtschaftsstandort Zug bewegen.»